Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

rstand wo bei ’rojelt r Frej. tausch Mn der chied- Ich ej. auch SPäter imper mmen, OArträge nregen s Tref. en. Mir zer Of- verle: m.. er 200211 Zwischen Orthodoxie und Pietismus Von alten Gesangbüchern Lübecker Gesangbuchpolitik um 1700 und ein wieder entdecktes Gesangbuch von Dr. Ada Kadelbach Politik und Gesangbuch - passt das | zusammen? Vor 300 Jahren uneinge- schränkt ja! Denn zur Zeit von Arp g9ehnitger und Dietrich Buxtehude und noch 200 Jahre darüber hinaus bildeten . Staat und Kirche in der freien Reichsstadt Lübeck eine verfkassungsmäßige Einheit. Und so wurden auch die Gesangbücher im Auftrage des Rates der Stadt von dem sOL. geistlichen Ministerium, also dem Pastorenkonvent, herausgegeben. Noch in der letzten Auflage des letzten eigen- | ständigen lübeckischen Gesangbuchs heilt es auf dem Titelblatt: „aut Verord- . nung des Hohen Senates bearbeitet von . dem geistlichen Ministerium. Lübeck 1905“.. Nicht selten stand der Bürgermeister persönlich der weltlichen Kommission vor, die mit den Vertretern der Geistlich- keit um ein Gesangbuch rang, das den Er- kordernissen der Zeit und den Bedürfnis- sen der Bürger weitestgehend entspre- chen sollte. Keineswegs war man sich im- . mer einig. Die Vertreter der Bürgerschaft waren meistens liberaler und progressiver als der Superintendent und sein Konvent. Es wurde heftigst gestritten, nicht nur zwischen Rat und Ministerium, sondern auch unter den Pastoren und Bürgern. Es bildeten sich regelrechte Fraktionen de- rer, die das alte Gesangbuch am liebsten beibehalten hätten, und derer, die ein möglichst modernes mit möglichst vielen neuen Liedern einführen wollten. Daran hat sich im Prinzip bis heute nichts geän- dert. Nur spielt sich diese Auseinander- setzung heute innerkirchlich ab. in den Gesangbuchausschüssen der Kifchenlei- tungen und in der Synode. allenfalls noch in einigen Kirchengemeinden, die das Gesangbuch erproben. Überträgt man die Situation um 1700 auf unsere Zeit, ergäbe sich unter den da- maligen Vorzeichen etwa folgendes Sze- nario: Aus Angst vor erwecklichen, cha- rismatischen oder gar esoterischen Ein- flüssen ersucht der Kirchenkreis Lübeck den Bürgermeister der Hansestadt Lü- beck um ein neues amtliches, von der Bürgerschaft autorisiertes Gesangbuch. Die Bürgerschaft setzt zunächst eine Kommission ein, um Richtlinien zu erar- beiten. Den Vorsitz in diesem Gremium führt der Bürgermeister. Das Ergebnis wird dem Propst des Kirchenkreises über- geben mit der Maßgabe. im Sinne der von der Politik aufgestellten Grundsätze eine Liedauswahl zu treffen und diese in eine angemessene Ordnung zu bringen. Unter dem Vorsitz des Propstes wird nun ein Entwurt erarbeitet, der jedoch vom Bür- germeister zurückgewiesen wird., weil er zu wenig zeitgenössische Lieder enthalte. Zusammen mit den Vertretern der Bürger- schaftsfraktionen schlägt er nun selber weitere Lieder vor, deren dogmatische Korrektheit er jedoch den Propst zu prü- Lübeckiſches Geſang-Buch, nebſt Anfügung eines Gebet-Bucls, auf Verordnung V. Gochedlen Hochw. Raths von einem Ehrwürdigen MINISTERIO g un g Lübeck, Bey F. Schmidt und P. Böckmann. 1 7 5 6. Titelblatt Lübeck 1756 [1703] Lübeckische Blätter 2002/4 49
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