Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

Ien- elen VET- 1des rich Iich aten ho- lon, Lem 'EiZ- ZEN- die mit sich Inen Kla- 05/21 vier-Fuge, verhinderte der Klangbrei das Durchhören. Nur ahnen konnte man Höt- zels erstaunliches Können, mit dem er aut der Tuba die Flötenstimme der Badenerie aus Bachs h-Moll-Suite mit Behändigkeit wiedergab. Der Hall veränderte die Linie zu Klangklecksen, die den Spaß an dieser Besetzung nahmen. Das Problem verstärk- te sich noch durch dynamische Akzente, vor allem in den schnelleren Sätzen, von John Stevens „Dances“ für Tuba und vier Posaunen. Dieses Werk gehörte schon in den zweiten Teil mit jüngeren Kompositio- nen. Eine Suite von Flor Peeters, das be- kannte „Hey Jude“ von John Lennon/Paul McCartney und „No more Blues“ von Antonio Carlos Jobim waren wegen der Akustik mit unterschiedlichem Genuss zu hören. Arndt Voß Virtuoses Weihnachts- oratorium in St. Jakobi Nach knapp einem Amtsjahr Präsen- tierte sich der neue Kirchenmusiker an §t. Jakobi, Prof. Arvid Gast, am 11.12.2005 erstmals mit einem großen Oratorium dem | Lübecker Publikum. Dabei erfuhr das all- seits bekannt Weihnachtsoratorium von Johann Sebastian Bach einen in mancher Hinsicht in Lübeck bisher kaum gehör- ten Interpretationsansatz. Gasts Leitlinie wurde schon im Eingangschor deutlich: Schnelles Tempo, gepaart mit Durchsich- tigkeit und guter Durcharbeitung der ein- zelnen Stimmen. Dies galt nicht nur für die Kantorei, sondern auch für das Orchester, mit dem Gast scheinbar intensiv gearbei- tet hatte. So entstand eine Interpretation aus einem Guss. Das Orchester konnte in der die zweite Kantate einleitenden Sin- fonia seine Tugenden, klare Artikulation und große Spielfreude, sehr schön unter Beweis stellen. Die Kantorei hat nicht nur ihre bereits unter Armin Schookt gepflegten Tugenden, wie deutliche Aussprache und schlankes Musizieren, beibehalten. Sie ist, was die dynamische Bandbreite des Musizierens angeht, noch ausdrucksstärker geworden. Auch die stimmliche Präsenz, insbesonde- re des Soprans, hat zugenommen. Zu ei- nem technischen Kabinettstück wurde der „Ehre‘“-Chor im 2. Teil des Weihnachtso- ratoriums: souverän und virtuos bewältigt. Allerdings ging dabei der ,„swingende“ Charakter des Stückes verloren. Ein anderes wesentliches Merkmal war die sehr eindrucksvolle und inten- sive Ausdeutung der Rezitative und Ac- compagnati. Hier sind insbesondere der Evangelist Marcus Ullmann und Gotthold Schwarz (Bass) zu nennen. Ullmann ließ mit seiner hellen Stimme auch seine Arie „Frohe Hirten“ zu einem Erlebnis werden. Die Koloraturen wurden auch im von Gast gekorderten schnellen Tempo akkurat aus- geführt. Schwarz zeigte sich mit seiner schlanken Stimme und durch seine leb- hafte Darstellung als idealer Interpret der Basspartie. Barbara Rohlfs demonstrierte mit ihrer klar zeichnenden und kräftigen Stimme ihr gestalterisches Können in ih- ren drei großen Arien. Antje Perscholka konnte die hoch liegenden Engelsworte mit ihrer Stimme überzeugen und war im Duett „Herr, dein Mitleid. dein Erbarmen“ eine Gotthold Schwarz ebenbürtige Part- nerin. Ein gelungener Auftakt in der voll be- setzten Kirche für Arvid Gast, dem hof- kentlich noch viele schöne Konzerterleb- nisse in St. Jakobi folgen werden. Arndt Schnoor Weihnachtsoratorium von Saint-Saëns in St. Philippus Das Oratorio de Noel von Camille Saint-Saëns aus dem Jahre 1860 gekällt durch eingängige Melodik und einfalls- reiche Instrumentation. Etwas merkwür- dig