Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

Ausstellungen / Veranstaltungen Nach einer Raumimprovisation spielte Armin Schoot zunächst an der schon his- torisch zu nennenden Orgel aus dem Jahre 1909, die besonders für dieses romantisch disponierte Instrument geeignete Sona- te c-Moll von Mendelssohn-Bartholdy. Schook konnte seinen Klangsinn bei der Registrierung der einzelnen Sätze und sein technisches Vermögen in der straff im Tempo genommenen Sonate unter Be- weis stellen. Später folgten zwei Sätze aus seiner eigenen freitonalen Orgelsonate (1977) und eine schwungvoll musizierte Fantasie des Mendelssohn-Schülers und Lübecker Marienorganisten Johann H. Jimmerthal. Im ersten Satz der Sonate von Schoot wird ein einprägsames Kopfmotiv auf unterschiedliche Weise fortgeführt. Das „Adagio“ seiner Sonate erinnerte in der Anlage an ein Konzert mit Tutti und Soli: Vollstimmige Akkorde wechseln mit geringstimmigen, kanonisch geführten Abschnitten ab. Diese beiden Sätze boten im Vergleich zu den anderen Kompositi- onen des Abends sicher die modernsten Klänge. Einprägsame Motivik mag aber so manchem Hörer den Zugang erleichtert haben. Des Weiteren waren mehrere Kompo- sitionen der Lübecker Musikerin Gundula Buitkamp zu hören, die in ihren Werken eine ganz eigene Klangsprache entwi- ckelt hat. Buitkamp gelingt es, moderne Harmonik mit klassischen Kompositi- onsmitteln überzeugend zu kombinieren. Hinzu kommen folkloristische Elemente und starke rhythmische Akzentvierungen, die insbesondere in den schnellen Sätzen eine schöne Wirkung entfalten. Hauptin- strumente waren die von Andreas Nagel klangschön gespielte Klarinette, die von Buitkamp selbst gespielte Violine und Ar- min Schook an der Orgel. der z. T. auch die Orgelstimmen zu den Kompositionen hinzugefügt hatte. Im Trio „Claviolorg“ gekiel im ersten Satz die Linienführung der Melodieinstrumente. Schwungvoll, und mit ganz eigenem Charme, kam das Scherzo als Schlusssatz daher. Ähnlich in der Tonsprache wirkten drei kürzere Kompositionen, die in einem zweiten Pro- gerammblock gespielt wurden. Am eindrucksvollsten geriet schließ- lich die Uraufführung der Fantasie in h, in der zusätzlich noch Mareike Heyer, Vio- loncello, und Reiner Schult an den Pauken musizierten. Buitkamp nutzte hier gerade die Pauken zur Erzeugung klarer Akzente und düsterer Klangwirkungen. Das Konzert endete mit der Partita über den Choral „Christ, der du bis der helle Tag‘ von Hugo Distler für Orgel, die von Schook schön registriert und akzentu- iert vorgetragen wurde. Arndt Schnoor Ausstellungen Christine Tillmann Skulpturen und Lichtobjekte im Kulturforum Burgkloster Für die in Lübeck lebende Künstlerin Christine Tillmann ist diese Ausstellung mit über 60 Exponaten die erste große Repräsentation eigener Werke - so erfährt man mit Erstaunen, denn oft prägten ihre Arbeiten Gruppenausstellungen, blieben vorrangig in Erinnerung. Christine Tillmann stammt aus Nord- friesland, sie wurde geboren 1939 auf dem Norderhof in Süderlügum. Dem Wams, dem „Leibchen“, dem schon die Körper der kleinen Mädchen dieser Ge- gend stramm zusammenhaltenden Klei- dungsstück, entwuchs Christine Tillmann bereits Mitte der fünfziger Jahre während ihrer Ausbildung an Fach- und Hochschu- len, als Schülerin bei Professoren der Bild- hauerei im Steinbruch, an der Hochschule für Bildende Künste, Berlin, bei Professor Uhlmann Metallarbeiten. In der Ausstellung empfangen den Be- sucher jene „Leibchen vom Norderhok“, 1994, schwarz in Tuch, Wachs, Holz und Eisen, gesprengter Panzer. Titel, die dem Besucher das Inhaltliche erklären, meis- tens aber auch Kosten genauen Sehens LE- hen, gibt es wenige, dafür präzise Hinwei- se auf die verarbeiteten