Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

Veranstaltungen leuchtende Spitzenhöhen zu überführen vermag. Er demonstrierte das einsdrucks- voll in der Arie Amor ti vieta aus Gior- danos Fedora. Das Besondere an diesem Abend war, dass er aufgrund einer leich- ten Indisposition nicht nur mit kraftvollen Spitzentönen auftrumpfte, sondern die Zuhörer auch mit einem berückenden Pia- no kür sich einnahm. Dein ist mein ganzes Herz aus dem Land des Lächelns sang er mit kacettenreichem Ausdruck und ver- führerischer Zuwendung zum Publikum. Sein künstlerisches Niveau wurde beson- ders deutlich in dem Duett aus den Perlen- fischern, das er mit Gerard Quinn vortrug. Die relativ hohe Lage der Tenorpartie bewältigte er mit Iyrischem Schöngesang und verinnerlichter Entrücktheit. Gerard Quinn erreichte sehr schnell sein Publikum mit einer bei ihm nicht immer er- lebbaren komödiantischen Freude. Tempe- ramentvoll und virtuos sang er die Kavatine des Figaro aus Rossinis Barbier von Sevilla, pries dabei seine Fähigkeiten an, indem er sich unter den Gästen bewegte. Die Höhen der Diamantenarie aus Hoffmanns Erzäh- lungen schien er mühelos zu bewältigen. Die eigentliche Überraschung aber war, dass und wie er in wunderbarer Gelöstheit mit Mar- di Byers zwei Musical-Duette präsentierte: Bess you is my Woman now aus Gershwins Porgy and Bess sowie den ad hoc hinzuge- fügten Streit, wer denn nun der Bessere sei aus Annie get your gun. Hier steigerte sich die Spielfreude zu einer gewissen Ausgelas- senheit, die das Publikum enthusiasmierte. Mardi Byers wirkte an diesem Abend wie eine die Kollegen inspirierende Muse. Mit großer Innigkeit sang sie das Lied an den Mond aus Dvoraks Rusalka und er- kreute das Publikum mit Diaz im Duett mit Puccinis O soave fariciulla. Sie entfaltete ihr sprühendes Temperament in der hin- reißend gesungenen und gespielten Arie Du sollst der Kaiser meiner Seele sein aus Robert Stolz’ Operette Der Favorit, in unwiderstehlichem, heiter ironischen Flirt mit der Männerwelt. Die Sänger wurden mit großer Einfühlung und gekonnt be- gleitet von Bernice Missud. Dass an diesem Abend die Fülle der künstlerischen Möglichkeiten, die um- werfende Spielfreude insbesondere in den heiteren Darbietungen, das Spiel mit dem Spiel im Einverständnis mit dem Publi- kum sich verbanden, gestaltete das Ereig- nis zu einem Fest der Lebensfreude. Die kast private Nähe zu den Künstlern trug das ihre dazu bei. Es versteht sich, dass diese substanzreiche Werbung für unser Theater mit stürmischem Beifall gefeiert wurde. Günter Kohfeldt Dieter Borchmeyer über „Thomas Mann und Schiller‘ Im Rahmen der Ausstellung „Weiter- fahrt nach Weimar, triumphal ...“ -,. Tho- mas Mann im Schillerjahr 1955 in Wei- mar“ hielt Prof. Dr. Dieter Borchmeyer (Heidelberg) am 13. November 2005 im vollbesetzten Buddenbrookhaus einen Matinee-Vortrag zum Thema , Schwere Stunde“ - „Thomas Mann und Schiller“. Dass das Leben überhaupt, aber erst recht das Leben und Wirken des Schriftstellers, eine Mischung aus individuellen und über- persönlichen Elementen sei: so habe Tho- mas Mann es unermüdlich betont. „Leben als Nachfolge, als ein In-Spuren-Gehen, als Identifikation“ - das sei seine gerade- zu archetypische, mythische Grundüber- zeugung spätestens seit der Arbeit an den Josephsromanen. Und in wessen Spuren er sich gehen gesehen habe, das habe er nie verschwiegen. Zwei Namen seien es zumal, aut die er sein Künstlertum im- mer wieder beziehe: Richard Wagner ~- zunächst - und später mehr und mehr Goethe. Seinen letzten großen Essay aber habe er nicht ihm, sondern dem ,„antipodi- schen“ Goethe-Freund Schiller „in Liebe gewidmet“ - so Borchmeyer zu Beginn des virtuosen Vortrags. Keine seiner vielen Goethe-Studien, ja überhaupt keines seiner Autorenport- räts bekenne sich schon im Untertitel zur Liebe als der Grundhaltung einem ande- ren Künstler gegenüber. Und keines sei- ner Essays sei eine so