Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

T DER SFIEGEL FR E D RI C S C H I LI. E R Der Atem der OCsie nger) t vom über ] hier eima- mehr blick ntlich ellung 1805 rungs- S: erung Ingen: stan- ) be. | bstand ellung eweils e. Je: hl von n und 2t und blätter, rfügbar einem em her krühes- ] durch 1 Graff mutlich atstand. ten Re- Kupker- der die ibt. An- seinem 1tor des | «Titelblatt des , Spiegel‘ vom Oktober 1004 Pon Karlos“ getroffen glaubte. Passend . qlazu stützt Schiller seinen Kopk leicht zuk einer Hand auf, so dass sich insge- samt eine melancholische Grundhaltung einstellt, die einen Anschluss an den um 1800 längst installierten Genie-Diskurs erlaubt. Wir erleben Schiller hier als bei- nahe romantisch anmutenden Jüngling, dessen emotionaler Uberschwang im Faltenwurk seiner Hemdrüschen sowie im lohenden Haar nachzittert. Das funk- tioniert auch noch im Stadium der Ver- fremdung, wie ein Titelblatt des „Spie- gel“ vom Oktober 2004 beweist, das mit einem feurigen Epitheton operiert: „Der Atem der Freiheit“. Müllers Stich erleb- te zahllose druckgraphische wie auch malerische Adaptionen und scheint seine iüüberzeugungskraft erst gegen Ende des 19. Jahrhunderts allmählich eingebüßt zu haben. Ein zweiter Typus betrifft das Ol- porträt durch die Ludwigsburger Malerin Ludovike Simanowiz, das 1794 anläss- lich von Schillers erstem Heimatbesuch nach seiner Flucht aus Stuttgart entstand. Stahlstich durch Charles Louis Schuler von 1835] Schiller kannte seine Porträ- tistin seit den gemeinsamen Kindertagen in Ludwigsburg und eine gewisse Inti- mität kennzeichnet auch die hier zu Tage tretende Porträtauffassung. Freilich wird gegenüber Graff durch das Kniestück ein erhöhter Anspruch auf Repräsentativität erhoben, deren Kontrapunkt die inspirie- rende Homer-Büste setzt. Schiller scheint den Einflüsterungen Homers zu lauschen, sich zumindest aber im Zustand der Intro- spektion zu befinden, wie sein entgleiten- der Blick andeutet. Mancher Kommenta- tor des 19. Jahrhunderts wollte darin einen Retlex auf die erst kurz zuvor überstande- ne, lebensbedrohende Erkrankung sehen. Das im englischen Künstlerporträt des 18. Jahrhunderts gängige Bildschema der In- spiration, wie es hier Simanowiz benutzt, schafft unter anderen Voraussetzungen den Konnex an den Genie-Topos. Zumeist wurde der Simanowiz-Typus durch ovale Rahmung, etwa in einer Verwendung als Frontispiz, penetranter intimisiert. Aus dem geneigten Kopf ergab sich so eine Tendenz zum Elegischen, bis hin gar zu einem Leidensgestus; manch einer wollte hierin auch ein Musterbild deutscher Tief- sinnigkeit (man denke an Wendungen wie „Volk der Dichter und Denker“) erken- nen, wodurch sich ein Anknüpfungspunkt - kür patriotische Topik bot. Der dritte ka- nonische Porträttypus geht auf die soge- nannte „Colossalbüste“ aus der Hand Jo- hann Heinrich Danneckers zurück, die der Stuttgarter Hokbildhauer wohl zwei Jahre nach Schillers Tod als überlebensgroße Marmor-Herme vollendete. Bereits aus den gemeinsam verbrachten Studienjah- ren an der Hohen Carlsschule zu Stuttgart erwuchs postum eine Freundschaftsle- Schiller in der Abbildung gendarik, die in Schillers Hermen-Porträt ihren unüberbietbaren Ausdruck finden wollte. Mit seiner transfigurierten Schil- ler- Auffassung setzte sich Dannecker gegenüber seinen Kollegen Graff und Si- manowiz weit ab. Diese heroische und entzeitlichte Version bietet eine ideale Projektionsfläche für eine Rhetorik des Willens und Triumphs. die bis zum heu- tigen Tage unter wechselnden Kontexten Anwendung findet (auch Rüdiger Saf- ranski bezeichnet in seiner neuen Biogra- phie Schiller als „Athlet des Willens“). Der erste Dannecker-Biograph Adolf Spe- mann lieferte 1908 dafür ein Musterbei- spiel: „Die Spuren der unaussprechlichen Leiden scheinen getilgt; der Geist hat ge- siegt. In diesem Bilde lebt Schiller in der deutschen Volksseele [...] und die Apo- theose des Dichters ist zu einer Apotheose Ölporträt von Ludovike Simanowiz 1794 Theaterring Freitag, 27.5.05 GT 1 20.00 Uhr Sonntag, 29.5.05 GT II 20.00 Uhr Unser letzter Schauspieltermin in dieser Saison Marivaux, Der Streit Marivaux, Der Streit Auf Wiedersehen im Theater in der nächsten Spielzeit! Nach mehreren Änderungen wurde die Satzung der Gemeinnützigen neu gedruckt. Sie liegt dieser Ausgabe bei. Wir bitten alle Mitglieder, sie aufzuheben, damit Sie sich bei Bedarf jederzeit über unser „Grundgesetz“ informieren könne N: Ihr Helmut Wischmeyer. Dr. . ter 2005/10 Libeckische Blätter 2005/10 143
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