Full text: Lübeckische Blätter. 2005 (170)

j Y: Ul zamts- Innten ereien ischen | n ein- | stems e Ma- Sanie- ründer 1. Seit 1gäng- nmen- s stark x auch länder NLS sO- n. Die- Schiff- Zundes rm be- sllt: ist: 'harak- reichen vdL ter 2005/19 die alles schon wissen‘ Von Antje Peters-Hirt Gewiss ein denkwürdiger Abend der Lyrik. dieser I5. April 2005 in der Musik- hochschule Lübeck. Drei Veteranen der deutschen Litera- tur; insbesondere auch der Lyrik, hatten ihren Auftritt. Der Nobelpreisträger woll- ie es noch einmal wissen. Er lud die ein, die er achtunddreißig Jahre nicht in öffent- Jicher Lesung getroffen hatte. Rühmkork und Enzensberger verweigerten sich dem nobilitierten Senior nicht. Ganz Lübeck kam, soweit noch Karten erwerbbar wa- ren. Dieter Stolz vom Literarischen Col- loquium Berlin gab eine mustergültige, ausführliche, spielerisch zitierende aber auch tiefgründig abwandelnde, partiell kongeniale Einführung. In vier Runden arbeiteten die Altmeis- ter sich gegenseitig befeuernd chronolo- isch, thematisch und situativ ab - Dauer im Wechsel zelebrierend - und zeigten, was sie sind und was sie können. Und das ist viel: Artistik, Weisheit, Nonchalance, Gefühlsfeuer, taktisches Gespür, eine Spur Ideologie, Können, Weltläufigkeit, An- spruch und Hybris hielten sich die Waage. Es war hochkarätig. Es war einfach schön. Und es war nostalgisch - sentimental be- schwörend. Hier waren Großmeister ihrer Zunft am Werke, die sich zu inszenieren M Wir drucken im Folgenden die Einfüh- rung von Dieter Stolz vollständig ab: Lyrik aus künk Jahrzehnten: Prolog zur Lesung von Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass und Peter Rühmkork Zweifel - Hoffnung - Liebe oder Wir müssen uns diese Männer als glückliche Menschen vorstellen Der Vorredner als Zeitgenosse: Das Andersen-Jahr zwingt mich, Märchentöne | anzuschlagen. Das Einstein-Jahr ist dau angetan, alles zu relativieren. Das Schilk. ler-Jahr verlangt von mir, dem Spieltrieb zu frönen. Und unser Veranstaltungsort bringt zu allem Überfluss auch noch musi- kalische Elemente ins Spiel. Kurzum, ich | möchte versuchen, ein niederes Hohelied- chen zu singen, obwohl gerade diese drei literarischen Tenöre nach einem Gesamt- kunstwerk schreien. Große Worte, war- um nicht. Mein weniger hochtrabendes Loblied steht unter der Motto: „Seien wir uns dessen bewusst: Das Gedicht kennt keine Kompromisse; wir aber leben von Kompromissen. Wer diese Spannung tätig aushält, ist ein Narr und ändert die Welt.“ (Günter Grass, 1966, Rede in Princeton) Los geht’s: Drei herausragende Dich- ter, drei Narren, drei Weltveränderer im Spannungsfeld von Kunst und Leben, von Dichtung und Wahrheit. Drei Vertreter der skeptischen Ge- neration, drei gebrannte Kinder mit (un)vergleichvaren Jugenderfahrungen, drei wissbegierige Menschen mit unter- schiedlichen Werdegängen. Doch damit noch nicht genug: Drei eigenwillige Individuen, drei heterogene Temperamente, drei selbstbewusste Per- sönlichkeiten, die vom ersten Buch an mit unerhörten Tönen glänzen. Lerngenies, denen keiner so leicht etwas vormachen kann. Spracharbeiter, die das Iyrische Weltbild unverbesserlicher Naturliebha- ber ins Wanken bringen. Multitalente, die neue Maßstäbe setzen; und zwar bis heute. Natürlich, jeder die seinen, auch gegenein- ander, aber stets auf höchstem Niveau, mit Kunstanspruch und Erkenntnisgewinn. Nicht alle Märchen gehen böse aus. Lyrik im Terzett „Die Vorzüge der alten Männer“ oder „Lied(er) von denen, auf die alles zutrifft und Es waren einmal drei Querdenker, drei Wörterwälzer, drei bewegliche Fixsterne am entzauberten Künstlerhimmel. Kurz und gut., drei Herbstkinder mit ihrer Ge- schichte: Es war einmal: Geboren wann? Nun sag schon wo? GÜNTER GRASS. geboren am 16.10.1927 in Danzig-Langfuhr, Luftwaf- fenhelfer, Panzerschütze. kurze Gefan- genschaft. nach dem Krieg verschiedene Gelegenheitsarbeiten, dann Studium an der Düsseldorfer Kunstakademie und der Hochschule für Bildende Kunst in Berlin, erste Buchpublikation 1956. Grass lebt als freier Schriftsteller und Künstler in der Nähe von Lübeck: .Also gut: über mich. Ich gebe kein Bild ab. Vor allen anderen Blumen gefällt mir die hellgraue. das gan- ze Jahr über blühende Skepsis. Ich bin nicht konsequent. (sinnlos mich auf einen Nenner bringen zu wollen.) Meine Vorrä- te: Linsen Tabak Papier. Ich besitze einen schönen leeren Rezeptblock.“ (Aus dem Tagebuch einer Schnecke) Es war einmal ein Blechtrommler, der hieß Oskar. „Glaube - Hoffnung - Liebe“ konnte er auf einem Transparent lesen und mit den Wörtchen umgehen ..wie ein Jon- gleur mit Flaschen: Leichtgläubig. Hoff- mannstropfen, Liebesperlen. Gutehoff- nungshütte. Liebfrauenmilch, Gläubiger- Im Garten des Grass-Hauses: Hans Magnus Enzensberger, Günter Grass und Peter Rühmkorf (von links nach rechts) Lübeckische Blätter 2005/9 131
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