Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

Thomas Mann und das Katharineum mit Thomas Manns Verhältnis zu seiner Schule, nachdem er sie 1894 (mit der Versetzung in die Obersekunda) verlas- sen hatte. Die wichtigste Fundgrube da- für seien natürlich die „Buddenbrooks“ (1901) und Aussagen von Mlitschülern. Im Mittelpunkt der Reminiszenzen stehen Lehrkräfte, insbesondere der Schulleiter Schubring, von Hanno Buddenbrook als „der liebe Gott“ gefürchtet und von Tho- mas Manns Freund Otto Grautotf 1909 als unfähig’ verdammt, unter dessen Lei- tung das Katharineum ..die schlechteste deutsche Schule“’ geworden sei, in der die „minderwertigsten Pädagogen“ mit „Ka- sernenton“ herrschten und kein „mensch- liches Verhältnis zwischen Lehrern und Schülern“ bestanden habe. Im Vergleich zu dieser vernichtenden Generalabrech- nung Grautokks mit dem Katharineum gebe es auch andere, differenzierende Darstel- lungen. So habe nach der Erinnerung von Ludwig Ewers der junge Thomas Mann beispielsweise deutlich menschliche Zu- wendung von seinem Klassenlehrer in der Untertertia, Heinrich Hupe, erfahren, des- sen Lieblingsschüler er gewesen sein soll und in dessen Pension er einige Monate gelebt habe. In der Gestalt von Oberlehrer Man- telsakt habe Thomas Mann in den „Bucdenbrooks“ Eindrücke verschiede- ner Lehrer komprimiert, vor allem den vom geschätzten Klassenlehrer Baethcke (in der Untersekunda), der ihn in seiner Schiller-Begeisterung unterstützt habe: Aus der Schulzeit Thomas Manns am Gymnasium Aus Aufzeichnungen seines damaligen Mitschülers Paul Hoffmann Von Dr. Werner Budesheim Als ich im Sommer 2003 mit der re- daktionellen Bearbeitung der Festschrift der Ernestinenschule zur Feier ihres 200- jährigen Bestehens begann, ergaben sich auch Kontakte mit Herrn Michael Hotf- mann aus Hamburg-Volksdort, dessen Ur- großvater Paul Moritz Hoffmann um 1900 die Ernestinenschule geleitet hatte. der der erste Schulleiter in dem neuen Schulbau in der Kleinen Burgstraße 24-26, Ecke Koberg, dem Heiligen-Geist-Hospital ge- genüber liegend, war. Ein in Vergessenheit geratenes groß- formatiges Bild in Öl, das Paul Moritz Hoffmann auf einem Sessel sitzend in Seitenansicht zeigt, war bei Aufräumar- beiten im Keller wiedergefunden worden, für das sich die Familie Hotfkmann inter- „Schiller ist nicht das erste-beste, was Sie lesen, es ist das Beste, was Sie lesen kön- nen!“ In einem weiteren Teil seines Vortrags widmete sich Dr. Zimmermann den Mit- schülern von Thomas Mann. Von ihnen ist eine nicht unbeachtliche Zahl in un- terschiedlicher Form und Intensität in das literarische Werk des Schriftstellers einge- gangen. Schulfreunde wie Otto Grautoff und Hans Kaspar von Rantzau sind im Schulkapitel der „Buddenbrooks“ (Han- no und Kai Grat Mölln) verewigt; seiner „ersten großen Liebe Armin Martens“ habe er im blonden Hans Hansen in ,.To- nio Kröger“, seinem zweiten Schwarm Williram Timpe in Pribislaw Hippe im „Zauberberg“ je ein bleibendes Denkmal gesetzt. Desiderius Fehér, Sohn eines jü- dischen Schneiders, sei der einzige seiner Mitschüler gewesen, den Thomas Mann sogar mit vollem Namen in sein Werk („Zauberberg“) übernommen habe. Andererseits sei auch von Schulfreun- den über den gemeinsamen Schulbesuch in Briefen und Zeitungsartikeln geschrie- ben worden. Dr. Zimmermann nannte 2. B. Dr. Felix Neumann, der