Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

475 Jahre Katharineum Vergangenes wahren - Gegenwart leben - Zukunkt gestalten . 475 Jahre Katharineum zu Lübeck Ein Bericht von Hagen Scheffler Am Sonntag, dem 19. März 2006, beging das Katharineum zu Lübeck mit ca. 200 Gästen einen bedeutenden Ge- burtstag. Genau an diesem Tage vor 475 Jahren war im Zuge der Reformation das Franziskanerkloster auf Empfehlung von Johannes Bugenhagen und aut Beschluss des Rates der Stadt zu einer städtischen Lateinschule umgewandelt worden. Mit einer großen Autftaktveranstal- tung, geplant durch die Schule und den Bund Katharineums, wurde dieses Anlasses feierlich gedacht, unterstützt durch klangvolle Beiträg ge der Fachschaft Musik. der Freunde des Chance innezuhalten und nachzudenken Der Direktor des Katharineums, Tho- mas Schmittinger, begrüßte unter den Gästen besonders Schulsenatorin Annette Borns, seine beiden Vorgänger im Amt, Dr. Hans Bode und Bernd Januschke, und Pater Dr. Werinhard Einhorn als obers- ten Vertreter des Franziskanerordens in Deutschland. Schmittinger sah in dem Jubiläum einen guten Anlass und eine „Chance, innezuhalten und über den ge- gebenen Standort nachzudenken, Bilanz zu ziehen“. In seiner Rede ließ er sich vom ,.‘genius loci“ inspirieren. von der besonderen Ausstrahlung des Gebäudes und dem darin innewohnenden Geist, dem „Schatz der Geschichte“ aus dem jahrhundertelangen „Prozeß von Bewah- rung und Veränderung“. Schmittingers Fazit: Eine sichere Orientierung gebe es ohne Kenntnis der eigenen Vergangenheit nicht: nur verstanden aus der erfahrenen Ver- gangenheit.“ Seine „Retrospektive“ woll- te der Schulleiter deshalb auch stets in der Wechselwirkung auf die Gegenwart und die Zukunft verstanden wissen. Unter dem Motto „Vergangenheit wahren - Gegen- wart leben - Zukuntt gestalten“ eröffnete Schmittinger das ereignisreiche Festjahr und verband damit drei wichtige Aspekte. Das Jubiläum sei ,.Identität stiftend“, „Im- puls gebend“ und „Glück spendend“. Anne-Dore Brütt-Schwertkeger, Vor- sitzende des Bundes der Freunde des Katharineums, nahm die Auftaktveran- staltung zum Anlass, ein wenig in der „Gegenwart und Zukunkt werden Schulgeschichte zu blättern und einige Besonderheiten herauszustellen, z. B. die Erfindung der 45-Minuten-Stunde durch Thomas Manns ungeliebten Schuldirek- tor Schubring. die Herausgabe der ers- ten Schülerzeitung („Frühlingssturm“’) in Deutschland durch den Schüler Thomas Mann oder die Conjunctio der Primaner, die Schülerverbindungen vergleichbar de- Pater Dr. Werinhard Einhorn nen von Studenten gebildet hätten. Für das heutige „Wir-Gefühl“ und das „Ansehen der Schule“ hätten sich dagegen zeitge- mäße „Verbindungen“, insbesondere die „Musik- und Theater-AG“, verdient ge- macht. Bei Ihrer Recherche war Brütt- Schwertfeger aber auch auf ein zeitloses Problem gestoßen: die Diskrepanz zwi- schen benötigter und vorhandener Finanz- ausstattung der Schule. Die Vorsitzende des Bundes der Freunde sah daher - wie in den zurückliegenden Jahren - in der fi- nanziellen Unterstützung der Schule eine unverzichtbare, notwendige Verpflichtung neben der ganz anderen, nicht weniger wichtigen Aufgabe, ein aktives Forum zwischen Ehemaligen und Schule zu sein: „Wir wollen nicht nur über Freundschaft reden, sondern sie auch ptlegen.“ Kostümprobe eines Armen Pater Werinhard, promovierter Cy manist und Historiker, der im Zuge Seip. wissenschaftlichen Arbeit 1970 zum n, ten Mal das Katharineum besucht hatt; beschäftigte sich in seinem Festvorty, „Kostümprobe eines Armen“ mit den M sprüngen des Katharineums und spr achn; Absicht von „Geburts t a g e n“ der sch Mit dem Plural wollte er darauf hin sen. ..dass eine Schule immer wieder werden muss, will sie lebendig bleibey. Pater Werinhard unternahm mit Seine, Vortrag (anhand einer stattlichen Anrah von Dias) eine Zeitreise weit zurück ; in Mittelalter, in das frühe 13. Jahrhunde, in die Zeit der Entstenung des Franzis. nerordens. Im ersten Teil seines Vortra, beschäftigte er sich mit dem Leben (h Ordensgründers Francesco (1182- 1226, aus der reichen Tuchhändlerkamilie de; Bernardone aus Assisi. In einer Collay; vor der Fassade des Katharineums Zeigt; er den jungen Francesco im Moment de; Kostümwechsels, wie er im Begriff Steht einen Kapuzenmantel aus grobem Mo. stoff, geschnitten in Kreuzkorm, ühg;. zustreiken, das „neue Kleid der Army. das in seiner Schlichtheit der Alltagsh.. kleidung von Kleinbauern und Hirtey entsprach. Dass sich die radikale Neugri. entierung Francescos nicht ohne Kontfi. te mit der Familie und der herrschende; Gesellschafts- und Wirtschaftsordnuy vollzienen konnte, demonstrierte Pate; Werinhard anhand bildlicher Dokumenx ebenso lebendig und eindrucksvoll wie die erfolgreiche Ausbreitung des neuen Gs. dankenguts (Ausgang: das Franziskaner. kloster in Assisi, erbaut über dem Grabdh; Heiligen). Am Beispiel einer Miniatur ay dem IS. Jahrhundert zeigte der Vortragen. de, dass Franziskus auf die Kraft des Why. tes baute und - nach dem Vorbild Christ -die ersten gleichgesinnten Gefährten zy Verkündigung des Evangeliums in volks- naher Sprache in „die Welt “ aussandte, an. statt sie „in einem festen Kloster an sich (zu) binden“. Der Orden der ..fratres mi nores“ (im Gegensatz zu den ,maiores“ den hochgestellten Bürgern“) sei „ein ge. nossenschaftlich organisierter Personen. verband“, nicht hierarchisch aufgebaut, dem Armutsgebot und zur Verbreitung 118 Lübeckisch e Blätter 2006/11 .. ssgii ud Predigt de ict: Franziskus jäl“ ‘gewesen, "einschakt del ranzikaner- [ gorialbarrier: menschen a e gur aukgeno Der geisti yeglichkeit d jjetorischen k §chichten dur celn, und ihrer heispielgebenc ke der Orden _aguch nördlic itten sich die niedergelasser § begonne! 1356 kertig ge und gchmuck Klosterkirche‘ kus nach Eins hard schwerli wäre. 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