Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

B m g ar ist lie ber ner nnt, nen hla- ach der Por- IZENn iner Nert uch Trei- 1 im e ei- | Sin- sche | stüt- zt in und SEN- (wie chen eater nkeit haus SEUTrE n, zu ' VOr- n all- I E- 2005/11 Jjeben. Das Jubiläumsjahr scheint von ei- ner Neugier auf das Original geprägt. Eine aktualisierung von Schillers Intentionen st dabei sicherlich möglich; sie ergibt sich (ber eigentlich in angemessener Weise erst, wenn die Originaltexte sehr aufmerk- zam studiert werden. In diesem Sinne er- ccheint es nicht nur als eine Pflichtübung, | wenn an fast allen deutschen Theatern in diesem Jahr Aufführungen stattfinden der Räuber, von Kabale und Liebe, Don (arlos. Wallenstein, Maria Stuart oder der Jungfrau von Orleans. Das Highlight des Londoner Theater-Frühlings ist eine Auf- führung des Don Carlos - und auch dies scheint nur möglich, wenn Schiller nicht als ein Verkünder weltfkremder Freiheits- Phrasen verstanden wird, sondern als Zeitgenosse auch unserer Epoche, der das ßpedürknis nach Freiheit einklagt und die peschädigungen der Freiheit anprangert, zuch wenn sie im Namen von Emanzipa- tion und Fortschritt in Kauk genommen werden sollen. Edler Freund! Wo öffnet sich dem | Frieden, Wo der Freiheit sich ein Zufluchtsort? Das Jahrhundert ist im Sturm geschie- den, Und das neue öffnet sich mit Mord. Die Freiheit ist im modernen Spiel der Kräfte nicht wohlkeil zu bekommen; zie ist kein Besitz, den jeder Mensch wie sein Guthaben auf dem Bankkonto si- cher hat. Wenn wir zu verzweifeln dro- hen, wenn wir gar nicht mehr glauben, dass wir noch eine Art Selbstbestimmung über unser Leben erringen können, dann | | „Ewig jung ist nur die Phantasie“ - ein schillerndes Kaleidoskop in St. Petri ] | Won Klaus Brenneke | ie steht es eigentlich um die „„Schil- | ler-Pflege“ am Theater Lübeck? Nicht wenige Besucher dürften bedauert | haben, dass für die Spielzeiten 2005/06 keine Inszenierung eines Schauspiels des vor 200 Jahren verstorbenen Dichters vor- | gesehen war oder ist. Interessanterweise kommen aber im ersten Jahrzehnt des 21. Jahrhunderts gerade die Opernfreunde unter den Schiller-Enthusiasten auf ihre Kosten und zwar in der Vermittlung durch Giuseppe Verdis „Jungfrau von Orléans“ qlias „Giovanna d’Arco‘“, „Die Räuber“ | alias „] Masnadieri“ in den beiden letzten Jahren und „Don Carlo(s)“ in der kom- menden Spielzeit. möchte uns Schiller mit der Kunst an die Freiheit erinnern, die doch die Grundlage der menschlichen Existenz sein sollte. Im Prolog zur MWallenstein-Trilogie heißt es über die Muse: Ja, danket ihrs, dass sie das duüüstre Bild Der Wahrheit in das heitre Reich der Kunst Hinüberspielt, die Täuschung, die sie schafft, Aufrichtig selbst zerstört und ihren Schein Der Wahrheit nicht betrüglich unter- schiebt, Ernst ist das Leben, heiter ist die Kunst. Und wenn das Leben uns Enttäuschun- gen bringt, wenn es nicht zum Reich der Freiheit wird, dann zeigt uns Schiller mit seiner Ästhetik des Erhabenen, dass es da- rum geht, diese Problematik auszuhalten und das Vertrauen in die Freiheit auch in einer Welt zu bewahren, die als Reich der unvernünftigen Natur erscheint: Die Welt, als historischer Gegenstand so Schiller in Über das Erhabene, ist im