mutet allerdings die Anlage des Wer- kes: die eigentliche Weihnachtsgeschichte wird zu Beginn geschildert, danach deutet Saint-Saëns Bibeltexte als Reflexionen zur Weihnachtsgeschichte musikalisch aus. Der Vereinigten Kantorei in St. Ger- trud, Vocapella Lübeck und der Sinfoni- etta Lübeck gelang in dem Konzert am 10.12.05 in St. Phillippus eine überzeu- gende Darstellung dieser Komposition. Der Chor gefiel durch seinen frischen Klang, der von seinem Leiter, Peter Wolff. dynamisch flexibel eingesetzt wurde. Das Orchester begleitete dezent. Kon- rad Kata an der Orgel war ein sensibler Begleiter in den Arien. Unter den Solisten war Christian Karweick mit seinem hel- len Tenor am überzeugendsten. Dagmar Mahler verfügt zwar über eine eindrucks- volle Höhe, diese wirkte aber zumindest an diesem Abend etwas zu eng. Melanie Lüthke, Mezzosopran, wusste ihre kleine Partie stimmlich angenehm darzustellen. Peter Wolff sang selbst die kurzen Bari- tonabschnitte, war um Lockerheit in der Tongebung bemüht, was aber zu Lasten des Stimmvolumens ging. Zuvor war der Kammerchor Vocapella mit vier Motetten von Hammerschmidt. Eccard, Marenzio und Schütz zu hören Musik gewesen. Auch hier gefielen die gute Aussprache und die lebhafte Gestaltung der Motetten. Allerdings war die Homo- genität des Chores, hier ist insbesondere der Sopran zu erwähnen, nicht immer LE- währleistet. Das Konzert begann mit dem Har- fenkonzert von Händel. Frauke Roland war die eigene Freude an ihrem Spiel an- zumerken. Virtuose Läufe. dynamische Kontraste und verspielte Verzierungen gelangen sehr gut. und so war der große Beifall für ihre Leistung gerechtfertigt. Das Orchester begleitete aufmerksam und achtete sorgfältig darauf. die Solistin nicht zu übertönen. Ein schönes Adventskonzert. das ein- mal metr die Leistungsfähigkeit der En- sembles aus den „Vorstädten“ und insbe- sondere des Leiters dieses Abends. Peter Wolff. dokumentiert. Arndt Schnoor Bachs Weihnachtsoratorium in der Reformierten Kirche Die Kulturstadt Lübeck machte es möglich: kurz hintereinander erklangen zwei anspruchsvolle Standardwerke der Musik in ihren Kirchen. Nachdem Arvid Gast von der Musikhochschule mit Bachs Weihnachtsoratorium in St. Jakobi seinen Einstand gab. wurde dasselbe Werk in der Reformierten Kirche aufgeführt. Wesent- licher Unterschied lag darin, dass gegen- über einem elitären Berufsorchester - ist Lübeck auf auswärtige Gäste angewiesen? - und illustren Solisten nun bei der Auf- führung durch die Lübecker Musikschule der Gemeinnützigen Gesellschaft die Ge- meinschaftsleistung von Laien Vorrang hatte. (Übrigens stand Bach 1734 auch nur ein bescheidenes studentisches Collegium musicum zur Verfügung. ) ..In ein schönes Haus gehört gute Mu- sik!“ fordert S. R. zu Recht in den „Bür- ger-Nachrichten“ der BIRL. So war es eine zündende Idee. den klassischen Raum der sträflich vernachlässigten Reformierten Kirche im Zentrum der Lübecker Kunst- meile von St. Katharinen bis Heiligen- Geist-Hospital mit weihnachtlicher Musik zum Leben zu erwecken. Anstelle ausführlicher Würdigung ge- zeigter Leistungen wären hier Bilder an- dächtig lauschender Erwachsener, junger Paare und vieler Kinder als überzeugender Beweis fürdie Kraft der Musik angebracht. Denn das Konzert im drangvoll gefüllten Raum wirkte wie ein Familienfest vieler, die man sonst bei musikalischen Veran- staltungen dieser Art nicht trifft. Auch lag Lübeckische Blätter 2005/21 351
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