Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

Forsthaus Waldhusen Dieser mag auch den Dichter Emanuel Geibel (1815-1884) angezogen haben, der einige Zeit im Forsthaus lebte und dichte- te. Das Geibel-Zimmer mit Blick auf die Waldwiese erinnert noch heute daran. Alle drei beschriebenen Stufen der soziologischen Entwicklung des Berutes des Forstmannes lassen sich an den Bau- lichkeiten des Forsthauskomplexes Wald- husen noch heute in reiner Form und in ungestörter Folge ablesen: -Der alte Holzvogtkaten von ca. 1715, zumindest in seiner äußeren Erscheinung., -das Forsthaus im niedersächsischen Bauernhausstil von 1765 und -der „herrschaftliche“ Anbau mit Park von 1807 sind noch erhalten. Dieses Ensemble stellt also ein ein- maliges Denkmal der soziokulturellen Entwicklung eines Berufsstandes dar, der über Jahrhunderte hinweg ökonomische, kulturele und landschaftsgestaltende Funktionen wahrgenommen hat und noch heute wahrnimmt. Wegen seiner bauhistorischen Bedeu- tung steht das Forsthausensemble Wald- husen unter Denkmalschutz. Die sozio- kulturelle Bedeutung wurde bisher wenig wahrgenommen und erörtert, ist aber mindestens ebenso bemerkenswert wie der bauliche Wert und von überregiona- ler Bedeutung im norddeutschen Raum. Dass der Forsthauskomplex Waldhusen nach fast 300 Jahren immer noch seiner ursprünglichen Zweckbestimmung dient, ist außergewöhnlich und hebt den Wert der Anlage deutlich. Das Forsthaus Waldhusen diente -von 1765 bis 1806 als Försterei für den Wald Waldhusen, -von I806 bis 1875 als St.-Johannis- klösterliche Oberförsterei, -von 1875 bis 1909 als Försterei Waldhusen innerhalb der Revierförsterei Israelsdort, -von 1909 bis 1919 als Oberförsterei der vereinigten klösterlichen und städti- schen Forsten, -von 1919 bis 1934 als selbständig wirtschaftende Einheit des verwaltenden Revierkörstersystems, -von 1934 bis heute als Revierförste- rei des Stadtforstamtes Lübeck/Bereiches Stadtwald Lübeck. 14 Forstleute hatten bisher das Forst- haus Waldhusen als Dienstsitz inne: -1765-1806 Förster Johann Jürgen Böttcher ~ 1806-1838 Ludwig Kuntze Forstinspektor Georg - 1838-1840 kommissarischer Förster Eberhard Kuntze - 1840-1875 Oberkörster Carl Her- mann Haug -1875-1890 Förster Johannes Wil- helm Cabell - 1890-1908 Revierförster Friedrich Johannes Gotthold von Grolßheim - 1909-1919 Oberförster Carl Hein- rich Friedrich Kluth - 1919-1936 Schroeder - 1936-1945 Revierförster Willi Karl Gustav Schmahl -1945 Revierförster Waldemar Lenz - 1945-1946 Revierförster Willi Ernst Erich Teuwsen - 1946-1955 Revierförster Karl Mari- us Specht ~ 1955-1965 Gustav Schmahl - 1965-2006 Rathje Reimers Die Zukunkt dieses bemerkenswerten Forsthauses sieht düster aus. Natürlich bin ich als bisher letzter im Forsthaus Waldhusen wohnhaft gewesener Förster befangen und habe auch ein ganz persönliches Interesse am Fortbestehen des forstlichen Dienstsitzes Waldhusen. Über 40 Jahre habe ich dort wohnend und für den Wald wirkend zugebracht. Beides hat mich sehr ausgetüllt und befriedigt. Mein Herzblut hängt an diesem Haus und an dem umliegenden Waldrevier! Umso mehr macht es mich betroffen, dass demnächst die lange traditionsträchti- ge Ära dieses Forststandortes zu Ende sein könnte. Wie es scheint, soll das Forsthaus Waldhusen wohl für gewerbliche Zwecke meistbietend an Fremde verkauft werden. Das St.