Grunde nichts anders als der Konlflikt der Naturkräfte untereinander selbst und mit der Freiheit des Menschen, über den Erfolg dieses Kampkes berichtet uns die Geschichte. So weit die Geschichte bis jetzt gekommen ist, hat sie von der Natur (zu der alle Affekte des Menschen gezählt werden müssen) weit größere Taten zu erzählen, als von der selbständigen Ver- nunkt. Nähert man sich nur der Geschich- te mit großen Erwartungen von Licht und Das mag für die Anhänger des un- verfälschten, sprich: nicht zum Libretto verdampften Schauspiels ein schwacher Trost sein. Ihnen sei gesagt, dass das Lü- becker Theater Werke wie „Wallenstein“ oder „„Wilhelm Tell‘ schlichtweg nicht besetzen kann; dass andererseits „Kabale und Liebe‘, „Don Carlos“, „Fiesce“ und „Maria Stuart“ zwischen 1982 und 1996 gespielt worden sind, dazu die „Räuber“ als Gastspiel aus Oldenburg im Jahre 1999. Schiller zuhauf bei passablem Zu- lauf - etwa 120 Besucher, während an der Beckergrube der Presseball stattfand - gab es am 7. Mai drei Stunden lang in Schiller-Theater in St. Petri Erkenntnis - wie sehr findet man sich da getäuscht! Akzeptieren wir diese Enttäuschung. aber nutzen wir die Sphäre der Kultur, um der Sphäre der Ökonomie und der Politik Refugien der Freiheit und der Heiterkeit entgegenzusetzten. Die Kunst ist damit nicht einfach nur Trost und Kompensati- on in einer schlechten Welt. sondern ein Motor der Freiheit. die auch in unserer all- täglichen Praxis zu spüren sein sollte. Thomas Mann charakterisierte in sei- ner Schiller-Rede. die er am 8. Mai 1955 in Stuttgart im Württembergischen Staats- theater und sechs Tage später in Weimar im Deutschen Nationaltheater hielt, die Wirkung. die er sich in der Zeit des Kal- ten Krieges von einer Beschäftigung mit Schiller erhoffte: Arbeit am Geist der Nation,. ihrer Mo- ral und Bildung. ihrer seelischen Freiheit. ihrem intellektuellen Niveau, das sie in den Stand setze. zu gewahren, dass ande- re. unter anderen historischen Vorausset- zungen. einem verschiedenen Ideensys- tem, einer anderen sozialen Gerechtsame Lebende auch Menschen sind; Arbeit an der Menschheit. welcher man Anstand und Ordnung. Gerechtigkeit und Friede wünscht statt gegenseitiger Anschwär- zung, verwilderter Lüge und speiendem Hass - das ist nicht Flucht aus der Wirk- lichkeit ins MüßBig-Schöne., es ist bewah- render Dienst am Leben., der Wille. es zu heilen von Angst und Hass durch seelische Befreiung. Im Geiste dieser Worte können wir auch noch mit Schiller ins 21. Jahr- hundert gehen. St. Petri. mit einem Programm. an dem nahezu das gesamte Schauspielensemble beteiligt war. Unter dem Titel „Ewig jung ist nur die Phantasie“ kamen die 16 be- teiligten Kräfte unter der Leitung von Chefdramaturg Matthias Held an - wenn wir richtig gezählt haben - sechs verschie- denen Schausplätzen zum Einsatz. in An- wesenheit von rund 100 Besuchern. Nun mag man über solche Art von Literatur- vermittlung geteilter Meinung sein, weil dem Zuhörer. der die eine Lesung besucht, notgedrungen eine andere entgeht. trotz geschickter terminlicher Auffächerung. In einem solchen Rahmen können nur Denk- anstöße gegeben werden mit dem Auffor- | libeckische Blätter 2005/11 ' J 167
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