Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

Theater torkks Regie lässt ihn dabei jedes Detail ausspielen. Geschickt ist es, Gerd Meier in der Rolle des Schachpartners Walter als Gegenpart zurückzunehmen, so dass durch Meiers wirksames Understatement Müllers stummes Spiel betont wird, ohne es zu dominant werden zu lassen. Gabrie- le Meier als Haushälterin Lene Holtfreter hat einen höheren Eigenanteil am Dia- log im zweiten Handlungsstrang, den sie auch sicher und effektiv nutzt. Gerd Fabi- an Müller spielt seine erste Rolle bei der Niederdeutschen Bühne und hat mit dem großen Part eine schwere Aufgabe, die er erstaunlich sicher bewältigt. Er macht eine gute Figur als der um seinen Vater Klaas besorgte Sohn Reimer, der als ver- nünftiger junger Mann keine Schrullen und Macken ausspielen darf wie die bei- den alten Knaben Klaas und Walter. Auch Claudia Köbke als neue und junge Haus- hälterin gibt in einer kleinen Rolle ihren Einstand bei den Niederdeutschen und empfiehlt sich durch ihr natürliches Spiel kür größere Aukgaben. Das erste Bild begann ohne langen Anlauf mit flottem Tempo und kam sofort direkt an beim Publikum. Auch in der Ver- änderung und Umdrehung der Situation im zweiten Bild hielt das an, unterstützt durch den Wandel in Jan Kothes Bühnen- bild, das Klaas’ anfänglich schmuddelige, danach blitzsaubere Wohnung bis ins De- tail zeigt. Durch das lebendige Ausspielen von Aktionen und Reaktionen gleichen Regie und Darstellung auch die leichten Schwächen des Stücks im Schlussteil aus und können die (Zu)-Stimmuneg des Publi- kums bis zum guten Ende erhalten. Im Anschluss an die Premiere wurde Gabriele Meier geehrt, die mit der Lene Holtfreter ihre Jubiläumsrolle spielte: die Leiterin der Lübecker Bühne und der Prä- sident des Schleswig- Holsteinischen Nie- derdeutschen Bühnenbundes dankten ihr für ihr über 25jähriges vielfaches Engage- ment und ihre Leistungen als erfolgreiche Spielerin. Rudolf Höppner Uraufführung in den Kam- merspielen: „Westworld‘“ von Ulrike Dietmann „Dikkicile est satiram non scribere“’ be- fand schon der römische Dichter Juvenal vor fast 200 Jahren. Wie schwer es aber auch ist, tatsächlich eine längere Satire zu schreiben, dafür ein schlüssiges Thema zu finden und den Spannungsbogen über eine lange Distanz durchzuhalten, wurde dem Referenten erst wieder klar beim Wieder- lesen von Günter Grass’ Erzählung „Un- © Z M 1 te v.l.n.r. Andreas Hutzel, Simone Mende, Florian Hacke, Sven Simon (Foto: stage picture Björn Hickmann) kenrufe‘““, anlässlich der vor kurzem in die Kinos gekommenen Verfilmung. Da hat es die 44jährige Ulrike Diet- mann, deren Stück „Westworld“ vom Theater Lübeck jetzt als Uraufführung produziert wurde,. einfacher. Themen ihrer „Satire aus der globalen Finanzwelt“ sind die Allmacht und Ohnmacht der Banken, die Zustände in einem psychiatrischen Krankenhaus sowie alternatives Gutmen- schentum - für sich genommen allesamt kabarettistische Selbstgänger. Nur bei der Akzentuierung und beim rechten Mi- schungsverhältnis dieser Ingredienzien liegt der Hase im Pfeffer. Während nämlich die möglichst ge- räusch- und kontaktarm funktionierende Welt des Big Business - in der schon die temporäre Unpässlichkeit einer Invest- mentbankerin eine Wirtschaftskrise aus- zulösen droht - und das seit Stücken wie „Die Physiker“ und „Einer flog über das Kuckucksnest“ auf der Bühne ,bewähr- te“ Milieu einer Nervenhellanstalt in der Inszenierung von Jochen Strauch und der bewusst keimfrei gehaltenen Ausstattung von Nikolaus Porz scharf konturiert und mit erschreckender Kälte dargeboten wer- den, franst das Stück am linken Rand aus. Da es sich um eine Satire handelt, darf der DritterWelt-Laden. in der fairer Kaffee und anderes gehandelt werden, weder als emotionale Wärmestube im Sinne einer echten Alternative zum feindlichen Leben da draußen aufgebaut noch als Asyl linker Spinner denunziert werden. Naomi Schmidt-Lauber als Mutter Gertrud Koch, die, im Grunde lebensun- tüchtig, die blitzgescheite. aber temporär gescheiterte Finanzjongleurin Clarissa Morgentau aufrichten soll, und Rebecca Intermaur als ihre Tochter Olga, die sich nach drei Suizidversuchen zur toughen Anlagebetrügerin mausert, können den Spagat, den ihnen die Autorin zumutet, auch nicht plausibler machen. Simone Mende hingegen legt eine furiose Partie hin als Finanzlöwin Claris- sa: Herzlos und mechanisch scheint sie reibungslos zu funktionieren, bis sie der Geburtstag ihrer längst abgeschobenen Tochter Catherine aus der Bahn wirtt. Sven Simon verkörpert einen distinguiert- unzeitgemäßen Bankier der älteren Ge- neration, den am Schreibtisch der Schlag trifft, worauk er fürderhin ebenso als Engel erscheint wie später die vom Lastwagen überrollte Clarissa ... Nun ja. Dass Simon in ähnlich-würdig-seriöser Form den Psy- chiater Dr. Schwaiger geben muss, ist wohl der Personalnot im Schauspielensemble geschuldet. Andreas Hutzel und Florian Hacke sind mit - grotesk-überzeichneten -Doppelrollen betraut: als Banker und als Pfleger. - Die suggestive Musik steuerte Arne Krachahn bei. Dem herzlichen Beifall spendenden Premierenpublikum konnte Intendant Marc Adam auch die Autorin, Ulrike Diet- mann, präsentieren. Klaus Brenneke Opulente Csárdáskürstin im Großen Haus Da macht Operette uneingeschränkt Spaß, macht vergessen, dass sie eigentlich „nur“ die kleine Schwester der anspruchsvol- len Grande Dame Oper sein soll, wenn sie als sinnliches Vergnügen für Ohr und Auge mit Herz, Lockerheit und Tiefsinn servier am Lü zembe: Kälmä lodiese Ohr en gebote brettis! Csárdé Witz : derlict Herzsc noch ' nigstel aber i: optiscl lunger zweiei boten Wolf ' geschi Be SZ bleibt misch Schlu: raufzi der K] ren de Uniko: Halle rückg: nimm beider in ein 334 Lübeckische Blätter 2005/20 Lübeck
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