Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

Spielzeug im alten Lübeck Katrin aus der Zeit um 1300, gefunden in einer Kloake in der Breiten Straße „Nu was er in der sterke, daz er wol wäâfen trouc...“ Ja, nun war er stark genug, Waffen zu tragen, unser Held Siegfried im Nibelun- genlied. Das bedeutete, dass er das Er- wachsenenalter erreicht hatte, damals ca. mit 12 Jahren. Doch bestimmt hatte sich Siegfried, genauso wie die Jungen in den mittelalterlichen Städten wie Lübeck, schon vorher mit Spielzeugwaffen auf den Ernst des Lebens eingestellt. Ritter übten auf die Kinder in der damaligen Zeit eine ungeheure Faszination aus, und diese setzten sie im Spiel um. Im Freien wurden die Ritterspiele mit der Windrädchenlanze ausgeführt. Diese besteht aus einem Stecken, an dessen Ende sich ein Windrad dreht, so dass sich keiner der kleinen Kontrahenten verlet- zen kann. Von diesen Windrädchenlanzen gibt es fast SO zeitgenössische Darstellun- gen, gefunden wurde aber bis jetzt keine einzige dieser Lanzen, auch in Lübeck nicht, wo die Erhaltungsbedingungen für organische Materialien außerordentlich gut sind. Erstaunlicherweise bildet Pieter Bruegel auf seinem Gemälde „Kinder- - spiele“ auch Mädchen mit Windrädchen- lanzen ab,. dieses Spiel war also nicht nur den Jungen vorbehalten. Zum Ritterspie- len benötigten die Kinder aber auch wei- tere Waffen. In Lübeck wurden hölzerne Bögen und stumpte Pfeile, sogenannte Vogelpteile. gefunden. Aut einem Grund- stück in der Königstrasse wurden Teile ei- ner Kinderarmbrust geborgen. Und so Der Kopf einer Marionette aus dem I1°5. Jahrhundert ... lässt sich auch das Zitat aus der Zeit um 1500 verstehen: „Siehst du nit, wenn man den jungen Kinden Bogen macht unnd kleine Helzlach darauff für die pfeil ... und darmit schiessent sy; aber sy kunden Niemant kein schaden thun und schiessen doch, und du werest in einem haus und wärest gerne heraus und es stund ein kleynes kind vor der Tür und wölt dich schiessen und du derst nit heraus und du sprechest: ey man scheusst mich! “ „Pas ist ein spil mit tocken ...“ Die Mädchen hatten im Mittelalter wie heute ihre Puppen, Lübeck besitzt eine einzigartise Sammlung. Da ist zunächst Katrin aus der Zeit um 1300, vom Ausgräber Dr. Werner Neugebauer 1952 mit diesem Namen versehen. Wahr- scheinlich ist sie individuell für ein be- stimmtes Mädchen geschnitzt worden, die Tocken- oder Dockenmacher sind erst später belegt. Damals hießen die Puppen- macher nach dem Holzklotz. der „tocke“, aus dem sie die Püppchen herstellten. Der Begriff Puppe vom lateinischen Wort pupa/pupus für neugeborenes Kind setzte sich erst später durch. Und dabei ist unse- re nur 16 cm große Katrin ein nacktes Baby mit krummen Beinchen und einem hölzernen Lockenkranz, die Arme sind aut dem Körper nur angedeutet, dafür hat sie eine kräftige Por-Falte mitbekommen. Und so konnte sie von der kleinen Pup- penmutti, Alheidis oder Elsabe, als Wi- ckelkind geschnürt werden, nach Vorbild aller Babies zu dieser Zeit. Es gibt noch ... und hier die zugehörige Hand zur Ma- rionette. eine weitere Babypuppe mit gekrümmten Beinen und ohne Arme aus dem 15. Jahr- hundert, allerdings ist sie arg beschädigt | und hat längst nicht Katrins Charme. Bei einer anderen Puppe aus Lübeck handelt es sich um eine vollständig be- kleidete Frauenfigur, also sozusagen eine Vorläuferin der Barbiepuppe. Sie hat eine schmale Taille, eine Haube mit anhängen- dem Schleier und einen langen, doppelten Zopf, der den Rücken herunterhängt, das Kleid fällt in Falten bis zum Boden, alles in Holz geschnitzt. Wiederum andere Puppen stehen mit dünnen hölzernen Bei- nen und kurzen Röcken bzw. Wämsen auf Standfüssen. Zur Kategorie der Puppen gehören weitere archäologische Funde, die aber nicht zum Liebhaben für die Puppenmutti gedacht waren, sondern Kinder und Er- wachsene gleichermaßen erfreuen soll- ten, nämlich beim Puppenspiel auf der Bühne. So fand sich in der Alfstraße eine Stabpuppe. Kopk und Schulteransatz sind herausgearbeitet, der Rest geht in einen langen Schaft über. Dieser konnte mit der Hand umfasst werden, darüber konnte dann ein Stück Stoff gebreitet werden. Schon für das 13. Jahrhundert sind ,.spil- lute“ mit an Fäden gezogenen ,,tatterman- ne‘ belegt, die ihr Publikum begeisterten. In den schriftlichen Quellen heilt es 1464: ,... die dar spelen myt den docken unde de doren ere ghelt aflocken...“. Die Spielleute, die dem Personenkreis ange- hörten, der kein hohes Ansehen genoss, standen also zudem in dem Ruch, den To- 338 Lübeckische Blätter 2002/21 ren d: dieser Fundkt auch die F: wortl: cm hc der St kopf 1 stück so da: te aus Und | dass é rei ei welct allen koct Zl Pupp: schirr kann nicht wöhn werdtc Stipp tiert. aturkc hunck schla, teller Porze auch Jahrh Johar em is zeitlic Das d seher Lübeck
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