Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

Faszination Schnitger-Orgel Laufe der letzten Jahrzehnte unterschied- lich behandelt worden - immer wurde da- bei aber der Einzelfall entschieden und keine generelle Haltung entwickelt. Wäh- rend „Nachbau“ im fachlichen Verständ- nis der Denkmalpflege ein Neubau nach einem historischen Vorbild ist, der aller- dings, weil nur ungenau überliefert, le- diglich in den wesentlichen Grundformen des Objekts realisiert werden kann, be- deutet „Rekonstruktion“ die Wiederher- stellung eines ursprünglichen oder zu- mindestens früheren Zustandes eines tat- sächlich zerstörten oder anderweitig ver- loren gegangenen Denkmals, gestützt aut der Basis vollständiger, genauer Doku- mentation des Originals, Mutma- Bungen weitestgehend ausschlie- Bend. („Kopie‘“ meint dagegen die Herstellung eines neuen, intakten Objektes als Ersatz für das noch er- haltene, aber hinfällige, beschädig- te oder an seinem ursprünglichen Standort nicht mehr zu bewahrende Original.) 1991 wurde in Potsdam in einer Erklirung der Vereinigung der Landesdenkmalpktleger in der Bun- desrepublik Deutschland Folgen- des festgelegt: „Die überlieferte materielle Gestalt ist als Ge- schichtszeuenis unwiederholbar wie die Geschichte selbst“. Weiter heißt es: „Denkmalpfleger sind einzig den nicht reproduzierbaren Geschichtszeugnissen verpflichtet und haben zu warnen, wenn dee Möglichkeit der Erinnerung im öf- , fentlichen Raum aufkgehoben zu werden droht.“ Das also und nicht anderes ist auch bei der zur Zeit im Dom an- stehenden Diskussion die Aufgabe des Bereichs Denkmalptlege der Hanse- stadt Lübeck. Unter Berücksichtisung dieser Grundsätze lehnt die städtische Denkmal- pflege Lübeck die Rekonstruktion des verloren gegangenen Originals der Arp- Schnitger-Orgel ab. Lediglich Teilrekon- struktionen oder Wiederherstellung unter Verwendung wesentlicher Originalteile wären eventuell sinnvoll - das aber auch nur, wenn sie dem Erkennen, Verstenen und Vervoll- ständigen des gesamten Kulturdenkmals Lübecker Dom dienlich wären. Dies trifft für das hier in Rede stehende Projekt nicht zu. Aus Sicht der städtischen Denk- malpklege reichen weder die vorhandenen substanziell erhaltenen Elemente und Un- terlagen über die historische Orgel aus, denkmalpflegerisch . um den Nachbau einwandfrei realisieren zu können, noch ist im Lübecker Dom die heutige räumliche Situation geeignet, mit Hilfe einer Rekonstruktion der Orgel den Raumeindruck stimmig werden zu lassen. Durch die zerstörenden Einwirkungen des Zweiten Weltkrieges ist ein großer substanzieller Verlust sowohl der Archi- tektur als auch der vielfältigen, aus unter- schiedlichen Jahrhunderten stammenden Ausstattung entstanden. Der Bereich Denkmalpflege wertet die Nachkriegsge- staltung des Dom-Innenraumes - eine moderne, zeitgemäße Planung der Archi- tekten Grundmann und Sandtmann - als einen wichtigen erhaltens- und schützens- Ende der SOer Jahre wurde mit dem Wiederaufbau des Doms begonnen werten Teil der Baugeschichte des Lübe- cker Domes. Diese Kirche ist ein in ver- schiedenen Epochen „gewachsenes“ Denkmal, dem jede Generation neue Kunst oder Architektur ihrer Zeit hinzu- gefügt hat. Was aber fügt die derzeit le- bende Generation diesem Gebäude hinzu, wenn sie mit dem Nachbau eines so pro- minenten Objektes wie der Arp-Schnit- ger-Orgel das Rad der Geschichte quasi zurückdreht? Unbestritten ist aus Sicht der Vertreter städtischer Denkmalpflege der wissen- schaftliche Erkenntnisgewinn für Musi- ker und Orgelfachleute, der durch das Or- gelkorschungsprojekt in Göteborg erzielt wurde. Der musikalische Erfolg ist von unserer fachlichen Warte aus gar nicht einzuschätzen. Für die instrumentelle oder besser materielle Seite allerdings muss aus denkmalptlegerischer Sicht ge. sagt werden, dass sich aus dem musikalj. schen, bzw. musikhistorischen Erfolg des Orgel-Forschungsprojekts nicht dier Schluss ziehen lässt, dass die historische Orgel des Lübecker Doms wiederherge-. stellt werden könnte. Der Neubau einer Orgel in den Formen der originalen, his- torischen Orgel ist in jedem Fall ein Han- deln der Gegenwart. Er negiert die lange Zeitspanne zwischen dem Original von 1699 und dem Jahr 2002. Das Wesen der musikalischen Geschichtsbewahrung und das Wesen der denkmalpkflegerischen Ge- schichtsbewahrung sind - mindestens an diesem Punkt - in ihren Zielen konträr. Während Musik perma- nent durch Wiederholung von Auf- führungen wiederersteht, ist Denk- malsubstanz nicht ersetzbar, nicht reproduzierbar. In der Charta von Venedig verpflichtet sich die Denk- malpklege, „Denkmäler im ganzen Reichtum ihrer Authentizität wei- terzugeben“ an nachfolgende Ge- nerationen. In den vielen seit etwa einem Jahr geführten Gesprächen zwi- schen den Vertretern der Kirche, der Musikhochschule und dier Denkmalptlege sind die vielschich- tigen Aspekte dieses schwierigen Problems ausführlich erörtert wor- den. Durch eine gemeinsame Reise nach Göteborg, durch gemeinsame und einzelne Gespräche, Telefona- te, Informationsaustausch und zu- letzt durch ein gut organisiertes, er- folgreiches Symposion ist das Ver- ständnis für die Sichtweise des je- weils anderen auf allen Seiten enorm gewachsen. Die Auseinan- dersetzung mit der Fachmeinung der Ge- sprächspartner erfolgte immer respekt- voll und auf gutem Niveau. Der Versuch, eine für alle Seiten akzeptable Lösung zu finden, ist noch nicht abgeschlossen. Die städtische Denkmalpflege sucht - unter Einbeziehung des neu hinzugewonnenen Verständnisses - nach Lösungswegen in ihren eigenen Reihen, ebenso wie es wohl auch die anderen Verhandlungspartner tun. Aus Sicht der Denkmalpfleger kann eine Lösung nur in einer zeitgemäßen Weiterentwicklung der Raumsituation unter Berücksichtigung der vorhandenen Konzeption der 1960er Jahre bestehen. Es bleibt zu hoffen und zu wünschen, dass ein für alle Beteiligten guter Ausgang die- ser hochinteressanten intellektuellen Her- ausforderung gefunden wird. Lt Wag Rückb Auke Jahr 200 und Kor schäktsfkü Vorsitzer mas Gal wurde di: Erökknun Deckung sten Zus Vorgabe Mit e DM (die in der al fast den wechsel 1999 (10 zeitig Se dem Jahr lionen I Zinsen L aus dem DM unti MukK in: Aufwenc gleich Z1 dies eine Knapp € en 2001 anderen 348 Tag: „etwas I zu 95.Pr ren es : zwei an Die Mu. 66 Lübeckische Blätter 2002/5 Lübeckisct
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