Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

002/15 LÜB E CKISCHE BLÄT TER Zeitschrift der Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit 12. Oktober 2002 . Heft 16 . 167. Jahrgang . Thomas Mann und die Juden oder Stigma-Management .von hoffnungslos anderer Art‘ Internationales Herbst-Kolloquium der Deutschen Thomas-Mann-Gesellschaft 2002 Ein Bericht von Antje Peters-Hirt Anerkennenswert ist es allemal, dass - soll man sagen endlich ~ Thomas Manns Verhältnis zum Judentum auf die Tagesordnung der Internationalen Thomas Mann-Gesellschaft gesetzt wurde. Tagungsort war die Landesver- tretung Schleswig-Holstein in Berlin am Postdamer Platz, ein modernes, anspruchsvolles Haus, in dem das aufge- klärte, demokratische und internationale Deutschland verkörpert ist. Wenn man so will, hat der 1875 geborene Dichter um eben diese Position gerungen. Um Repräsentant zu werden, war er bereit, Opfer an Leib und Seele zu bringen. Nicht nur Asthetik, Moral und Politik galt es künstlerisch auszubalancieren, auch er selbst wollte sich positionieren - und zwar nicht auf der Schattenseite des Lebens. Der Junge Literat war nicht weit entfernt vom Antisemitismus seiner Zeit. Antijüdische Stereotypen allerorten. Aber reine Bürgerlichkeit würde er wohl aufgrund seiner Disposition nicht ausschließlich verkörpern können; lag da die Identifikation mit dem Fremden, dem Juden- tum nicht nahe? Die Zeit der Reife wird zur Zeit der politisch so notwendigen Eindeutigkeit: gefragt ist das politische Bekenntnis. Da ist Thomas Mann bekanntlich eindeutig wie wenige. Hier spricht der Demokrat. Seine Ambivalenz, die diese Tagung un- tersuchte, ist von der politischen Ent- wicklung eingeholt worden. Es lohnt sich also genauer hinzugucken. | Fragen wusste er leider nicht recht einzu- | gehen. Am Ende stand der nicht eben ori- ginelle aber gleichwohl wichtige Vor- schlag. nur theologische Aufarbeitung schaffe wirklich Entlastung für das jü- m cdisch-christliche Verhältnis. Seine Konti- nuitätsthese bezüglich der gleichbleiben- den Diffamierung und Ausgrenzung der Juden über Jahrhunderte hinweg blieb nicht unwidersprochen. „Die Flucht in den Hass“ Ein Flop also am Anfang? Das denn So nannte Julius Schoeps, Potsdam, seinen Vortrag Vom Antijudaismus zum Antisemitismus im Untertitel. Als Histo- / Nurwss.1sy wohl doch nicht. Nicht nur freute sich das " IS interessierte Publikum über diese leichte U, .. Kost, sondern die lockere Mixtur des ers- riker zeigte er sich nicht mit den UVsancen » Lektüreseminar, ten Tages ergab auch ein anregendes des Kolloquiums vertraut. Er bot einen - Amalgam. zu dem Schoeps nicht unwe- oberflächlichen Überblick über die Ge- schichte der Juden und des Antisemitis- mus seit der Zeit der Zerstörung des Tem- pels um 70 n. Chr. TI ; Unwillkürlich musste man an Hans Er hatte die letzten 2000 Jahre ver- e ô Mayers großes Buch denken. das mutlich aus der Schublade gezogen. Auf bekanntlich Juden. Homosexuelle und sentlich beitrug. 5. bis 8. September 20090 aAuhßenseiter“ Abbildung auf der Titelseite: Der Rettung und Bewahrung architektonischer Juwelen von kunsthistorisch herausragender Art gilt das besondere Engagement der Stiftung Deutscher Denkmalschutz. Auch das Weltkulturerbe Lübeck konnte in den vergangenen Jahren von Zuwendungen aus der Stiftung profitieren. Unser Foto zeigt gotische Treppengiebel in der Mengstraße (s. S. 249) (Foto: Klaus Hartung) Lübeckische Blätter 2002/16 245
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.