Full text: Lübeckische Blätter. 2006 (171)

Mittwochs BILDUNG in der Gemeinnützigen Die Chancen des gegliederten Schulwesens Walter Tetzlofk in der Reihe „MittwochsBILDUNG“ der Gemeinnützigen Von Anne Kohfeldt Unter dem Titel „Gegliedertes Schul- wesen - Chance oder Auslaufmodell?“ wurde am 29. März 2006 die Reihe „Mitt- wochs BILDUNG“ der Gemeinnützigen fortgesetzt. Es sprach Walter Tetzloktk, Gymnasiallehrer und Vertreter des Philo- logenverbandes. Schon in dem Handzettel dazu wurde darauf verwiesen, dass neben den PISA- Studien die demographische Entwicklung in Deutschland die Diskussion über den Bestand bzw. die Veränderung die Schul- formen erzwingen werde: Je weniger Kin- der es gibt, desto einheitlicher müssten Schulen sein, um durch ihre Größe finan- zierbar zu bleiben. In Lübeck haben die Anmeldungen zu den neuen 5. Klassen ebenso eine öffentli- che Debatte hervorgerufen, nachvollzieh- bar in verschiedenen Märzausgaben der LN. Die über alles Erwarten nachgefrag- ten Gymnasien sowie die „ausblutenden“ Hauptschulen zeigen zumindest, dass die Eltern höhere Bildung als Chance für ihre Kinder erfassen. Einerseits scheint sich darin eine Be- stätigung, andererseits ein Infragestellen des gegliederten Schulwesens zu zeigen. Die mit dem Vortragsthema angekündigte Sichtung der Lage kam somit passgenau. Walter Tetzlotf stellte sich eingangs als Praktiker vor: Er ist Lehrer mit vier Fä- chern, Leiter der Mittelstufe eines Gym- nasiums, verantwortlich für die Begeg- nung der Schule mit der Arbeitswelt und für die Betreuung der Referendare und Praktikanten an seiner Schule am Kieler Ostufer, die von überdurchschnittlich vie- len Migrantenkindern besucht wird. Anknüpfend an die seit der Picht-Stu- die 1964 in der Bundesrepublik immer wieder aufflammende Bildungsdebatte, über die Reformbedürfknisse der 68er Ge- neration bis zum PISA-Schock und seinen Folgen in Deutschland markierte Tetzloff den erreichten Stand der Dinge: Sachlichkeit und Selbstkritik charak- terisierten heute die Haltung der Betei- ligten, niemand wolle neue Grabenkämp- fe. In diesem Sinne betonte er, wie noch mehrfach in seinem Vortrag. dass er die pädagogische Arbeit auch der Gesamt- schulen würdige; seine Kritik am inte- grativen Schulsystem sei strukturell zu verstehen. Tetzlotf brachte sein Anliegen in drei Schritten vor: Er fasste die üblichen Vor- würtke gegen das gegliederte Schulwesen in zehn Punkten zusammen, stellte dann Tatsachen daneben, wodurch die An- griffspunkte erheblich relativiert wurden und trat schließlich für zeitgemäße Refor- men ein. Aspekte des Vortrags wie der folgen- den Aussprache zeigten, dass Tetzlotf durchaus einen Einblick in Lübecker Ver- hältnisse wie in die Entwicklung im Lan- de hat. Im Verhältnis zu vorhergehenden Veranstaltungen der Reihe war die Besu- cherzahl geringer, die Teilnehmer zeigten sich indes engagiert und profitierten von den Sachkenntnissen des Referenten. Die Aussprache blieb frei von ideologischen Zuspitzungen. Um Leistungen kommen Schüler nicht herum Dem grundlegenden Vorwurk, das ge- gliederte Schulwesen erzwinge mit der Schulwahl nach der 4. Klasse eine zu frü- he Weichenstellung für die Lebenswege, hielt Tetzloff entgegen, dass de facto 90 % aller Grundschulgutachten den späte- ren Schulabschlüssen entsprächen und er verteidigte die sorgfältige Arbeit der Grundschullehrkräfte gegen nahe liegen- de Unterstellungen. Die Gesamtschulen erreichten landesweit längst nicht