Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

Oni Vo! ney ctiq, IN} dta, r ge] - an lem arte Ne rhal mal 1 sel Iren nac] steh :giol nter Wah hju 20061 Brand in der Hafenstralße Eine Erinnerung Der Brand in der Hafenstraße vor zehn Jahren Von Doris Mührenberg Zehn Jahre ist es her, dass wir ver- suchten, unseren Kindern zu erklären, was mit ihren Schulkameraden passiert war. Lübeck gedenkt der Opfer des Brandes in der Hafenstraße diese Woche in verschiedensten Aktionen. Das heißt, nicht Lübeck selbst, aber diejenigen, die sich menschlich und auch politisch mit den damaligen Bewohnern der Hafen- straße verbunden fühlen, wie etwa die Diakonie, das Flüchtlingsforum, das Bündnis gegen Rassismus. So gibt es ei- nen ökumenischen Gedenkgottesdienst in St. Jakobi, Kranzniederlegungen am Gedenkstein, Podiumsdiskussionen und die Filmvorführung , Tot in Lübeck‘. Da [ fallen Worte wie Fremde, Asyl, Heimat, Brand geschehen war, aber noch keiner etwas Genaues wusste. Was war mit den Klassenkameraden der beiden Mädchen geschehen? Im Laufe des nächsten Tages wurden die Vermutungen zur grausamen Haus, Schutz, Tod, Trauer, Duldung - da ;" bleibt die Politisierung des Geschehens, denn 10 Jahre nach der Katastrophe ha- ben immer noch nicht alle Uberleben- den das Bleiberecht, und aufgeklärt ist. der Brand auch nicht, die Gerichtsakten sind geschlossen. Was aber ist bei uns persönlich in der Erinnerung geblieben? Es ist dieser schreckliche Morgen, als wir ~- zwei Mütter und zwei Töchter - uns wie immer am Burgfeld trafen, um ein Stück des Weges gemeinsam zu gehen, als wir hörten, dass dieser entsetzliche Gewissheit - Christelle ist tot, mit ihren Geschwistern verbrannt, Julia verliert Mutter und Schwester. Zehn Jahre ist es her - unsere Kinder waren damals in der zweiten Klasse, sie haben in diesen zehn Jahren viele Eindrü- cke gesammelt, die ihr Leben geprägt ha- ben, die Erinnerung an die Schrecken da- mals ist verblasst. Das ist zum Teil gut so, denn schreckliche Erlebnisse kann man nicht immer mit sich herumtragen. Das erste Jahr danach haben wir noch eine Kerze angezündet, beim Brand- haus. Aber dann fiel das Haus, damit war ein Ort des Erinnerns ausgelöscht. Es dauerte, bis dann im Jahre 2000 der Gedenkstein aufgestellt wurde, der nun in einer unwirtlichen Ödnis nicht unbe- dingt als stiller Ort des Erinnerns taugt - s0 bleibt für meine Tochter ein Kar- ton, angefüllt mit Zeitungsartikeln über das Geschehen in der Hafenstraße. Und ich hoffe, dass sie irgendwann einmal diesen grauen Karton öffnet und sich mit dem Inhalt beschäftigt, mit den Zei- tungsartikeln, auf denen ihre enemaligen Klassenkameraden abgebildet sind, auf denen sich immer wieder das zerstörte Haus Hafenstraße 52 befindet, und dass dann ihre eigenen Erinnerungen wieder geweckt werden, sie sich erinnert, und vielleicht auch über Dinge nachdenkt, die sie damals noch gar nicht begrei- fen konnte, über Integrationsproble- me, über Ablehnung, über individuelle Schicksale, über verpasste Chancen, Fremden gegenüber - um dann einfach etwas mehr Menschlichkeit in das Mit- einander einzubringen. Lokale Bündnisse für die Familie Ende August 2005 wurde das 196. „Lokale Bündnis für Familie“ in Lübeck gegründet. Renate Schmidt, ehemalige Bundesministerin für Familie, Senioren, Frauen und Jugend auf die diese familien- freundliche Initiative zurückgeht, war sei- nerzeit eigens zur Besiegelung des neuen Bündnisses in die Hansestadt gereist. Die Stadt möchte mit diesem lokalen Bündnis ein deutliches Signal setzen, dass es ihr ernst ist, ein positives Klima für Familien und für Kinder zu schaffen. Verantwort- liche aus allen relevanten kommunalen Bereichen, vor allem aus Politik, Stadt- verwaltung, Unternehmen, Betriebsräten, Kammern, Vereinen, Verbänden, Kirchen, Banken und Sparkassen, freien Wohlfahrt- strägern, Kindergärten, Elternpflegschaf- ten, Schulen etc., sollen im Sinne aktiver Familienförderuneg zusammenarbeiten. Konkret kann es dabei z.B. gehen um bes- sere Betreuungsmöglichkeiten für Kinder und Kleinkinder, mehr Flexibilität bei den Arbeitszeiten, längere Öffnungszeiten bei den Ämtern, aber auch um Familienpäs- se, Busfahrpläne und Ampelschaltungen. Von den Betroffenen wird die Attraktivität einer Kommune zunehmend daran gemes- sen, was sie für Familien und Kinder tut. Inder Auftaktveranstaltung am 29.8.05 wurden 4 Arbeitskreise gegründet: I. Jugend und Schule; 2. Kinderbetreuung (für Kinder bis zu 6 Jahren); 3. Bildung; 4. Familienbewußte Unternehmenspolitik Die Arbeitskreise, die als eine Art Ide- enschmiede fungieren, konkrete Verein- barungen treffen und ihre Vorstellungen dann in die Praxis umsetzen sollen, haben inzwischen ihre Arbeit aufgenommen. Si- cher wird dabei auch zu prüfen sein, ob die vorgenommene Aufteilung zweckmär- Big ist oder ob Arbeitskreise bei erkenn- baren Überschneidungen zwecks besserer Synergieeffekte zusammengelegt werden sollten. Die „Gemeinnützige Gesellschaft“, die im letzten Sommer die inzwischen gut angenommene Bildungsinitiative ..mitt- wochs BILDUNG“ gestartet hat, möchte sich am „Lokalen Bündnis für Familie“ beteiligen und sich - je nach Möglichkeit - in den Arbeitskreisen „Schule und Ju- gend‘ sowie „Bildung“ engagieren. Hagen Scheffler Lübeckische Blätter 2006/2 21
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