kurz nach dem Zweiten Weltkrieg einen Zeitungsartikel „Mit Thomas Mann aut der Schulbank“ veröffentlicht habe, über den sich der Schriftsteller allerdings in seinem , Tage- buch“ - nicht gerade erfreut - als ,„törich- ten Erinnerungsartikel“ geäußert habe. Thomas Manns letzter Besuch 1955 in seiner Vaterstadt anlässlich der Verleihung essierte. So in Kontakt gekommen, fragte ich Herrn M. Hofkmann, ob er vielleicht einen Beitrag über seinen Urgroßvater zur 200-Jahr-Feier schreiben könne. Er teilte mir daraufhin mit, dass er mir die „Lebenserinnerungen“ seines Großvaters Paul Hoffmann, also des Sohnes von Paul Moritz Hoffmann, zur Auswertung zur Verfügung stellen könne. die sein Vater Wolkgang Hotfmann auf der Grundlage handschriftlicher Überlieferungen seines Großvaters maschinenschriftlich gefasst habe. Für diesen großzügigen Vorschlag war ich sehr dankbar, und so konnte ich dann die für die Historie der Ernestinenschule um 1900 und ihres damaligen Schulleiters Paul Moritz Hotkmann wichtigsten Passa- der Ehrenbürgerschaft hat ihn auch h einmal in seine alte Schule gefühn die Aula und vor allem auf den vorg Schulhof, Ort der Erinnerungen an traute Schulfreunde. ] Bewegend zu hören war, wie sich | ſytrin 80jährige Thomas Mann in einem B, an seinen verbliebenen Mitschüler , Ö Lübecker Kaufmann Hermann Lange seine „erste Liebe“ Armin Martens § nert, „an diese Passion der Unschuld“ nicht nur kür den jungen Thomas Many überwältigendes Gefühl, dem er in ..71. Kröger“ in der Person von Hans Hay Gestalt gegeben hat. Es ist das Verdienst von Dr. Zn, mann, das facettenreiche Schulkgy, Thomas Manns, das den Schriftsts persönlich wie literarisch ein Leben j beschäftigt hat, detailgetreu, anschay, und liebevoll-behutsam aufgebl;j zu haben. Den zahlreich erschiene Zuhörern im Buddenbrookhaus wy eindrucksvoll vor Augen geführt, y auf Thomas Mann die Schule als Beg, mas Mann nungsort, insbesondere ..der geklink; ttt Schulhof, auf dem Schülerkreundsch, erkung übel ten und erste Liebesdramen ihren Q, 'i verökkent nahmen“, so bedeutungsvoll und nad yerr Hofkkmar haltig gewirkt habe- wesentlich sti, „in Einverstä als das Katharineum als Lehrinstitutj, j: „Die Schule selbst hat keinen bett usammenhä menden Einfluß auf meine Entwickh, die Wertigkei gehabt‘(Thomas Mann in einem Frag E R bogen der Zeitschrift „Schule und Elte, t Paul Hokk haus, 1931). nerungen“ sCl in Oberreißer sein Vater F Pastorenstellé Hoffmann w veborene Bo! gchwester Jo! cke in Lübecl der, Dr. Wilk bis 1870 L Hermann wa war er Mitgl. 1883-1885 A de. Der Vati Nun ist et gen herausarbeiten und in dem Festby .200 Jahre Ernestinenschule“ unter dy Titel „Paul Moritz Hoffmann zur Erin; rung“ (S. 41-51) im Jahre 2004 veröffey lichen. Nun hatten wir anlässlich des 130.0; burtstages und des 50. Todestages Thom, Manns im Jahre 2005 das sog. „Thomy Mann-Jahr““, und da fiel mir ein, dass q Aufzeichnungen von Paul Hoffmann aud Anmerkungen über Thomas Mann ey hielten, da beide zeitweilig in derselbe Klasse am Katharineum gesessen hatte; die zwar im Zusammenhang der Fes schrikt keine Relevanz hatten, aber th sich gesehen doch den Wert haben sollte; veröffentlicht zu werden. Und so frag: ich Herrn M. Hofkkmann, ob ich diese Ay ..- Diensta 28.03. 86 s tp Lübeckische Blätter 2001 1jheckische Blä
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