das geforderte Drittel an gymnasial empfoh- lenen Kindern (nur 3 von 20 Schulen). Überdies gelte: „Jeder Abschluss ist ein Anschluss“: es gebe immer weiterführen- de Bildungswege. Länder mit dem Wech- sel nach der 6. Klasse (Bremen, Berlin) zeigten schlechte PISA-Ergebnisse. Der Kampf gegen das Sitzenbleiben bzw. die Schrägversetzung an eine Schul- art mit geringerem intellektuellem An- spruch sei ambivalent zu sehen: Die da- von ausgehende falsche Botschaft an die Schüler, es komme auf Leistung nicht an, nannte Tetzloff zynisch im Hinblick auf die Lebensrealität. Die Erfahrung zeige überdies, dass es auch in Gesamtschulen zu Klassenwiederholungen kommt und deren Schulabgänger keineswegs jünger seien als andere. Leistungsdruck und Schulangst so- wie Mängel im Sozialverhalten werden häufig den Schulen des dreigegliederten Systems angelastet. Ohne Leistung, , ohne Bereitschaft und Fähigkeit (, könne heute niemand im Berukfslg bestehen. Bedenklich sei schon. dass ; Berliner Max-Planck-Institut 1999 zeigt habe, dass an allen Schularten : Abwärtstrend zu verzeichnen sei -, dass die oft beschworene Sozialkom, tenz der Gesamtschüler nach dieser V tersuchung jedenfalls geringer war , die anderer Schüler, was die Forscher, die starke Zersplitterung in unterschig liche Lerngruppen in der Gesamtschy zurückführten. Individuelle Förderung ist überall nötig und möglich Klar ist, dass angesichts der gesay, gesellschaftlichen Situation die einzeh, Kinder stärker individuell gefördert y, den müssten. Dazu gebe es auch im j gliederten Schulwesen durchaus dive, Ansätze - sie müssten ausgebaut Werd und könnten das auch, wenn sie mit q, gleichen Mitteln ausgestattet würden, q den Gesamtschulen zur Verfügung M hen. Die Annahme, dass die Gesamtschy höhere Chancengerechtigkeit biete y, mehr höhere Bildungsabschlüsse erreich müsse erst noch belegt werden. Eine gh tistik aus 1998 zeigt, dass an der Gesan schule 17 % ihr Abitur erreicht haben u 7 % ohne jeden Abschluss blieben. h besondere für begabte Kinder, das hah; Baumert u. a. gezeigt, bietet der krühe Übergang zum Gymnasium bessere EFy wicklungschancen, solche Kinder hätt, es auch nicht bewirkt, innerhalb der Ley gruppen in der Gesamtschule das Nive, zu steigern, wie postuliert werde. Auch in Lübeck wählen Eltern die (; samtschule wegen ihres Ganztagsstaty Der wird von Stadt und Land grundsätzliq finanziert, und genau diese Mittel stehy anderen Schularten nicht zur Verfügun Andererseits wollen gar nicht alle Elter Ganztagsschulen, besonders nicht in länl lichen Gebieten. Einem entsprechends Votum der Schulkonkerenzen sollte hie der Staat folgen. Der Aufweichung des traditionelle an die Studienfächer angeschlossene Fächerkanons durch neue Fächer yt: „Nawi“ oder „Weltkunde“! konnte Tetzlo! 104 Lübeckische Blätter 2008 ..- nichts abge gjonalisieru vorbereitun gchüler od! rientieruns es mit Jen rkenntnis: Ul -ijhrt werdet nellen Schr Kl [ehrplänen pie PIS/ ren keint Aus ::. C I gchulstruk hen schon I prenzel als I wird es IM Das G das haben Norden g€ „gpitze“, ! schüler m kräfte geki finnland zumeist § Lesekultu! und weil ( genießt. Tetzlo: lerklassen so schnell den die Z: könnten d aussetzun §tac Es Wi öffnung c Grundsar zu einen einzulade sende Vo! und Toul des Hoh in der B hatten in aufgebau in seinel Mitglied gestellte um einzt Ansprec Stacdtprä erster dé Bürgersc großen : Gelegen und die Lübeckisch
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.