Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

Schiller in der Abbildung Zwei Jahre nach Schillers Tod entstand diese überlebensgroße Marmor-Herme des Künstlers selbst geworden.“ Man kann sich vorstellen, wie mühelos sich diese profane Christologie an politische und insbesondere an nationale Programmatik anschließen lässt. In zahllosen Adaptio- nen erwies der Porträttypus seine Wand- lungs- und Anpassungsfähigkeit, was mit wenigen Beispielen veranschaulicht sei. Eine renaturalisierte, betont nüchterne Druckgraphik zu den Schiller-Feiern von 1859 holte den Gefkeierten wieder in den historischen Kontext zurück (Holzstich nach Vorlage von Ernst Hartmann). Die Version erschien im Rahmen einer Son- dernummer der ..Illustrirten Zeitung“ und also in enormer Auflage. Im Jahr 1923 überhöhte der Grafiker Karl Bauer das heroische Moment der „.Colossalbüste“', indem er sie aus einem dominierenden Dunkel herausmodellierte. Das Blatt ent- stammt einem graphischen Zyklus, mit dem Bauer die legendarischen Lebenssta- tionen Schillers illustrierte, und markiert darin den finalen Höhepunkt. In mehre- ren Mappenwerken hatte sich Bauer zuvor bereits der Heroen der deut- schen Geistes- und Militärgeschich- te angenommen. Schiller erscheint bei ihm wie ein Dä- mon jenseits aller menschlichen Be- schränkungen, eine Art negativer APO- theose. Enge Ver- wandte des Typus fanden auf die Ti- telblätter der deut- schen Kriegszeitun- gen im ersten Welt- krieg, so hier der „Wacht im Westen“ mit einer Schiller- Sondernummer aus dem Jahr 1917. Im Vollprofil zeigt sich der Dichter-Heros energisch wie un- beugsam, während ihn ein zugehöri- Wicdmungs- gedicht als Mili- tärheiligen anrukt: „Du unerschöpk- lich-reiner Born des Deutschtums,/ Wir grüssen dich,/ Die Deutschesten in Deutschlands / Grösster Zeit!“. Es versteht sich, dass die bauersche Adaption noch 1934 zum 175. Geburtstag Schillers in der schulpädago- gischen Zeitschrift „Deutscher Bilder- dienst‘ erneute Verbreitung fand, ebenso im selben Jahr auf einer Gedenk-Brief- marke des Deutschen Reichs. Schließlich soll aber auch der Kitsch zu seinem Recht kommen. nämlich in einem Gedenkblatt zum Jubeljahr 1905., das der Gratiker Bruno Héroux fabrizierte. Im ästheti- schen Tempel schwebt unnahbar Schillers Büstenporträt, umwabert von Weihrauch- dämpfen und bekränzt von einer Hohe- priesterin, deren unbekleidete Rückenan- sicht die Andacht der männlichen Schil- ler-Enthusiasten bis zu rasender Innigkeit getrieben haben wird. Man sieht an derlei Beispielen, dass die Durchsetzungsfähig- keit eines Porträttypus wesentlich vom Grad seiner diskursiven Anschlussfähig- keit abhängt. 2. über die Monumentalisierung Schillers: im Grunde genommen hatte LES Dannecker den Übergang zum Monumen. talischen bereits vollzogen, als er nach | Erhalt der Todesnachricht die sogenannte ..Colossalbüste‘’ Schillers entwart; hoch zum Kultbild aukgesockelt, sah er sie im Zentrum eines neoklassizistischen Denk. mals. Gleichwohl schaffte es seine Kon. zeption nur auf einen Theatervorhang, der am 11. November 1805 bei einer Gedächt. nisfeier für Schiller im Stuttgarter Hofthe. ater die Kulisse abgab. Das Verpuffen die. ses ersten Denkmalimpulses, dessen frü-. hestmöglicher Zeitpunkt man dem Freund. schaftsdienst Danneckers zuschreiben darf, war keinesfalls eine Weichenstellung | für das. was noch folgen sollte. Ganz in Gegenteil: die im letzten Viertel des 19. Jahrhunderts allenthalben und beißend ah hebende Kritik an der in Deutschlang grassierenden Denkmalswut erhob das Schiller-Denkmal zum Prototypen der ge- samten Gattung. Am vergnüglichsten liest sich das in den Eingangsversen des „Ma-. ler Klecksel‘ von Wilhelm Busch (Erst- ausgabe 1884), wo der Sättigungsgrad an Schiller-Denkmälern im durchschnittli- chen Stadtbild den Grenzwert des Erträg- lichen überschreitet. Warum aber Schil- ler? Schließlich widmete man das erste öffentlich aufgestellte Standbild, das we. der einem Herrscher noch einem Mlilitär zugedacht war, erst 1821 zu Wittenberg Martin Luther und der war ja schon bald 300 Jahre tot. Sieht man sich nach weite- ren Kandidaten um, die a.) während des anhebenden bürgerlich-nationalliberalen Zeitalters bereits verstorben und b.) die Projektionsenergien einer bürgerlichen Öffentlichkeit dauerhaft stimulieren und kanalisieren konnten, so scheiden Kandi- daten wie Lessing und schon gar Goethe aus. Warum also nicht Schiller? Denn die enge Verquickung der bürgerlichen Nati- onvorstellung mit einem überhöhten Kul- turbegrikf schien beinahe zwangsläufig auf ihn zu zu laufen. Weiteren Aufschluss liefert ein Blick auf das erste, im öffentli- chen Raum realisierte Denkmalprojekt, dessen Resultat am 8. Mai 1839 vor dem Alten Schloss in Stuttgart angesichts eines | vieltausendköpfigen Publikums enthüllt wurde. Quasi offizielle Stichkassung samt Sockelreliefks von 1839; Paris, Bureau Nu- mismatique] Das Projekt war seit 1826 von einem rein bürgerlichen Denkmalkco- mitee betrieben worden, dessen nationalli- berale Programmatik bisweilen kaschiert werden musste, um die Spendenströme aus adligen Portefeuilles nicht allzusehr zu gefährden. Bereits der erste Spenden- aufruf des Denkmalkomitees gipfelte 1827 in der nationalen Gretchentrage: 144 Lübeckische Blätter 2005/10 H Mie ehrt De Jen es geget ie von den vestaltete S§ts hereits im C Kompromiss Teil des ökke wiedererkeni pichter im w mit Lorbeer Inspiration. 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