Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

Theater ~- will mich Teütschland, mein geliebtes vatterland ... nicht aufnehmen, so muß im gottes Nammen frankreich oder England wider um einen geschickten Teutschen mehr reich werden.“ Im zweiten Teil seines Vortrags stell- te Scherlies Porträts von Mozart vor: Im Zentrum stand die „Weltsensation“ von 2005, als plötzlich ein authentisches Mo- zart-Porträt von Georg Edlinger aus dem Jahre 1790 auftauchte. Tiefsinnige Ana- Iysen jedes malerischen Details festigten die Überzeugung: „Er ist’'s!“, wie die ZEIT titelte. Als sich herausstellte, dass es sich bei dem Abgebildeten um einen Münchner Geschäftsmann handelte, war klar, dass der eingangs zitierte Satz von Goethe noch radikaler gefasst werden muss: „Man sieht genau das, was man se- hen will.“ Was für Abbildungen Mozarts gilt, zeigte Scherliess an einem Beispiel für Kompositionen. Es tauchen immer wieder einmal Manuskripte auf, die sicher Mozart zugeschrieben werden mit ausführlichen Begründungen - und ebenso vielen Zwei- feln. Scherliess machte überdies mit einer Hörprobe auch mit dem Publikum einen Versuch: Wir hörten den Anfang einer Sinfonie, die Mozart, aber auch Ditters oder Leopold Mozart zugeschrieben wer- den kann, „eine ausgesprochen reizvolle, ebenso von thematischem Erfindungs- geist sprühende, wie von klarem Formbau geprägte‘ Musik, deren Zuordnung u. a. erschwert wird durch die zu Mozarts Zeit herrschende Praxis des handschriftlichen Kopierens der Noten. Im letzten Teil des Vortrags ging es um empfehlenswerte Literatur zu Mozart. Anhand einer ausgeteilten Liste älterer und neuer Bücher kommentierte Scher- liess Vorzüge und Grenzen der einzelnen Werke. Das erstmals 1947 erschienene Werk von Alfred Einstein, „Mozart, Sein Cha- rakter - Sein Werk“, jetzt Fischer-Ta- schenbuch, sei nach wie vor ein sehr gu- ter Einstieg. Hildesheimers Mozartbuch biete immer noch eine der anregendsten Darstellungen von Leben und Werk mit psychologischem Hintergrund. Mozarts Opern werden in Stefan Kunzes Buch mit diesem Titel (1984) hervorragend erläu- tert, und Maynard Solomon („Mozart. Ein Leben“, 1995, dt. 2005) beleuchtet mit großen Wissen Mozarts Verhältnis zu sei- nem Vater, zu Liebe, Geld und Musik. Unter den Neuerscheinungen ragt her- vor Ulrich Konrad, „Wolfgang Amadé Mozart. Leben, Musik, Werkbestand“,, 2005. Es präsentiert den heutigen Stand der Mozart-Forschung. Das Mozart-Hand- buch, hg. Von Silke Leopold, zu dem auch Scherliess beigesteuert hat (Darstelluy der Sinfonien), zeigt in seiner grundlegey. den Darstellung zu den einzelnen Gattun. gen ebenfalls den neusten Stand. Dieter Borchmeyers anregende Dry. stellung zu „Mozart oder die Entdeckuy wre utzel ali nekke Alfi js Irrenh massleren Jas Cover Katrin der Liebe‘ sowie Jan Assmanns Analyzz gchweste: der „Zaubertlöte“ im Zusammenhang mi | gchweize dem Wiener Freimaurertum hob Scher. liess ebenfalls positiv hervor. Ein Hinweis sei gestattet: Jan Assmam wird am Montag, den 9. Oktober, (statt a 28. September) im Rahmen der Titteräri. schen Gespräche einen Vortrag zu Seinen Forschungen halten. Scherliess schloss seine Ausführun. gen mit einem längeren Zitat aus Clemenz Prokops ,.flott geschriebenem Werk kür den eiligen Leser“ mit dem Titel „Moray der Spieler“, das auf unterhaltende Art g;. staunlich informativ ist. Für uns Gäste war es ein Genuss, Vol. ker Scherliess zuzuhören. Er spricht nicht einfach über die Musik, sondern quasj aug ihr heraus. Seine wissenschaftlich kun: dierten Darlegungen sind von engagierter Begeisterung geprägt, deren Funke auf das Publikum überspringt. Anschaulich wird aus Detailwissen geschöptt, das im- mer wieder überraschend angeordnet wirg und so neue Einsichten vermittelt. Günter Kohfelqt LITERATUR . THEATER . MUSIK . AUSSTELLUNGEN . VERANSTALTUNGEN M , | === | Theater „Pension Schöller‘ in den Kammerspielen Carl Laufs und Wilhelm Jacoby, die Autoren der unverwüstlichen Posse „Pen- sion Schöller“, wird man in Literatur-ge- schichten und Schauspielführern schwer- lich finden. Ihre sonstigen Stücke, so erfahren wir von der Dramaturgie des Lü- becker Theaters, werden selbst in Mainz, ihrer Wirkungsstätte als Autoren und Kar- nevalisten vor gut 100 Jahren, nicht mehr aufgeführt. Ein Stück wie „Pension Schöl- ler“, so erfahren wir weiter, ist schwer zu spielen, trotz oder gerade wegen der ihm innewohnenden Komik. Vielleicht hat Regisseur Peter Siefert, der uns in den letzten beiden Spielzeiten mit dem „Zerbrochenen Krug“ und dem Stück „Maurer“ beeindruckte. vor diesem UmstandzuvielRespekt gehabt. Jedenfalls läuft seine Inszenierung, trotz verschlan- kender und verknappender Umarbeitung der Textvorlage, nicht leicht genug, weil die Vertreter beider Ebenen extrem kari- kieren und, wie man früher auf dem Thea- ter sagte, „outrieren“ müssen: sowohl die vermeintlich verrückten ,.Insassen“ der Pension Schöller als auch deren Besuche; und Beobachter, die offenbar dem Wer- mit zum jich älter: gimone D gchwipps .bens0 üb | Js ständi, 1. D. Grö schöller) [Einspielr nRücken gerald Hc jeln agier ſochter F ne Schrift sondere F nuöchtege der kein z: ein Happ) Ein M | Haug. VO! beprospekt nicht geglaubt haben, der d; | besagt: „Ihre Familiere (sic!) Unterkuntt | im Herzen von Berlin.“ So muss Andreas 254 Lübeckische Blätter 2006/15 schwärmt noch!) im vie Karl Homburg. händiger | von einst Sonja stadt ~ Sa dem Land gen aber ( raum der z grotesken Das ] Anlass zu gpendete : freundlict Patrick „Kontr „Ich 1 und „Ein ztimmen“ kus in se Solcherar | kKontraba: seinem Ir wentbehr zuch. 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