Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

Thomas-Mann-Preis vergeben „Nun endlich‘“ - Walter Kempowski erhält den Thomas-Mann-Preis Von Hagen Scheffler Den Auftakt zur Thomas-Mann-Fest- woche bildete am 7. Aug. 2005 die Tho- mas-Mann-Preisverleinhnunng an Muſalter Kempowski. Die sonntagnachmittägliche Veranstallung im historischen Schar- bausaal der Stadtbibliothek war restloles.. ausgebucht. Etliche Kartenwünsche wa- ren nicht erfüllt worden, und einige Kar- tenbesitzer mussten zu ihrem Ärger im Mantelssaal nebenan die Veranstaltung per Videoübertragung (aber angenehm kühler Raumtemperatur) miterleben. Auch wenn Bürgermeister Bernd Saxe in seiner Begrüßungsrede um Verständnis für die Organisationsschwierigkeiten bat, wer- den zukünktig die Verantwortlichen wohl nicht umhinkönnen, eine bessere Lösung des Reservierungs- und Platzproblems zu kinden. Bürgermeister Saxe nannte Walter Kempowski einen der großen Chronisten des 20. Jahrhunderts, insbesondere der Geschichte der deutschen Bürgerlichkeit, und zitierte aus der Begründung der Jury: „Als ironischer Bürger, als detailbeses- sener Beobachter und als gewissenhafter Zeit-Schriftsteller steht er in der Traditi- on Thomas Manns.“ Saxe wollte „keine künstliche Gemeinsamkeit“ zwischen Thomas Mann und Kempow-ski herbei- führen, aber es gebe „eine deutsche Ge- schichte“, die beide Schriftsteller „unter- schiedlich gelebt“ hätten. Besonders mit seinen Romanen der „Deutschen Chronik“ sei Kempowski „Zum Geschichtenerzähler der Deutschen“ geworden, und mit seinem „Echolot“ habe er eine „einzigartige Manifestation des kollektiven Gedächtnisses“ geschaffen. Nicht gewusst habe er, bekannte Saxe freimütig, dass Kempowski, der familiäre Bindungen nach Lübeck besitze, nach der Grenzöffnung 1989 nur einmal in Lübeck gewesen sei. Mit der heutigen Ehrung werde sicherlich ein besseres beiderseiti- ges Verhältnis geschaffen: „Die Grenze ist weg, Kempowski ist hier, möge er noch oft wiederkommen!“ Im Anschluss nahm Bürgermeister Saxe die Preisverleihung an Walter Kem- powski vor, dessen literarisches Werk dem .„Geist der Humanität“ verpflichtet sei, „die das Werk Thomas Manns präg- te“. Die Auszeichnung, 1975 von der Hansestadt Lübeck aus Anlass des 100. Walter Kempowski und Bürgermeister Bernd Saxe im Scharbausaal Geburtstags von Thomas Mann gestiftet und mit 10.000 Euro dotiert, wird alle 3 Jahre vergeben .Unter großem Beifall er- hielt der Schriftsteller als 11. Preisträger die Urkunde überreicht, während seine Ehefrau Hildegard einen prachtvollen Blumenstrauß bekam. In seiner Laudatio beschäftigte sich Professor Dr. Jörg Drews, Linguist und Literaturwissenschaftler an der Universi- tät Bielefeld, mit der Verantwortung des Dichters, die sich bei Walter Kempowski als „vielfältiges und rastloses wie getrie- benes Schreiben“ äußere, das zugleich „von Kompensation und Restitution des Verschuldeten und des Verlorenen“ zeu- ge. Drews spielte dabei an auf Kempows- kis „Verlust einer Familienganzheit und „tradition“, auf den „Verlust der Heimat“, auf das „Herausfallen aus einer Bürger- lichkeit“ und sah darin „die gewisserma- Ben zeitgeschichtlich anders kolorierte Variante zum Niedergang einer Lübecker Senatorenfamilie“. In seiner Übersicht über Leben und Werk versuchte Drews mit freundschaftlicher Zugewandtheit und detaillierter Kenntnis den Werdegang des Dichters zu würdigen, wies dabei auf das große „Unglück“ von Kempowskis acht- jährigem Zuchthausaufenthalt in Bautzen ebenso hin wie auf dessen schmerzliche Beschäftigung mit den „eigenen Defor- mationen“. Markenzeichen seines lIitera- rischen Schaffens sei stets die vorausge- hende umfangreiche Recherche, von der Zeitzeugenbetfragung bis hin zu Briefen, Fotos und Tagebüchern. So habe er das Leben einer Familie vom Kaiserreich bis in die SOer Jahre gestaltet, u. z. in seiner „Deutschen Chronik“ mit den Romanen „Tadellöser & Wolff“ (1971). „Aus großer | Zeit“ (1978) und „Herzlich Willkommen“ | . 3° (1984). Drews bedauerte, dass die Rezeption | seines Frühwerks z. T. nur als ..histori- sches Entertainment“ missverstanden und | 234 Lübeckische Blätter 2005/15 | ii.. untersc | hinges werk verheh nicht e stimmt se LES müdlic DDR 1 | hätten „Recht verstur De: tur wis: Ästhet deutun [ gelegtc zögerl: und na geblicl Schutz von G in den sonder monur Soldat viliste lern, k von N schen nen er ein Fo tionie Vielz: sikhoc Konz: len V: nowit lich e geme meich | häufi; Rück: eines gehol Konk Ange terko: der N sang Lübeck
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