Full text: Lübeckische Blätter. 2003 (168)

tur-) Nobelpreisträger von sich reden ma- chen, sondern auch ausübende Künstler in unserer Stadt „tonangebend“ sein kön- nen. Da das Programm mit Mozart und Strauss Originalwerke bot. die aufgrund ihrer aufwendigen Besetzung selten zu hören sind, erschien ein Hörvergnügen vorprogrammiert. Im Programmheft war angegeben, dass sich die Gruppe beson- ders auch für zeitgenössische Musik en- gagiert. Das Spiel einer solchen hätte den Abend bereichern können. Bei der einleitenden Serenade OP:: 7 von Richard Strauss für 13 Bläser sonnte man sich unter Sabine Meyers Leitung in auffallend homogenem Zusammenklang, der sich von liedhaftem Gesang zu orgel- ähnlichem Brausen steigerte. Dafür er- schien Einspielen nicht nötig zu sein: die bei Bläsern gefürchtet diffizile Intonation | gelang auf Anhieb penibel sauber. Mozarts „Nacht-Musique“ zu 8 Blä- sern wurde von Rainer Wehle angeführt. Er sorgte für kammermusikalisch dyna- misches Flair. Der Komponist hätte seine Freude an einer derart geschliffenen Wie- | dergabe gehabt, die zu seiner Zeit (1782) mit seinen Musikern und altmodischer In- strumentenbauart wohl kaum spielbar LE- Wesen wäre. Im Gegensatz zum Strauss’'schen Ju- gendwerk versprühte dessen „Fröhliche , Werkstatt“ von 1945 muntere Motive, | Themen und Kombinationen. die den Mitwirkenden dezente Chance zum Aus- spielen ihrer künstlerischen Fertigkeiten | gab. Dadurch, dass diese sich ihr ur- | sprüngliches Vergnügen am Selber- und | Miteinandermusizieren erhalten haben. wirkte das Ergebnis erfrischend und anre- | gend. Es erfüllte höchste Ansprüche und wird in der Erinnerung der Zuhörer noch lange nachklingen. Hans Mlillies Albert-Schweitzer- Bläserquintett Lübecks Musik-Veranstalter scheinen ihre Vorliebe für Konzerte mit Bläsern entdeckt zu haben: nachdem Sabine Mey- er ihr gemischtes Ensemble mit 16 Holz- und Blechbläsern in der Musik- und Kon- gresshalle vorgestellt hatte, folgte ein Auftritt des Blechbläser-Ensembles der Musikhochschule unter Ehrhard Wetz. Da wollte Lübecks Verein der Musikfreunde bei seinen Kammermusikkonzerten nicht zurückstenen und bot im Kolosseum ei- nen Abend mit dem Albert Schweitzer- Bläserquintett an. Auch hier war eine Lehrkraft unserer Hochschule - die Flö- tistin Angela Firkins - führend beteiligt. Aus Erfahrung war vorherzusehen. dass das Lübecker Publikum derartiger Massierung dieser Besetzungen mit LE- Wwisser Zurückhaltung begegnen würde. Doch war bei allen drei Darbietungen zu erwarten, dass vorzügliche Leistungen geboten würden. Das Schweitzer-Quin- tett wartete mit einem besonders reichhal- tigen Programm auf, das allen Mitwirken- den von Flöte über Englischhorn bis Fa- gott die Chance persönlicher Profilierung ermöglichte. Davon konnte man allerdings zu An- fang bei Mozarts Divertimento Es-Dur kaum Gebrauch machen. Das kleine Werk bot mit bescheidener Harmoniemusik w E- nige Möglichkeiten, braves. aber etw. as vordergründiges Zusammenspiel hob sich nicht sehr weit ab vom Kammermu- sizieren begabter Laien. Ganz andere Qualitäten zeigte man dagegen bei Carl Nielsens Quintett A- Dur. Die musikalische Substanz der Komposition wurde gewandt dargestellt und führte zu teilweise amüsanten Klang- bildern, an denen Horn und Fagott we- sentlichen Anteil hatten. Aber auch die übrigen Spieler beherrschten technisch und tonlich die Szene. Mit György Ligetis 10 Bläserstücken bot die Gruppe das. was man bei S. Mey- ers Ensemble vermisst hatte: Zzeitgenössi- sche Musik. Trotz düsterer Cluster. wie verwirrt wirkender Ausbrüche und aller- lei ungewohnt instrumentaler Klangbil- dungen faszinierte die Wiedergabe der skurrilen Mini-Bruchstücke. Sie stellten hohe Ansprüche an Spieler (und Hörer). Dissonanzen klangen aufgrund tadelloser Intonation erträglich. Die Gesangsszene von Anton Reichas Andante führte zurück in zahme Gefilde. die mit einer fantasievollen Bläser-Bear- beitung von Ravels Klavier-Suite ..Le Tombeau de Couperin“ ihren virtuosen Höhepunkt erreichte. Hans Mlillies Faust-Quartett als Gast der „camerata lübeck“ Ursprünglich war das „„Amati“-Quar- tett für dieses Konzert am 5. Dezember vorgesehen, um mit Mitgliedern der ..ca- merata lübeck“ im Kolosseum Mendels- sohn Bartholdys beliebtes Streichoktett aufzuführen. Da es aber absagen musste., fand man in dem jungen ,„„Faust-Quartett“ aus Weimar eine Gruppe. die keinesfalls Ersatz war. Das war gleich bei den be- sinnlich und klangschön gestalteten auf- strebenden Anfangstakten, dem „Sonnen- aufgang“, zu Haydns viertem aus der dem Grafen Erdödy gewidmeten Werkgruppe opus 76 zu hören. Auf dem Podium saßen zwar noch sehr junge Musiker. Uta Kune- rt und Cordula Frick. Violine. der Brat- scher Andreas Willwohl und die Cellistin Birgit Böhme. aber ihr Spiel. seit 1996 musizieren sie zusammen. zeigte alle At- tribute souveräner Gestaltung und Tech- nik. Haydns Werkgruppe 76 enthält Ge- bilde eines sehr reifen Stils. Bewunderns- wert. wie die mit großen Stimmungsum- schwüngen schon fast romantische Welt des ersten Satzes. die filigranen melodi- schen Bildungen des Adagios., der heiter- besinnliche Charakter des Menuetts und dann das stürmisch sich steigernde Finale strukturiert wurden. An seinem c-Moll-Streichquartett OP. S1/1. seinem ersten, hat Johannes Brahms lange gefeilt. In großen Bögen spannt sich der Satz. dessen erregende Stim- mung den Streichern sehr lag. Ihr Tempe- rament. ihr Klangsinn mit großer dynami- scher Breite. ihre durchdachten Zeitmaße formten die musikalischen Abläufe über- legen, so wie auch die ruhige, rhythmisch anspruchsvolle Romanze klanglich her- vorragend gearbeitet war. Im unruhigen Allegretto offenbarte sich besonders die Qualität des Miteinanders im bruchlosen Übergang der Instrumente. der das Quar- tett zu einem vollkommenen Einen wer- den ließ. Im rasanten, drängenden Finale schließlich steigerte sich die Spielfreude überbordend. r M? Haare machen Leute * Haarteile. Perücken, Toupets * Micropoint + Haarweaving * Haarauffüller + rverlängerung * Krankenhaus- + Hausbesuche * Lieferant aller Kassen Haarhaus Sominka [ Schmiedestraße 17 - 23552 tz. 0451/79 1090 Lübeckische Blätter 2003/21 357
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