Full text: Lübeckische Blätter. 2003 (168)

LITERATUR . THEATER . MUSIK . AUSSTELLUNGEN . VERANSTALTUNGEN E G S , Theater „Der Wolf kommt‘ - Oper im Großen Haus Wenn man jeden Abend aut mehreren TV-Kanälen Kriminalstücke mit Geisel- nahme, Mord und Schießerei vorgesetzt bekommt, gehört Mut dazu, ein ähnliches Thema (..Der Woltk kommt’) auk die Büh- ne - dazu noch als Oper! - zu bringen. Der Schwede Hans Gefkors besitzt den Mut, und das Theater Lübeck scheut sich nicht, übermäßig moderner Musik bei pa- ckender Regie gerecht zu werden. Während im Hintergrund spätroman- tischer Verschnitt eines frühen A. Schön- berg oder A. Berg gemalt wird, erinnern im Vordergrund Klangflächen und Clus- ter an I. Strawinsky oder einen zeitnahen C. Orff. Da aber Atonalität fast ganz aus- geklammert bleibt und der Komponist Wert auf Klangfarbenfülle legt, wird die Orchesterbesetzung hoch gefordert. Den- noch entsteht mehr ein Melodram als eine Oper. Die Handlung erweist sich aus bun- desdeutscher oder europäischer Realität gesehen als spannend und durch ge- schickte Inszenierung, trotz kargen Büh- nenbilds. sehr aktueller Video-Clips wirksam, ohne durch Trivialität ins Kla- mottenhakte eines durchschnittlichen Kri- mis abzugleiten. Dabei helken kluge Ge- dankenverbindungen einer Täter-Opter- Beziehung, Reaktion der Staatsgewalt und Öffentlichkeit in durchdacht psycho- logischer Motivation. Es werden traumatische Seelenängste wach. Hysterie pendelt zwischen Lynch- justiz und gewollter Manipulation. Seeli- sche Traumatik wird freigelegt. Alle diese Gefühlswelten finden plausible, aber er- schreckende Ausdeutung durch die Solis- ten Thorsten Scharnke (Lyckos). Franzis- ka Hinzel (Lollo), Gerald Quinn, Greg Ryerson, aber auch Angelica Nick in letz- ter Premieren-Rolle, dazu die bedrängen- de Macht des von Joseph Feigl einstudier- ten großen Chores. Gegenüber den Erwachsenen nimmt das einzige Kindergartenkind (Lydia Essl) durch seine Natürlichkeit gefangen. Die beängstigende Situation auk der Büh- ne wird durch üppige Statisterie ergänzt, die die Abhängigkeit von Staat und Medi- en deutlich werden lässt. Die Kluft zwi- schen den Kindern im Schutz des Hortes und der kriminellen Energie eines Einzel- nen wird besonders plastisch durch die karbige Partitur, die von Lübecks Philhar- monikern unter sensibler Leitung von Frank Maximilian Hube sorgfältig inter- pretiert wird. Das Sujet mag nicht jedermanns Sa- che sein. Es wirkt teilweise erschreckend zeitnah und bösartig. Ob es dem Interesse an Lübecker Opernproduktionen nützt, mag dahingestellt bleiben, (das Theater war halb gefüllt). Zweifellos erweitert ein derartiges Experiment dankenswert die kulturelle Palette städtischen Kulturle- bens. Erscheint der Gedanke absurd, die schwedische Oper mit dem Medium Nor- discher Filmtage zu koppeln? Skandina- vische Produktionen in Literatur, Musik und Bildender Kunst haben in den zwan- ziger Jahren immer schon Lübecks Kul- turleben durch „Nordische Tage“ berei- chert. Man sollte sich solchen Visionen nicht verschließen. Hans Mlillies Musik Philharmoniker begleiteten preisgekrönte Dirigenten Als eine dankenswerte und keineswegs selbstverständliche Initiative darf es angesehen werden, dass zum ers- ten Mal der Hochschulwettbewerb im Fach Dirigieren an der Musikhochschule Lübeck stattfand. Es wurden immerhin 30 Dirigenten bundesdeutscher Musikhoch- schulen nach internen Auswahlverfahren gemeldet, die ihre individuellen Qualitä- ten anhand