umfassende, alle Facetten und Gattungen ausleuchtende Werkbetrachtung wie der „Versuch über Schiller“ aus seinem Todesjahr. Selbst die „Versuche“ über Goethe und Wagner - sie verdienten diese Gattungsbezeichnung viel eher - lenkten den Blick weit mehr auf Grundprobleme, zentrale Werkaspekte als auf die Totalität des Œuvres in seinen Haupt- und Nebenerscheinungen. Man habe geäußert, dass Thomas Manns Essays typische Künstlererzeug- nisse seien, in denen der betrachtende An- dere nichts anderes als das Alter Ego des Schreibenden und Redenden sei, Projekti- on des eigenen Künstler-Ichs. Wie treffend oder unzutreffend diese Ansicht auch sein möge - zumindest für den „Versuch über Schiller“ gelte sie mitnichten. Obschon er ein Liebes-Dialog mit dem Jubilar sei, tre- te sein Laudator doch fast demütig hinter ihm zurück, wolle er nichts als ihn gelten lassen. Es handele sich nicht um verhüllte Selbstdarstellung im Bilde Schillers, kris- tallisiere sich vielmehr zu einem durchaus objektiv gemeinten Bild des Dichters, das seine anregende Kraft bis heute nicht ver- loren habe. Keine dichtungstheoretische Abhand- lung habe Thomas Mann von jeher so be- wundert wie Schillers Traktat „Über naive und sentimentalische Dichtung“. Bereits über sein eigenes Drama ,.Fi- orenza‘ (1905) habe er in einer Notiz aus dem Jahre 1913 gesagt: „Der Gegensatz, welcher diesen Gesprächen den dialekti- schen Nerv gibt, ist zuletzt derselbe, den Schiller in seinem unsterblichen Essay un- ter der Formel Naiv und sentimentalisch. behandelt.“ „Geistvollwienichts inder Welt“ nenne er diesen Essay im „Versuch über Schiller“. Der „klassische und umfassende Essay der Deutschen, welcher eigentlich alle übrigen in sich enthält und überflüssig macht“, sei für ihn schon in seinem Aufsatz „Goethe und Tolstoi“ (1925). Die übrigen seien Kleists Essay „Über das Marionettenthea- ter“ und vor allem und in erster Linie aber Nietzsches epochemachende Erstlings- schrift „Die Geburt der Tragödie aus dem Geiste der Musik“. In der Tat: Schillers dichtungstheoretisches Traktat habe Nietz- sches Schrift entscheidend mitgeprägt, wie die intensive Auseinandersetzung mit ihm in den nachgelassenen Aufzeichnungen aus ihrer Entstehungszeit zeigten. Ohne die von Schiller eingeführte Polarität des Naiven und Sentimentalischen sei die Duplizität des Apollinischen und Diony- sischen - bei allen Antimonien zwischen beiden Begriffspaaren - jedenfalls kaum vorstellbar, wie Thomas Mann noch in seinem Essay „Nietzsche’s Philosophie im Lichte unserer Erfahrung“ (1947) vermute. Und da sei noch ein weiterer Essay, den Schillers Traktat im Grunde in sich enthal- te und überflüssig mache: Gustav Aschen- bachs „leidenschaftliche Abhandlung über Geist und Kunst“, an der Thomas Mann selbst 1909 gescheitert sei und über die es im „Tod in Venedig“ heiße, dass ihre „ordnende Kraft und authentische Bered- samkeit ernste Beurteiler vermochte, sie unmittelbar neben Schillers Raisonnement über naive und sentimentalische Dichtung zu stellen“. Trotz mancher Distanzierung und Ironie - die freilich spätestens seit der „Schweren Stunde‘ aus seinen Äußerun- gen über Schiller verschwinde - habe er nie die Grundsympathie mit dem Lieb- lingsdichter seiner frühen Jugend verleug- net. Ja, er äußere sie um so entschiedener, oppositioneller, als er wisse, dass ausge- rechnet Nietzsche, der ihm einen neuen ästhetischen Horizont eröffnet habe, der ätzendste und folgenreichste Schiller-Ver- 354 Lübeckische Blätter 2005/21 ächter LEWES( Sünde: tisen D peter \ telnd wahrh Schillc gung Geiste gunge Krank tigkeit SEIEN. Beispi Mann den ,, partik die fil ~ bis kel ül die Tc läute - bis di Eneki mehr „Sch\ ne Ze Mate: eine SIE VC scher mögl D Schil ziert, rer S Raus mas „Wal keite den , „„1.Ei wie ! rome A ler“ ; einel ne St erinr digu dlie x len dazu Beg! Sitte Vert stand nen. und Lt, (pp kent Lübec
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