Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

N Am- ICk- Sr, der vIit- che Sem ond von Ven hö- urch Nn00r Jels- siker J Or- tadt- nden takt, | der , am- ulich € LE- t mit Cam- E seit 005/13 1004 unter seiner Leitung kirchenmusika- jische Werke, aber auch eigenständige Or- chesterliteratur erarbeiten. Den Sommera- hend in St. Gertrud eröffneten sie mit dem Gesellenstück“ des I7-jährigen Men- Jelssohn, der Ouvertüre zu Shakespeares Sommernachtstraum“. Da war gründli- che Vorbereitung herauszuhören. Obwohl mit Schwung musiziert, überzeugten nicht nur die große Linie, sondern auch die vie- len Details. Traumhatt schön erklang zum gchluss die Streicherkantilene, bei der die Abendsonne das Glasfenster im Chor- raum der jetzt 95 Jahre alten Kirche noch einmal zum Leuchten brachte. Im Aufbau der Kantate „Wer nur den lieben Gott lässt walten“ ließ sich die Beschäftigung des Komponisten mit Bachs Kantatenwerk heraushören. Auch die Schwierigkeiten des ineinander ver- schränkten Satzes der zweiten Strophe wurden von den Kantoreien gut bewäl- tigt. Im Zwischenstück, dem Nocturne aus dem „Sommernachtstraum“, zauber- ten die Hörner Abendstimmung in den Raum. Als Hauptwerk erklang dann die Vertonung des 42. Psalms, der Mendels- sohn auch die Opus-Nummer 42 zuordne- ie: „Wie der Hirsch schreit nach frischem wasser“. Ruhig, wortverständlich nahm Wolff die Einleitung. der sich der Schrei, bis zum Fortissimo gesteigert, anschloss. Die Männerstimmen durften in der Chor- einleitung „Was betrübst du Dich, meine seele?“ Kraft entfalten, bevor dann wie- der vielstimmig Glaubensgewissheit ver- breitet wurde: „Harre auf Gott, denn ich werde ihm noch danken ...“. Auch die Fuge des Schlusschores wurde präzise und klangvoll wiedergegeben. In beiden Kantaten hatte die Sopranis- tin Zsuzsa Bereznai die Solopartien über- nommen. Mit klarer, hell zeichnender, in den Höhen warm aufstrahlender Stimme überzeugte sie mit Sicherheit, Leichtigkeit und Gestaltungswillen. Das Publikum ging in allen Teilen begeistert mit und erzwang . nach der ruhig vorgetragenen Schlussbit- liche ' te „Verleih uns Frieden gnädiglich“ noch eine Wiederholung aus der Psalmenkanta- te als Zugabe Konrad Dittrich „Carmina burana‘’ mit vereinten Kräften Zu Semesterende hatte die Lübecker Musikschule der Gemeinnützigen Gesell- schaft im wahrsten Sinne des Wortes noch einmal „auf die Pauke gehauen“: Soli und Chöre wurden bei Carl Orffs „Carmina burana“ von handfestem Schlagwerk un- terstützt, zu dem man die beiden Flügel ge- trost hinzuzählen konnte. Da präsentierten sich die Singgemeinschaften „Cantus Ju- ventutis“ und der Jugend- und Kinderchor der Musikschule mit Unterstützung durch jüngste Sängerinnen des Johanneums (auf die man allerdings zukünftig getrost ver- zichten könnte). Sogar mit Ratzeburgs A- Cappella-Sängern hatte man sich verbün- det. Schließlich sorgte ein zuverlässiges Schlagzeugensemble der Musikschule für mitreißende Rhythmen. Orff hat mit ihnen und hartnäckig formelhaften Sequenzen sein Opus in oft gezielt genutzter Primi- tivität effektvoll aufgeputzt. Es wurde al- lerdings deutlich, dass eine volle Orches- terbegleitung überzeugender wirkt. Das monumentale Originalwerk war hier in letzter Zeit mehrfach aufgeführt worden. Dennoch fand diese Bearbeitung sehr gu- ten Besuch im Kolosseum, dessen Podium kaum genügend Raum bot für das gesamte Ensemble. Der Komponist hat es verstanden, seine Carmina zwischen rhythmischem Exzess und bajuwarischem Gaudi anzu- siedeln. Folglich machten alle Teilnehmer