Full text: Lübeckische Blätter. 2004 (169)

Versammlung der Kaufmannschaft Emanuel Geibel und die mit ihm ver- wandte Familie Fehling, der Schauspieler Günter Lüders, die Familien Eschenburg, Dräger, Possehl und Curtius, aber auch Namen. die in die deutsche Kriminalge- schichte eingingen: „Mucki“ Pinzner und die rächende Marianne Bachmeier mit ih- rer ermordeten Tochter Anna. Und, um zu loben: Die städtischen Ehrengräber bei- spielsweise für den Schriftsteller Gustav Hillard-Steinbömer, die Bürgermeister Otto Passarge und Werner Kock sind der- zeit tadellos gepflegt. Wer Sinn für Aura und Atmosphäre besitzt, wird bemerken, dass die Straßen- überquerung vom Burgtor-Friedhot zum nördlich gelegenen Ehrentfriedhokt den li- teraturgeschichtlichen Übergang von Thomas Manns „Buddenbrooks“ zu Ernst Jüngers „Stahlgewittern“ markiert. Sogar wer von den Plänen des genialen und weit über Lübeck hinaus bekannten Garten- bauarchitekten Harry Maasz (1880-1946) nichts weiß - oder gerade auch weil er nichts weiß, wird einem Stimmungsum- schwung unterworken: Von der Trauer zi- vilen Sterbens geht es zum Morden zwei- er Weltkriege. Das hügelige Gelände der „Sandbergskoppeln“ mit seinen Bäumen und jähen Mulden vermittelt jedem phan- tasievollen Betrachter erst einmal das Ge- fühl, auch hier hätte eine der furchtbaren Schlachten des I. Weltkrieges stattgefun- den haben können. Der grimmig-heldi- sche in Stein gehauene Soldat, der den Helm zum Gebet abgenommen hat und der von Fritz Behn gestaltete „Sterbende Krieger“ im Ehrenhain mögen zwar heu- tigem ästhetischen und politisch-korrek- tem Empfinden nicht mehr entsprechen, vergegenwärtigen aber aut bedrängende Art die Trauertradition und das Leid unse- rer Vorfahren. Links und rechts des Eh- renhains liegen die Gräber junger Solda- ten und ziviler Opter des 2. Weltkriegs. Auch Opfer der Bombenangritfe auf Lübeck und Hamburg. wo es keine Her- berge mehr gab für die Toten. Der Lübecker Männergesangverein und eine Schule gedenken ihrer Gefalle- nen des I. Weltkrieges. Veteranenverein, ohnehin. Nicht immer weiß man, ob g î Gedenken auf dem Lübecker Ehrenfrieg. hot dem Frieden oder der Rache galt. Man muss einige Stufen hochgehey um auf jenen Hügel zu kommen, auk de,, ein Naturfeldstein steht. Er gedenkt des am 5. Januar 1945 vom NS-Regime hingerich. teten Julius Leber. Der Elsässer kämpfte 1914 bis 1918 auk deutscher Seite, kührts von 1921 bis 1933 die Lübecker Sozialde. mokratie und wurde am 5. Januar 1945 alz Widerstandskämptfer und Freund Clayz Grat Stauffenbergs hingerichtet. Auf de Stein für Leber steht ein Satz aus Nietz. sches „Zarathustra“, etwas falsch zitiert: „Aufrecht geht mir beizeiten, o Brüder“ („oh meine Brüder“ heißt es eigentlich.) ; Lül ['; air bem anlaufk hindung kehrsnel Die ztufenw reinigun 02. Im | ßauarbe Hochscl | kosten ; Hinunter geht es wieder vorbei an G. denksteinen für Gefallene. Der Besuche; tritt tiek ins Herbstlaub und kann nicht mehr trennen zwischen Siegern und Re. siegten. Er erinnert sich nur noch der Oy. ker. An diesem Totensonntag schien dis Sonne. Neue Wachstumsbedingungen schaffen Prof. Dr. Peter Glotz auf der Mitgliederversammlung der Lübecker Kaufmannschaft Vor der Kaufmannschaft sprach an- lässlich der Mitgliederversammlung Prof. Dr. Peter Glotz, zeitweilig Bundesge- schäftsführer der SPD und als Medien- wissenschaftler jetzt in Zürich ansässig, zum Thema ,.Ist unsere Sozialpolitik noch sozial?