Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

A äulein von Philip Roths Roman ,Der mensch- rt dig iche Makel“ und dessen Verfilmung). ] nicht . Daz chay. | nehre. | nble; ielzej nneke Y7 am Weier | einem d die loder. Virgi. ie Seit n den ng so auch Zip M .rsten wand lerum k im ange- wohl- 18 als chaft schen Ireibt Pro- :] aus rfolg i 2006/14 pie neue deutsche Übersetzung des Al- hee- Stücks wurde zudem von Martin und alissia Walser erstellt und wirkt beispiels- heise aktuell durch die Genforschung, die vick im Munde führt. Wenn man zudem | zie Klatschspalten mancher Tageszeitun- | Jen und der Yellow Press durchblättert, veil man, dass ein solcher Ehekrieg, wie er in „Virginia Woolf“ verhandelt wird. | nsbesondere typisch ist für die von Gla- mour, Materialismus und Angst vor dem ilerwerden bestimmte Welt des amerika- ' jischen Showbusiness. Ia Edward Albees Stück ist es Martha, Jie Tochter des Rektors einer kleinen Universität an der Ostküste und verhei- ratet mit einem um sechs Jahre jüngeren (jeschichtsprokessor, die ihre Angst vor jrem baldigen Verblühen als attraktive frau umsetzt in Aggressionen gegen ihren wann George, den sie als Versager in be- | uflicher und privater Hinsicht beschimptt. angrikk, Abwehr und Gegenangriff unter- liegen einem bestimmten Ritual, das der Juschauer lange Zeit nicht durchschaut und das vor allem die unbedarfteren Gäste Jer langen, alkoholgeschwängerten Satur- day Night nicht begreifen, weshalb sie am fnde die eigentlichen Verlierer sind. Regisseur Jochen Strauch und Bühnen- hildner Nikolaus Porz sind in Lübeck | lingst keine Unbekannten mehr. Jetzt fan- Jen sie zu ihrer bisher stärksten Inszenie- rung zusammen. In einem weiträumigen ßühnenbild mit Galerie, in dem Flüssiges in verschiedener Form (eine wohlsortier- 1e Hausbar und ein Swimmingpool) eine | dramaturgisch entscheidende Funktion | hat, entwickelt die Regie ein ungemein nuanciertes Spiel. dessen Spannung trotz len Konkliktpotentials ruhigerer Phasen ebenso wenig enträt wie gelegentlicher komischer Glanzlichter. Diese sind vor | lem Martin Schwartengräber in der Rol- | le des George zu verdanken, der uns am ehesten bewusst macht, dass wir es mit ei- nem angesagten Kampt in mehreren Run- den zu tun haben - diesmal allerdings mit fatalem Ausgang: der Zerstörung der ge- | meinsamen Lebenslüge. Martin Schwar- tengräber erfüllt diese vermeintliche Versagergestalt mit großartiger darstelle- rischer Vitalität, im Einklang mit bemer- | kenswerter Sprechkultur. Inm ebenbürtig | Astrid Färber als zunächst auftrumpfende, später zunehmend der Wirkung des Alko- hols verfallende Ehefrau mit kalkuliertem Raffinement und gewaltigen Ausbrüchen. Philipp Romann als Georges jüngerer Kollege Nick, der als Biologieprofessor doch immerhin das Prinzip des Zukünf- tigen gegenüber dem der Vergangenheit zugewandten Historiker vertreten sollte. bleibt ein wenig blass und unkonturiert: vollends gilt dies für seine Frau Honey (deutsch jetzt , Süße‘), die ständig neben der Spur ist und nichts . .checkt“. Dass sie mit Wonne in Marthas abgelegtes Kleid schlüpft, ist ein bezeichnendes Symbol. Arno Kraehahn (Musik) trägt mit ebenso SParsamen wie suggestiven Klängen zur zunehmend unheilschwangeren Atmos- Pphäre des Geschehens bei. Mitternacht rückte näher schon, als das Publikum Regisseur, Bühnenbilder und die vier Akteure endlich entließ nach ei- nem Applaus, wie er in dieser Länge und Intensität sonst nur im Großen Haus üb- lich ist. Klaus Brenneke Combinale Theater: Die Grönholm-Methode Auktakt der Spielzeit im Combinale ist das Erfolgsstück des jungen spanischen Autoren Jordi Galceran: „Die Grönholm- Methode“. Stefanie Gerhald hat es aus dem Spanischen übersetzt. Der Titel kenn- zeichnet, wie