begeistert mit. Für den unermüdlichen Dirigenten Christoph v. Kuczewski-Poray bedeutete die Gesamtleitung keine Über- forderung, den gewaltigen Chor gleich beim „„O Fortuna“ auf „volles Rohr“ zu trimmen. Ihm ist zu danken, dass viele knifflige Einsätze im Gewirr wechseln- der Metren vorzüglich gelangen und der Chor auf seine dezenten, aber zwingen- den Anweisungen hinsichtlich Diktion und Dynamik wach reagierte. Er bewähr- te sich als Fels in der Brandung, wenn er seine Mannschaft mit absoluter Sicherheit durch die Tücken der Partitur schleuste. Ihm vor allen anderen gebührt Dank und Anerkennung für eine vorbildliche Ge- meinschaftsleistung. Zusammen mit ihm bewährten sich gute Solisten: Barbara Spiel (Sopran), David Amein (Tenor) und vor allem Christian Grygas (Bariton). Hans Mlillies Lob der Stille: Gitarren-Quartett Im Bemühen der Lübeckischen Blät- ter, nicht nur repräsentative Konzerte der Hauptkirchen zu würdigen, sei hier von einer Veranstaltungsreihe der katholischen Vorstadtgemeinde St. Vicelin berichtet. Recht auffällig hatte man eine Reihe von drei .Frühlings“-Musikveranstaltungen annonciert. Deren erste fand aufgrund ih- Musik rer besonderen Besetzung reges Interesse innerhalb der Gemeinde. Vier Gitarristen bestritten das Eröffnungskonzert. Es bot leider keine Beispiele originaler Gitar- renmusik früherer Stilepochen. sondern vor allem Bearbeitungen, die aber in ihrer gewürzten Harmonik zeitgemäßem Ge- schmack gerecht wurden. Dabei erwies sich der internationale Charakter der Stü- cke wie auch der ausführenden Spieler aus Österreich, Polen und Tschechien als interessant. Während drei Préludes des Tschechen Martinú mit folkloristischen Anklängen aufgeputzt waren. wurden Sätze aus Iberts „Iberia‘“-Suite von spanischen Rhythmen belebt. Dabei kamen feine dynamische Nuancen der Bearbeitung des Klavier- Originals für vier Gitarren in der guten Akustik des Kirchenraumes voll zur Gel- tung. Dass die versierten Spieler auf ihren Zupfinstrumenten auch weiche Legato- Klänge und sogar gehauchtes Flageolett erzeugen konnten, erhöhte den besonde- ren Reiz Spanischer Impressionen. Der zweite Programmteil spannte sich mit Stücken von Debussy über Piazolla bis hin zu Cole Porter quer durch effektvolle. mehr unterhaltende Gitarrenliteratur. Sie wurde aber so gekonnt und dezent gebo- ten, dass sie durchaus in den Kirchenraum passte. Harfenähnliche Klänge zweier Arabesken von Debussy leiteten über zu allerlei virtuosen Fingerspielen. die mit Grazie und Stilgefühl bei Fuge. Tango und Bossa Nova (hinreißend Porters „Night and Day“!) und dem temperamentvollen „Brazil“ von Barroso zum Ausklang führ- ten. Die zahlreichen Besucher waren von den leisen Klängen. die zu gespanntem Zuhören anregten, sehr angetan. Hans Mlillies Junges Kammerorchester in sinfonischem Glanz Lübecks Ruhm als „Musikstadt des Nordens“ gründet sich nicht zuletzt auf sein vielfältiges Angebot für junge Leu- te, an alle Sparten der Kunst herangeführt zu werden. Dank gilt da besonders der Gemeinnützigen Gesellschaft. die dieses in den Bereichen Musik. Schauspiel und Bildende Kunst ihres Ausbildungsinsti- tuts möglich macht. Was deren .Junges Kammerochester“ auszeichnet, ist nicht nur das Gemeinschaftserlebnis zahlrei- cher Konzertreisen als musikalischer Bot- schafter der Stadt. sondern vor allem die pädagogisch geleistete Proben-Vorarbeit dazu. Das wurde bei einem Konzert im gut besuchten Kolosseum deutlich. Lübeckische Blätter 2005/13 199
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