Full text: Lübeckische Blätter. 2004 (169)

S 2 j? F f 2 Z: F iserne ſesfrist Millio- sailles ler Le- en vor Ilungs- Iksge- senden lonial- ; ange- t r 2004/11 | jegen sein, die Jugend für den kolonialen gedanken zu gewinnen und hat hierbei | lets wachsende Erfolge zu verzeichnen. auch bei den politischen Parteien ist das oloniale Interesse in letzter Zeit erheb- [ jich im Wachsen begriffen. Dies im Zu- jzammenhang mit der Tatsache, dass das jeutsche Volk schon einmal in der Zeit des großen südcwestafrikanischen Auf- ;tandes in leidenschaftlicher Erregung für die koloniale Sache versetzt wurde, was hei den Reichstagswahlen des Jahres 1907 zu einem Siege der Freunde der Ko- ] Jjonialpolitik und zur Errichtung des Reichskolonialamts genau vor 25 Jahren führte, berechtigt uns zu der Hotfnung, dass auch jetzt die noch Zaudernden von Jer anschwellenden kolonialen Welle mit fortgerissen werden, auf das wieder deutsch werde, was deutsch war.“ General von Lettow-Vorbeck betrat in der Uniform der Kaiserlichen Schutztrup- | 4 e das Rednerpult. Markig sprach er die Rede an die Gefallenen: „Kolonialer Wille, koloniale Pietät und das Können eines Meisters haben dieses Denkmal geschaffen. Es erzählt von kolonialer Arbeit, von Erfolgen und Opfern. Im Geiste sehen wir kühne Män- ner über die Meere ziehen, um Neuland zu gewinnen. Auf den Inseln des Ozeans im kernen Ostasien, Togo, in Kamerun hissten sie die deutschen Farben. Karg waren Anerkennung und Lob. Aber die da drüben liegen, die alten Ge- nossen so vieler Lagerfeuer und Gefech- ie. die verlangten auch nicht nach tönen- | den Worten. Aber sie hatten starke, glü- hende Herzen. Und solche suchten nicht das Wort, sie suchten die Tat. Dankbarkeit tt und Pietät wollen ihnen eine Stätte schaf. H fen auch in unserem Denkmal. In seiner Krypta sollen verzeichnet sein, die ihr Le- ben ließen für Deutschlands Kolonien. Für das Vaterland arbeiten, für das Vater- land kämpfen, das war ihnen Erfüllung und Lohn. Die Taten unserer Toten wir- en fort. Sie drängen zu neuem Leben, sie rufen und werben zur Nacheiferung. So leben in ihren Taten die Gefallenen wei- ter, so wie sie im Leben neben uns mar- schierten und ritten die vielen endlosen Märsche im gleichen Schritt und Tritte, Kameraden, wie wir sie besser nicht ge- funden haben.“ Das Lied vom guten Kameraden er- tönte. Die Ehrenkompanie präsentierte, die Fahnen senkten sich, ein Augenblick stillen Gedenkens für die gefallenen deut- schen Helden. Aber dann: Und nun den Blick vorwärts! General von Lettow-Vor- beck hielt die Rede auf das Vaterland: „Auch die Gefallenen blickten nach vorn, in die Zukunkt. Sie wussten. dass die Heimat Kolonien braucht. Ein großes Volk muss Kolonien haben, um leben zu können. Wichtiger als die Frage, wo die Kolonien liegen, ist es, überhaupt Koloni- en zu haben. Ein großes Volk treibt Kolo- nialpolitik nicht nur, um Kultur zu ver- breiten, ein großes Volk treibt Kolonial- Politik in erster Linie seiner selbst willen. Kolonien sind der Ausdruck der Kraft ei- ner Nation, und die deutsche Volkskraft musste stets kolonisieren, solange wir von ihrer Tätigkeit wissen. Ostelbien, fast alle europäischen Staaten, Nordamerika, Süd- afrika, Australien, sie alle sind aufgebaut E cm- DEN OPFERN DES KOLONIAL Transparent am Kolonial-Ehrenmal vom 13.10.1987 von Kolonisatoren, deren Stammbäume zurückreichen in die alten Gaue zwischen Rhein und Ostsee. Wie ein Volk Kraft braucht zum Kolonisieren, so braucht es auch Macht, um Kolonien zu halten. Nur dem starken Volke sind Kolonien ein Se- gen; ein schwaches ist von der Gnade Müächtigerer abhängig, sein Kolonialbe- sitz ist in steter Gefahr. Auch Deutschland hat seinen Kolonialbesitz in glücklichen Zeiten der Macht erworben. Als die Hei- mat vergaß, dass das Wesen einer Nation die Macht ist. ging sie auch ihrer Koloni- en verlustig. Es sind Illusionen. wenn wir glauben, Kolonien wieder zu erlangen ohne das Fundament der Macht, mag der Rechtsanspruch noch so wohl begründet sein. Und so liegt der erste Schritt zum Die Geschichte eines Elefanten Wiedererwerb von Kolonien nicht drüben irgendwo jenseits der Meere, er muss LE- tan werden zu Hause, in der Heimat. Hier gilt es. Macht zu schaffen. Und Macht entsteht durch Zusammenfassung der Kraft. Möchte diese gerade bei uns Deut- schen so schwere Aufgabe endlich gelin- gen, so wie wir dies in der Vergangenheit bei einer weisen Staatsführung erlebt ha- ben. Möchte es gelingen, die Größe des Vaterlandes zu bauen.“ Das Denkmal überstand den Unter- gang des Dritten Reiches. wurde auch von der amerikanischen Militärregierung nicht in Frage gestellt und stand bis Mitte der achtziger Jahre mehr oder weniger beachtet an seinem Platz in der Grünanla- ge an der Gustav-Deetjen-Allee. Im März 1984 stellte das „Bremer In- kormationszentrum für Menschenrechte und Entwicklung“ (biz) diesen Zeugen der Vergangenheit in den Mittelpunkt neuer Überlegungen. „Kolonial - denk mal“ hieß das Programm und mit dieser Schreibweise sollten Denkanstöße für | eine kritische Rückbesinnung auf die ge- schichtlichen Zusammenhänge und aktu- ellen Probleme in der Dritten Welt gege- ' ben werden. „Architektur- und stadtgeschichtlich zählt der Elefant zu den schützenswerten Kulturgütern Bremens“ stellte das „Lan- desamt für Denkmalpflege“ nach 55-jäh- rigen Bestehen des Monumentes 1987 kest und deutete an, dass die Restaurati- onsarbeiten möglicherweise noch im glei- chen Jahr begonnen werden könnten. weil durch Bürgerengagement inzwischen 100.000 Mark zusammengekommen wa- ren. Die Arbeiten sollten sich vor allem auf die Sanierung des tragenden Eisenge- rüstes. das sehr viel Rost angesetzt hatte. und auf die Erneuerung der Fugen. die sehr stark ausgefurcht waren, konzentrie- ren. Fahnen der afrikanischen Freiheitsbe- wegungen SWAPO und ANC sowie ein Transparent mit der Aufschrift „Anti-Ko- lonial-denk-mal - gewidmet den Opfern des Kolonialimmusr. - schmückten daraufhin am 13.10.1987 das Monument. denn die Anti-Apartheit-Bewegung woll- te es zu einem Mahnmal gegen den Kolo- nialismus machen. Ihr Sprecher sagte dazu: „Wir sind für den Erhalt des Denk- mals. aber wir wollen nicht seine unpoli- tische Restaurierung.“ Nach ihren Vorstellungen sollte es zu einer Gedenkstätte für die meist schwar- Lübeckische Blätter 2004/11 171
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