Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

Kabarett-Sommer in Lübeck Kleinkunst mit vielen Höhen und Tiefen Rückblick auf den Kabarett-Sommer im Theater Lübeck von Arndt Voß Kabarett, das ist jene Kunst, die ver- sucht, die unsäglichsten Sachverhalte vom banalsten Alltag bis zur hehren Ver- klärung durch Lachen zurechtzurücken. Das ist eine große Kunst, gestaltet sie doch den Widersinn,. den täglichen Wahn- sinn mit und in dem wir leben. Warum dann diese Kunst ausgerechnet .Klein- kunst“ heißt, bleibt unerfkindlich. Von ei- nigen derer, die sich diesem geistigen Zwischen-den-Stühlen-Sitzen verschrei- ben und damit sogar ihren Lebensunter- halt und nicht nur die Unterhaltung ihrer Gäste ermöglichen, soll in diesem Bericht die Rede sein. Denn es gibt eine Fülle von Strategien, den Schwebesitzakt durchzu- führen. Das Theater Lübeck zeigt schon im fünften Jahr zum Schluss der Saison eine Reihe mit diesen Versuchen. In die- sem Sommer präsentierte es vom 5. bis 14. Juli an zehn Abenden Alleinunterhal- ter oder Ensembles. Bei einem größeren Teil der Veranstaltungen brachte das ein gut gefülltes Haus. Allerdings war das un- terschiedliche Interesse keine Qualitäts- frage, schien eher zufällig. Alles hieß „Kabarett“. Aber unter dem Begriff trat so manches auf, was mit der ursprünglichen Bedeutung von ..zeit- und sozialkritischer Darbietung in schark pointierter Form“ nur mehr oder weniger zu tun hatte. Gleich der erste Abend mit dem Duo „Popschutz'' war so ein Abend, eher zum Abgewöhr- nen denn zum Neugierig-Machen auf das kritische, bissige Metier. Zwar spielte Hans Peter Reutter recht, nein: sehr or- dentlich Klavier und sang auch mit Thorsten Saleina zu musikalisch intelli- genten, teils avantgardistischen Arrange- ments. Aber beide waren Ton- und Wort- designer, hatten so viel Biederes und zugleich bemüht Künstliches, dass ihr Abend sich ziemlich längte, auch wenn sie sich selbstkritisch als „zweimal zwei- te Wahl“ einstuften und ihr Programm „Irgendwas ist immer“ nannten. Nur was? Thematisch roter Faden war die Trauer darüber, von der Welt noch nicht als Stars entdeckt zu sein - nun ja, ein, auch für das Publikum, wenig erheitern- des Thema. Besser saßen da schon die Lieder und Szenen von Hans Scheibner, der in dieser sommerlichen Kabarett-Rei- he eine Art Heimspiel hatte. Seine Auf- tritte in hintersinnig-betulicher Darstel- lungsweise bescherten wieder ein volles Haus - und ein begeistertes Publikum. Die „Sinnfrage“, wie Kabarett sein soll, umschreibt er so, dass es „lustig sein, et- was Tiefe haben, aber keinesfalls anstren- Das Düsseldorfer „Kom(m)öd-chen“ gab seine „Wahlempfehlung 2002 “ gen soll“. Das tat’s auch nicht. Dazu passt der Programmtitel: Currywurst und Ewigkeit. Und das sieht sein Publikum wohl auch so, als Lebenssinn in dieser Reihenfolge. Er vermag zu fesseln, zumal auch seine Songs stimmig sind. Im Play- back-Verfahren wird - viel zu laut - eine Art Volksmusik eingespielt, die zu sei- nem Vortrag passt. Das war vergnüglich, wie er die kleinen und großen Schwächen der Zeitgenossen, das Publikum und ein paar Politiker nicht ausgeschlossen, teils in dialogischer Form zeichnet und über- spitzt, auch sich selbst auf den Arm neh- men kann. Und schließlich wartet man voller Ungeduld auf seine Aussetzer - und. wie er sie an diesem Abend über- spielt. Wesentlicher und spritziger, auch in der Choreographie professioneller prä- sentierten sich Nicole Ankenbrand, Vol- ker Diekes und Christian Ehring vom „Kom(m)ödchen“ mit seiner „Wahlemptfehlung 2002“. Be- kannt sind sie und erwartet, weshalb auch an diesem Abend kein Platz frei blieb. Sie zeigten pPolitisches R(h)einkultur, gekonnt sprachlich, sänge- risch und schauspielerisch in Szene ge- setzt. Da stimmt die Choreographie, das Tempo und selbst die Lichtregie. Hervor- ragend die pfiffige Musik am Flügel von und mit Christian Ehring, der auch einige der Texte verfasst hat. Die Nummernkfol- ge hatte Biss, vom ersten „Wir leben in einem Lande ...“, (das die Mafia be- kämpft, aber die CDU zulässt) über die herrliche Parodie zum BSE-Skandal (das Problem ist schließlich gegessen) über „Joschka, Cerutti und geplatzte Träume“, bis zur Wahlempfehlung zum 22. Septem- ber, mit der das Publikum ,.,.fit für die Urne“ gemacht wurde. Der Montag ist eigentlich kein Thea- tertag. Verirrten sich deshalb nur wenige Besucher in die Kammerspiele? Schade, denn die beiden Freiburger Gerd Weis- mann und Frank Sauer waren ein Glanz- punkt in der Reihe. Als „Nestbeschmutzer“ „Acade bara Tr Prograi Aktuell ter, die nen Ge gleichz schwap tremer rem Pr Mikrop Kabarett in | mum a noch e dann, ' und sie auf den grund Theatel Melt ur „„A | nennt s Namen Studen | gen Dr treten sie auf und landeten mit inrem Proeo gramm „Volltreffer“ einen solchen. Sie sind wahre Wortartisten, liebenswert und geistreich, skurril und abseitig, ziehen das die elt „Pfefte vom Sc ben de Anke ( ten, an Ekkeh: vielseit gramm wohl . aber et te. Viel terhalt und Pl: blond, | tes Ge 258 Lübeckische Blätter 2002/16 Lübeckis:
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.