Materialien: Bron- ze, Holz, Pappe, Stahlblech, Glas, Wachs, Draht, Polyester, Paraffin und andere mehr. Dazu kommen Alltagsgegenstände, Fundstücke aus der Natur, von Märkten fremder, bereister Länder von Nordameri- ka bis China. Neonlicht und Schwarzlicht geben den Kompositionen der letzten Jah- re zusätzliche „Aufklärung“, vermitteln farbigen Folien im „Leuchtraum“’, 2005, die Illusion einer weiten Landschaft, bei der man schon an den großen Nachbarn Nolde denken darf. Um ein „Farbiges Quadrat“, 1996, aus Polyester, Stahlblech und Alumini- um macht der Besucher schrittweise ki- netische Erfahrungen, ständig neu und so faszinierend, dass man das Objekt mit zu sich nach Hause nehmen möchte. In einem Block aus transparenten Polyester- würfeln zeigt ein farbiges Element seine einfarbige quadratische Ansicht: blau-rot. Doch umkreist man das Objekt, bewegen sich im Inneren des Würfelblocks Kom- positionen aus blau-roten Bewegun Cn die man stoppen kann, bleibt man selho, | stehen. Das lässt sich nicht mit einer Ki. mera kesthalten - das eigene Auge, der gj. gene Körper delegiert diese Seherfahruy Und so lassen sich Skulpturen, Objekt. von Christine Tillmann im Durchschre;. ten dieser großartigen Ausstellung imm . wieder neu erleben. Gerda Schmig Kulturforum Burgkloster vom 16. Sep. tember bis 29. Oktober 2006. Zu der Ausstellung erschien ein Katg. log, der Tillmanns Arbeitsergebnisse vo 1994 bis 2006 vorstellt, er kostet Eur, 10,00. Z r . n |itteri Am Monl Uhr im B jörgen B heker-Ro § pienst: 7um Vor! ganss0uc Veranstaltungen | von Wolfi Nach eir Bewahrendes und Avantgar. distisches im „Alten Zolln‘“ Bewahrendes und Avantgardistische; kam am 24. September 2006 im „Alten Zolln“ beim 221. „Literarischen Früh. schoppen“ des „Lübecker Autorenkreise; | und seine Freunde e. V.“ zu Gehör. Hei. ner Wiewald aus Bliestorf Präsentierts zunächst die humorvolle und realistische Kurzgeschichte „Paul weer dor“. Der Autor der dramatischen und autobiogra. phischen Kurzprosa überzeugt auch im Deskriptiven. Die Geschichte ist besinn. lich und etwas skurril. Wiewald schreiht originell und ist recht selbstironisch. | In seinen Gedichten ,„Vun'’t Öller. warrn“ zeigt er sich von seiner kauzigen, | elementaren und im Heimatlichen Ver- wurzelten Seite. Philosophisch inspirien betreibt er Vergangenheitsbewältigung. Wiewald kommt existenzialistisch, leicht morbide, psychopathologisch und mit Bi- bel-Assoziationen daher. Inm glückt die „unio mystica des Wortes: sola scritpura“. Er gestaltet in einem magischen Realis- mus das Problem der Zeit und der Abspal- tung des Geistes: „Das Leben ist wie ein Traum.“ Der Schriftsteller bewies, dass man auk platt die Dinge gehaltvoll und doppelbödig darstellen kann. Die Wortwerkerin Hannah Rau aug Lübeck bot dann eigene Prosa, Lyrik und | Songs. Ihre Texte sind expressiv und emo- tional orientiert. Sie sind drastisch, scharf- züngig und aggressiv und reflektieren den poetologischen Prozess. Ihr Opus ist dem Genre der Popliteratur zuzuordnen, die wie die parallellaufende Popkunst auf dem Prinzip der Montage beruht, indem sie banale Objekte des Massenkonsums durch Isolierung oder Reihung verfremdet und kombiniert. Lutz Gallinat 274 Lübeckische Blätter 2006/16 schichte erden a | zich JI. «s zahlreich yon Sans und sein etwa 100 nur im k in das 2( [ hreußisck architekt gchinkel parkanlat „Neue G: Heiligen „vestellt, 1 aus dem die Potsd che Berül | An der A führt dan dem Pfin punkt im | letzte gr Bereich s auk dem ö sich der : als Kron] begonner „Parkom: | zeine Par war. Zu den V. Aufklärr Medien i Aufkläru: dert, auck schaft zu Tätigkeit Philosopl den „„Aus selbstver: Lübeckische
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.