-Johanniskloster als derzeitiger Ei- gentümer hat nicht die Mittel, weiterhin als Träger dieses Hauses zu fungieren. Die Stadt weigert sich, das Forsthaus zu übernehmen. Dabei müsste gerade sie ein gesteigertes Interesse am Erhalt des Forststandortes haben. Zwei Drittel der von Waldhusen aus bewirtschaften Flä- chen gehören der Stadt, ein Drittel den Stiftungen. Gerade die Stadt braucht den Verwaltungsmittelpunkt für das Revier, eine Dienstwohnung für den neuen Förster, Platz für Naturbildungsangebote u. a. Das Forsthaus Waldhusen ist der ver- waltungsmäßige Mittelpunkt für ein Ge- biet, das umgrenzt wird von den Waldun- gen auf dem Priwall. am Brodtener Uker, in Schwochel und Schwinkenrade in der Gemeinde Ahrensbök, auf dem Krumbe- cker Hok in der Gemeinde Stockelsdork, von den Roggenhorster Aufforstungen Revierförster Albert Revierförster Willi Karl Forstamtmann Hans und von der Lehmbeck bei Reecke. h se Waldflächen verteilen sich auf die j " den: sitzer Hansestadt Lübeck, St.-Johan, zung n h Jungfrauenkloster, Heiligen-Geist-Ho, cm Stad tal und Kurverwaltung Travemünde. ~ n: P Das Forsthaus Waldhusen ist im j nen neus wusstsein der umliegenden Ortschayt, pot . ben ein kester Anlaufpunkt für Holzintgye. gan ~Ü senten (jährlich an die 300) und Büry staltu .o s. die Auskünfte wünschen über Wald, Ti, kaut) bſiebe und Naturschutzfragen. Die wöchentli, Gerät Ini Sprechstunde am Mittwochvormittag N Umwe stets zeitlich voll ausgenutzt durch Be, " q cher. Diese hätten sicher kein Verstänq, dafür, wenn die Forstdienststelle an eiy . anderen, den Besuchern unbekannt Verlier wahrscheinlich auch ungünstigeren ( verlegt würde. Viele besorgte Anfrag, was denn wohl mit der Försterei gescheh, werde, wenn der Verfasser dieser Zei in Pension gehe, zeugten schon im letz, Jahr von der Verunsicherung bei der u wohnenden Bevölkerung, aber auch y der Wertschätzung des alten Forsthaus inxig eine a Das Forsthaus ist groß, weil es ej, Fin: es als Sitz des leitenden Oberförsters erh, Hy k wurde, dem ein landwirtschaktlicher y jh h Zarte trieb angeschlossenen war. Es ist desh; Jahrhn dass p daran, ass ( auch teuer in der Unterhaltung. Die lo, vemeinsame ötig Kücknitz rt, aber es h ne Geschicht ten der örtli Jahrhunderts gem Jahrhun sche Konsequenz aus dem bereits Se§ § wie z. B. ü ten ist: ; „Die Stadt muss das Forsthaus v cis teh Kloster für einen angemessenen Pr versucht seit übernehmen. Sie erspart sich dann ( fäl in Kück Neubau einer Försterei! ~ÖMan muss die vielen zur Zeit braq liegenden Räumlichkeiten nutzbringe, umgestalten. Diesem Ziele dienten die vom Berej, Stadtwald Lübeck initiierten und vom g : meinnützigen Verein (Muttergesellsch, und Tochter Kücknitz) bewirkten y von dem Architekten Justus Deecke y gestellten „Überlegungen über zukünttj Nutzungsmöglichkeiten des Forsthaus Waldhusen“. Neben der Dienstwohny kür den Förster sind vier weitere Woh, einheiten, daneben die heutige Tenne y Seminarraum, Räume für Waldjugen| gruppen und für einen Waldkindergart angedacht. Die Mittel hierfür könnt durch Spenden aufgebracht werden. Mt nes Wissens hat der zuständige Senay für Umwelt diesbezüglich bereits en Gespräche aufgenommen. Wenn das Forsthaus von 1765 in (: Verwaltung der Hansestadt Lübeck blieh wäre viel Positives erreicht: -Der Denkmalpflege wäre Rechny getragen. | -Das Bauensemble würde nic zweckentfremdet. rem dadurch Ortszentrum 28.02. 07.03. Theate Schauspic Freitag, Sonntag., [ tik 54 Lübeckische Blätter 2008 Lübeckische Bli
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