L Ü BECKISC HE BLATTER ZEITSCHRIFT DER GESELLSCHAFT ZUR BEFORDERUNG GEMEINNUTZIGER TATIGKEIT LUB ECK, DEN 23. JANUAR 1955 EIN HUN D ER T FUN F Z E HN T ER JAHR G ANG / EIN UN D N E UN ZI G S T ER DER NE U E N REIHE y NU M MER & VORTRAGE Dienstag, den 25. Januar 1955, 20.00 Uhr, Königstraße 5 Prof. Dr. Freund, Kiel: „Formen und Möglichkeiten der Demokratie im Massenzeitalter‘“ Gemeinsam mit der Unirversitätsgesellschaft Dienstag, den 1. Februar 1955, 20.00 Uhr, Königstraße 5 Dipl. rer. pol. 0. Kahns, Lübeck: „Die Entwicklung der Lübecker Industrie“ Gibt Lübeck eine wertvolle Tradition auf? Vor dem Kriege hatte der Querschnitt durch Zwang zum .,wirtschaftlicheren“ Reihenhaustyp ent- Lübecks Wohnungsbestand wie auch der durch seinen standen war. Wohnungsneubau ein inDeutschland fast einzigartiges, Der alte Lübecker Wohnungsquerschnitt dürfte in eigenes Profil. etwa dem durchschnittlichen Wunschtraum der Wohn- Es gab um die Innenstadt herum einige kleine Ber- bevölkerung entsprechen, wie das in vielen statistischen reiche mit ausgesprochen ,,städtischen“ Mietwoh- Veröffentlichungen der letzten Zeit immer wieder zum nungen in Geschoßbauten. Es gab aber schon in diesen Ausdruck gekommen ist. Der weitaus größte Teil der Stadtteilen in viel größerem Ausmaß und aus allen Bevölkerung hat den Wunsch, im eigenen kleinenHaus Bauepochen das ,,vorstädtische“ Kleinhaus zum mit Garten zu wohnen. Nur ein wesentlich kleinerer großen Teil in Reihenhausform. Darum herum sowohl Teil bevorzugt ausdrücklich das Miethaus, und die am eigentlichen Stadtrand als auch in vielen selb- moderne Form des Wohnhochhauses haben nur be- ständigen „Siedlungen“ aber lag die Masse der Woh- stimmte kleine Bevölkerungsgruppen zum Ziel. nungen in dem Lübecker ,,Siedlungshaus“. Diese Bevorzugung des Eigenheimes im Garten hat Diese Siedlungen bildeten frühe Ansätze zu dem, ganz wesentliche Gründe, denen sich niemand ver- was man heute mit viel Aufwand als , Trabanten- schließen darf. städte‘ bezeichnet. Es ist ganz ohne Zweifel, daß für das Aufwachsen Das Lübecker Siedlungshaus lag meist in einem und die Erziehung der Kinder der eigene Garten, und eigenen Gartengrundstück, das so groß geschnitten sei er auch noch so klein, von ganz ausschlaggebender war, daß die Abwässer auf dem eigenen Boden ver- Bedeutung ist. Aber auch für die Erwachsenen be- arbeitet werden konnten. Kanalisation war also nicht deutetdie Pflege eines Gartens einen in seinem Wert gar notwendig. Die Wasserversorgung war ebenfalls zum nicht zu erfassenden körperlichen und geistigen Aus- Teil auf eigene Brunnen angewiesen. gleich zur Berufsarbeit. Die Hansestadt Lübeck konnte ihr Wachstum in Das bekannte Wort, daß der Siedler ein schlechter soleh gesunde Bahnen lenken, weil sie selbst fast 50% dWMarschierer sei, weist aber noch weiter. ihres Bodens in Besitz hatte und diesen den Sied- Der Siedler ist meist Eigentümer, er ist darüber lungen billig in Erbpacht geben konnte. hinaus naturverbunden, selbstsicher und selbstgenüg- Rine Veröffentlichung der Hansestadt Bremen, die sam. Er steht wirtschaftlichen Katastrophen viel ge- dem bekannten und dort auch heute noch bevorzugt festigter gegenüber als der „Städter“. Es dürfte noch gepflegten „Bremer Reihenhaus“ gilt, zeigt, daß in aller Erinnerung sein, wie der Siedler darum be- Lübeck in bezug auf die Zahl der Wohnungen, die in neidet wurde, daß er in den langen schlechten Jahren einem Wohngebäude zusammenliegen, kaum schlech- alldie Flächen, die heute wieder unter Gras und Blumen ter gestellt war als die Schwesterstadt. Vorteilhaft stehen, als Gemüse- und Kartoffelland nutzen konnte. unterschieden sich die Lübecker Verhältnisse von den Sollte die Tatsache, daß der Siedler ungern mar- dortigen dadurch, daß die vielen Einzelwohnbauten schiert, wohl mit ein Grund dafür sein, daß der Woh- in Vorm von ERinzelhäusern oder Doppelhäusern in- nungsbau der großen Massenorganisationen fast immer mitten weiter Gärten lagen. während dort bereits der das Miethaus bevorzugt ? _ 13