Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

Chronik November Ansichtssache Ein Picasso zum Schnäppchenpreis ? von Hans Millies Seit einiger Zeit geistert der Vorschlag durch die Gazetten, zur Behebung städti- scher Finanzmisere die Depots der Muse- en zu überprüfen, ob sich dort entbehrliche Kulturgegenstände befinden, auf deren La- gerung manverzichtenkann, umsie zu klin- gender Münze zu machen. Der Vorschlag ist nicht neu. Er wurde bereits vor Jahren im Kulturausschuss der Bürgerschaft ein- gebracht, als der damalige Kultursenator Henning Koscielsky Geschirr und Silber des Ratskellers für einen Schnäppchen- preis erwarb. Wohlgemerkt will man jetzt weder Bilder von Gotthardt Kuehl noch ei- nen Fredenhagenschen Altar verscherbeln. Doch könnte sich bei gründlicher Durch- korstung von Lagerräumen der Museen und einer Trennung von Überflüssigem SOLAr manch attraktiver Kauf für Kunstfreunde ergeben. Gewiss ist auch nicht an Gegenstände aus Schenkungen gedacht, die das Inven- tar oder die Sammlung bereichern und vervollständigen, wie Silber, Fayencen und Porzellan. Allein mitalten Möbeln sind die Vorratskammern gut bestückt. Nur ein Fachmann wird entscheiden können, ob diese oder jene Gabe aus Testamenten nicht eines Tages wieder von eminenter Bedeu- tung und hohem Wert sein könnte. Auch scheint der Gedanke nicht abwe- gig, sich mit dem Bestand intensiver zu beschäftigen und mit der Frage, ob nicht einzelne Werte oder Doubletten, die nicht in die bisherige Sammlung einzuordnen sind, für einen (Ring-)Tausch mit anderen Museen auszumustern oder zu verkaufen sind, um damit andere Kulturvorhaben fi- nanzieren zu können. Während Senator Wolfgang Halbedel (CDU) miteinemsolchen Vorhaben liebäu- gelt, scheint der kulturpolitische Sprecher seiner Partei, Oliver Fraederich. davon weniger erbaut zu sein, wenn er meint, die Politik sollte sich dabei heraushalten. Das sieht Frank-Thomas Gaulin als kulturpo- litischer Sprecher der SPD ganz anders. Dochkönnteerals illustrer Kenner merkan- tilen Kunsthandels leicht in den Verdacht geraten, selbst das größte Schnäppchen machen zu wollen. Bürgermeister Bernd Saxe hält sich vorerst bedeckt. Wenn aber von immensen 250.000 Exponaten nur etwa 20 % der Ökkentlichkeit zugänglich sind in den Museen und der Lagerbestand immer größer wird, fragt man sich, ob nicht eine Konzentrierung auf begrenzte Berei- che sinnvoller wäre, ohne dabei zukünktige Schwerpunkte aus dem Auge zu verlieren. Solche Akzente sind in Behnhaus, Holsten- Lübecker Chronik November I. Wegen Baumängel werden die bisher fertiggestellten Teile der Brücke über die Obertrave wieder abgerissen. Die Stadtwerke werden die Mehrwert- steuererhöhung voll auf die Strom-, Gas-, Wasser-undFernwärmepreise weitergeben. Ein neuer Tarif für Stromkunden soll einige Vorteile für die Verbraucher bringen. Die Obertrave wurde durch ein Hoch- wasser (6,73 m über Normal) überflutet. Der amerikanische Botschafter Wil- liam R. Timken besucht Lübeck und trägt sich in das Goldene Buch ein. 6. Der Landrat des Kreises Ostholstein, Reinhard Sager (47, CDU), wird mit 66,5 % der abgegebenen Stimmen wieder- gewählt, er spricht sich gegen die Kreisge- bietsreform aus. Die 48. Nordischen Filmtage finden rund 19.500 Besucher. Auf Vorschlag der Christian-Albrecht- Universität wird der Leiter der Archäolo- gie, Dr. Manfred Gläser, durch Minister- präsident Peter Harry Carstensen zum Honorarprokessor ernannt. Im Alter von 96 Jahren verstirbt die Kinderärztin Dr. Anneliese Brehmer. 7. Mit einem Bildungssozialfonds von 100.000,00 € fördern die Edith-Fröhner- Stiftung, die Michael-Haukohl-Stiftung, die Possehlstiftung und die Stiftung Spar- kasse zu Lübeck 120 Förderplätze an Be- treuten Grundschulen. tor oder St.- Annen-Museum bereits besetz; wie in der Musik bei Buxtehude und Bach oder in der Literatur bei der Familie Tho. mas Mann. Sie haben für weitreichends Attraktivität gesorgt. Schließlich möge man sich vergegen. wärtigen, dass die seit langem Lesammel. ten Objekte einer geplanten Artothek im Verborgenen einiger Ämter, Schulen oder Krankenhäuser dahindämmern und keiner. lei Zukunktsaussicht haben. Sie beinhalten gewiss keine großen Werte, könnten aber gewissen Erlös erzielen, ohne dass deren Veräußerer zu Kulturbanausen degradiert würden. Dass es dabei heute keine Taby; gibt, bewies ein Vorschlag von Günter Grass auf einer offenen Diskussion in §t. Petri, eine der christlichen Hauptkirchen an Andersgläubige zu verkaufen, um die städ. tischen Finanzen (Theater?) zu sanieren. Wenn Oliver Fraederich meint, allein die Museen sollten entscheiden, gäbe es in unserer Stadt genügend Kulturpäpste, wie Senatorin Annette Borns, Prof. Dr. Hang Wisskirchen oder Museumsdirektor Dr. Thorsten Rodiek, auf deren Meinungsäyu- Berung die kulturinteressierte Ökkentlich- keit genauso gespannt ist wie die Ohren derer, die von einem eventuellen kinanzi- ellen Gewinn profitieren könnten. Mit dem Professor Otto-Roht-Prejig (2.500.00 E) wird der Physiker Jörg Neu- mann (33), mit dem Heinrich-Dräger-Wig- senschaftspreis wird der Facharzt Dr. Jan Rupp von der Universität ausgezeichnet. 8. Der Bund zahlt 1,8 Mio. € mehr als erwartet als Zuschuss für die Kosten der Unterkunft im Rahmen des SGB Il. Die Finanzierung der Weihnachtsbe- leuchtung in der Innenstadt ist gefährdet. Die Possehlstiftung und die Stiftung der Sparkasse wollen sich an den Kosten be- teiligen, das Finanzamt hat Bedenken we. gen der Gemeinnützigkeit, diese Beden- ken teilt auch das Finanzministerium. Die Stiftungen ziehen daher ihre Zusage zun rück, letztendlich übernehmen die Firma Possehl (50.000,00 €) und andere Sponso- 360 Lübeckische Blätter 2006/21 [- en (30.00 ie Winte: Die Bi Jen sprecl je Gebiet gegionalk Mit d logiepreis (onsult) k portablen heitsüberr äckstück Im Al Lehrer N ßürgersch ckel. Die ( kasse Zu I Hertha-Al aussichts)j gchellbruc Die M (Rüdiger | 150-jährig 13. Das Be ner Kaufn Gemälden Caspar Da Ein A Westbank Freiheitsst ten, seine Jahren unc Monaten d schaden fi Die T 100-jährig 14. Das C werk AG Jahres vol 13,4 % au 17. Das M îStralße wi 61 Arbeits Die R Borries-St abgeschlo: Auf cC Lübeck w Landesvolr Lübeckische B
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.