der geforderten Pflichtstücke, sowie frei gewählter Werke mit dem Hochschulorchester zeigten. Im Preisträ- gerkonzert am 18.5.03 stellten sich die 3 Preisträger im gutbesetzten Großen Saal der Musikhochschule Lübeck als Diri- genten des Lübecker Philharmonischen Orchesters mit jeweils einem symphoni- schen Werk vor. Zu Beginn dirigierte der 2. Preisträger Alejo Pérez von der Staatli- chen Hochschule für Musik, Karlsruhe die Sinfonie G-Dur, Hob. 1:88 von IJ. Haydn. Keineswegs durkte man ein so „typisch klassisches“ Werk für einfach zu dirigierende Musik halten, denn es be- durfte schon der reichlich vorhandenen Ausdrucksmittel des ohne Dirigierstab ar- beitenden jungen Argentiniers, um diese Musik zum Klingen zu bringen und im Fluss zu halten. Nach anfänglich leichter Tendenz zum Ellen, stellte sich durch die sensible und deutliche Körpersprache des Dirigenten und sein klares Anzeigen vie- ler Einsätze eine große Natürlichkeit ein und führte zum glanzvollen Schluss. Bej der Begleitung des Violinkonzertes Nr. |. g-Moll von M. Bruch zeigte der 3. Preis- träger Cornelius Meister von der Hoch- schule für Musik und Theater, Hannover, seine klangmalerischen Intentionen und hatte mit der Solistin Simone Zgraggen. selbst 1. Preisträgerin des Hochschul- wettbewerbs 2002. eine sicher und ton- schön gestaltende Partnerin. Das ausge- sprochen bewusste Zusammenspiel zwi- schen der Solistin und dem Dirigenten bildete die Grundlage für die Lübecker Philharmoniker, um den geforderten ro- mantischen Klang zu entwickeln. In der zweiten Konzerthälfte bewies dann der I. Preisträger Heer-Chuhn Choi, Hochschule für Musik Hans Eisler, mit dem Konzert für Orchester von B. Bartök seine Extraklasse. Er war sich seiner Dif- kerenzierungstähigkeit, der Auswahl sei- ner Mittel, seiner körperlichen Organik und seinen musikalischen Zielvorstellun- gen so selbstverständlich sicher, dass die Lübecker Philharmoniker ihm nicht nur gern folgten, sondern zu besonderer Form aufliefen. Das, was jetzt an künstleri- schem Freiraum entstand. forderte die Musiker heraus und wurde in den vielen Soli der Bläser wundervoll gestaltet. Ins- gesamt eine sehr gelungene Interpretati- on, die nicht nur mit 4.000 Euro, sondern auch mit mehreren Anschlussengage- ments für den jungen Koreaner ausge- zeichnet wurde. Olat Silberbach Tangos nun auch im Kammermusik-Zyklus Lübeck hat offensichtlich sein Herz für den Tango entdeckt; ob allerdings immer am rechten Ort. mag dahingestellt bleiben. wie z. B. bei musikalischer Um- rahmung einer Th.-Mann-Preisverlei- hung im ehrwürdigen Scharbau-Saal. Auch Willy Brandt wurde zum 10. Todes- tag im Stadttheater mit Tango geehrt, und beim letzten Schleswig-Holstein Musik- Festival durften Tangos nicht fehlen, wie bei den Nordischen Filmtagen, wo 1I0 Blechbläser Tangoherzen höher schlagen lielen. Das Jourist-Ensemble gab beim „Meisterkonzert“ des Vereins der Musik- freunde in der MuK deftigen Vorge- schmack. Da konnte das sonst eher kon- servative Unternehmen diesem Sog nicht widerstenen und nahm ..Contrapunctan- go‘ in seinen Kammermusik-Zyklus auk. 186 Lübeckische Blätter 2003/12 hove schu gegr Jaqu Mit Felsc her | einel se Ei sik / punk SOPr „Kul qual. be (! weit los k. dara nelle spiel Nacl sche Tang rame Dem beso Cell Taus fast zu k bahr hauc bei k zur ] brac mit | tend Abo weis der I sene dern Doc kum bege Vir im mer ein : posi vor. deut Han ren teils Lübec
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.