es heißt, das spezielle Ver- fahren eines schwedischen Psychologen kür die Auswahl von Führungspersonal. Und die Handlung zeigt eine entsprechen- de Durchführung für die Besetzung einer Spitzenposition. Vier Bewerber, eine Frau und drei Män- ner, müssen mit unterschiedlichen. auf die individuellen Personen zugeschnittenen Aufgaben miteinander um den begehrten Posten streiten. Sie treffen sich in einem durchgestylten Raum von metallisch-kal- tem Design. Der Bonsai-Baum ist Symbol kür geschrumpfte Natur, eine nicht zu be- rechnende Trinkfontäne ist am Spiel betei- ligt, die Tür wird von außen gesteuert, eine künstliche Hand reicht Aufgaben durch eine Luke - eine bedrückend passende Ausstattung von Matthias Moebius. Der Ablauf des Verfahrens und dessen Bedingungen, die Funktionen der Teil- nehmer im sich ergebenden Psychokrieg wechseln ständig und sorgen für Überra- schungen und eine durchgehende Span- nung. Inhaltlicher Schwerpunkt ist die Kennzeichnung der persönlichen Qualitä- ten, die für die Position gewünscht sind: nicht ein von subjektiven Eigenschaften geprägtes Individuum wird gesucht. son- dern ein objektiv brauchbares Stück „Hu- mankapital“, das von der Firma genutzt werden kann. Und so bekennt denn auch das Unternehmen: „„Wir suchen nicht ei- nen guten Menschen. der nach außen Theater ein Arschloch ist. Was wir suchen. ist ein Arschloch. das nach außen ein guter Mensch ist.“ Galcerans vier Figuren sind von wir- kungsvollen Gegensätzen geprägt. Ale- xandra ist eine selbstbewusste Managerin, überzeugend gespielt von Sigrid Dettlof, einerseits mit rigider Sachlichkeit. dann vor aufgesetztem Mitleid schluchzend. Ulli Haussmann zeigt den in seinem „outing“ hinterhältig um Empathie bet- telnden Enrique in effektivem Gegensatz zum veränderten Verhalten im Schluss- teil. Zwei Gäste ergänzen das Ensemble zur Topbesetzung: Oliver Hermann bie- tet einen Fernando mit aggressivem und rücksichtslosen Zynismus und beeindru- ckenden Wandlungen im Verlauf des Ver- fahrens. Ercan Altun holt sich als Carlo berechtigte Lacher mit ernster Miene als stiselig-braver, überhöflicher Kandidat. zeigt dagegen bei der Offenlegung seiner persönlichen Eigenheiten differenzierte und leise Töne. Regina Stötzel. nach ihren Erfolgen als Spielerin nun als Regisseurin Gast im Combinale, bewahrt durch eine präzise Inszenierung das Stück davor, zur Farce zu werden. Die Wortregie arbeitet die zu den Personen passenden unterschiedli- chen sprachlichen Ebenen wirkungsvoll heraus. So ist z. B. der Gegensatz von Car- los betulich gewählter Ausdrucksweise zu Fernandos zynisch-ordinärer Diktion eine der Grundlagen für den bitterbösen Hu- mor, der das satirische Stück bestimmt. Tempovariationen. die Unterschiedlich- keit der Körpersprache und vor allem die plötzliche Umstellung in Sprechwei- se und Bewegung. als sich die bis dahin geheim gehaltenen Funktionen der vier Protagonisten zeigen, kennzeichnen die eindrucksvolle Produktion, die vom Pre- mierenpublikum zu Recht heftig gefeiert wurde. Das unmenschliche Credo der anony- men Firma, mit dem der Zuschauer am Ende entlassen wird. Iässt ihn sicher nach- denklich werden. zumal. wenn er in Zei- tung und Nachrichten bestätigt findet. wie so manch globalisierendes Unternehmen ähnlich offen mit seinem „Humankapital“ umgeht. das es je nach Wirtschaftslage be- nutzt oder auch entsorgt. Ändern kann der Einzelne sicher nichts. Aber er sollte sich vielleicht der Methode bewusst sein. Und dafür lohnt sich der Besuch der ..Grönholm-Methode“ im Combinale. ab- gesehen davon. dass es eine brillante und trotz allem auch noch unterhaltsame The- ateraufführung ist. Rudolf Höppner | Lübeckische Blätter 2006/14 | 231
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