“ Glotz stellte heraus, dass die Grund- züge des gegenwärtigen Systems sich ra- dikal von der Gegenwart unterscheiden würden. „Wir haben eine alternde Gesell- schaft, in Kürze stehen acht über SO-jähri- ge drei über 20-jährigen gegenüber.“ Es gäbe keine Vollbeschäftigung. sondern den bewussten Ausschluss ganzer Bevöl- kerungsgruppen von der Erwerbsgesell- schaft, in USA seien 1/3 der Menschen schon hiervon ausgeschlossen. Die frühe- ren Wachstumsraten seien nicht mehr er- reichvar. Die Steuereinnahmen seien nicht ausreichend, um die bestehenden Institutionen zu finanzieren. Die Investi- tionsrate sei gefährlich gefallen. Die Leis- tungen an Ostdeutschland seien in etwa vergleichbar, als wenn die USA Mexiko okkupiert hätte. Die Sozialsysteme ver- fügten nicht über genügend Geld, um die Leistungen, auf die Anspruch besteht, zu bezahlen. Hieraus ergebe sich ein Über- mal an Abhängigkeit vom Staat. Ein Fünftel des Haushaltes werde bereits für Tileung und Zinsen ausgegeben, der Steuerwiderstand der Bürger werde immer größer. Ein Achtel der Bevölke- rung brächte die Steuern auf. Weitere Steuererhöhungen führten zur Kapital- flucht. Die Wachstumsperiode zwischen den Jahren 1950 und 1975 sei längst vorbei, es sei zu einem Strukturbruch ge- kommen. Die Sozialausgaben seien dop- pelt viel hoch wie die Volkswirtschaft ge- wachsen. Man müsse eine neue Prosperitäts- konstellation schaffen. Besitzstände ab- zuschmelzen, sei sehr schwierig, man müsse jedoch die Menschen neu motivie- ren, um neue Wachstumsbedingungen herzustellen. Die Eliten müssten an einen Tisch und Antwort darauf finden, welche Bildungspolitik wir brauchten. Man müs- se die Aufteilung der Gesellschaft in 1/3 in Armut und Kriminalität und 2/3 in nor- maler Gesellschaft, wie in den USA ein- getreten, in Deutschland vermeiden. Die- ses müsse in der EU erfolgen. Man müsse sich auf den enormen Energiebedark Asi- ens einstellen und in engem Kontakt zu den europäischen Partnern eine solide Grundsicherung gewährleisten, in der Kinder wieder mehr Gewicht hiätten. 40 % der akademisch ausgebildeten Fray- en blieben kinderlos. Es müssten auf je. den Fall Kinderbetreuungsmöglichkeiten erweitert werden. Angesprochen aut die Föderalismus- debatte erklärte Glotz: „Man kann einen Staat nicht mit einem Vermittlungsays- schuss regieren.“ Die bisherige Struktur der Bundesrepublik sei ineffizient, die Föderalismuskommission müsse Abhilfe schaffen. Zuvor hatte Präses Lutz Kleinfeld die Rolle der Kaufmannschaft als Ratgeber für die Politik hervorgehoben, sie sei in 03. Auk Genin r quk der Wlensch | Has ' strand schen b 05. ZW werden festgen Für Lübeck ßauarb die St Angeli] Die Verkau Friede‘ Das geschlc ner auk Die trägt ir zum Vc vielen Ausschüssen vertreten. Ziel müsse es sein, den Standort Lübeck, der große Potenziale habe, zu stärken. Die Kauf- mannschaft arbeite seit Jahren an einem Konzept für ein Stadtmarketing und er- warte gemeinsame Aktionen mit den poli- tisch Verantwortlichen. hjw Beilagenhinweis: Dieser Ausgabe ist eine Vollbeilage der St. Marien/Prof. Ernst-Erich Stender, Lübeck, beigelegt. Wir bitten um freundliche Beachtung! 318 Lübeckische Blätter 2004/19 Die Nord 1 fen. D Master renz“ 3 10. 1.7 City-L schaue Di rers §Fpren, digung s Lübecki:
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