Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

und 1aug Ein. nen. auf nat- nale rger Irch elle len. Zig: ine klä. der len. Lilt, 1an- thin tur- ich- on. ibe- hi- öf- in- ei- der te iet, n“ Jon be- lie- die em ere abe SE- ein iert Vor 2/13 der Sprache ist das Sprechen, vor dem sprechen ist die Musik“. In diesen Kontext kügte es sich wun- Jerbar, dass nach der Laudatio Mozarts sonate kür Klavier und Violine in A-Dur erklang. Es ist sein letztes Werk in dieser Gattung. verfasst unmittelbar vor der vollendung des Don Giovanni im Jahre 1787. Am Anfang seiner Laudatio führte Helmut Koopmann die Figur des Fla- neurs ein, dem er ,. produktiven Müßig- vang“ zuschrieb; er sei charakteristisch für den Beginn der Moderne. In Ortheil erkenne er Züge dieses Typs. Sein Leben und Werk seien geprägt von einem liebe- vollen Blick auf Menschen, auf ihr Le- hen, ihre Geschichte und ihre gesell- schaftliche Situation. „Er ist den Men- schen zugetan“, denen er flanierend be- gegnete, er habe sie und ihre Städte por- trätiert, wie etwa Rom, Prag. Wien und Berlin. Einen seiner Aufsätze habe er überschrieben mit dem Titel: „Der lange Abschied vom Flaneur.“ (1986) Ortheil flaniere auch durch die Zeit. Davon zeuge sein Buch „Blauer Weg“, das wie ein Tagebuch deutsche Ge- schichte im Zeitraum von 1989 bis 1995 erfahren lasse. Er erzählt darin von Be- gegnungen mit Kollegen, auch von schriftstellerverkolgung und Observati- on in der DDR. Ortheils Bezienung zu Thomas Mann wurde deutlich mit einem Blick Koopmanns aut seine Biografie. Bereits nach seinem Abitur habe er erstmals in Rom gewesilt. verbunden mit Mann durch die Lektüre des „Zauberbergs“ und den Wunsch, seinem Vorbild nach- zueikern. Im Bewusstsein, dass Thomas Mann in Rom dlie ,Buddcenbrooks“ schrieb, vollendete er dort seinen ersten Roman. Koopmann hob nun die zeitgeschicht- lichen Aspekte in Werken Ortheils hervor. Es gene ihm um die ..gereizte junge Ge- neration“ der um 1950 Geborenen. der es um Aufstieg und Selbstdarstellung zu tun sei. („Schwerenöter“ 1987. „Agenten“ 1988) In dem Buch „Abschied vom Kriegsteilnenmer“ (1992) zeige er die Flucht der Söhne vor den Vätern und ihr Bedürfnis, innen dennoch gerecht zu wer- den. Ortheils Romane stützten sich auf er- lebte Geschichte. Es gehe ihm nicht um Illustration, sondern um Durchdringung, Deutung und Wertung von Geschichte. Damit repräsentiere er ,, eine Renaissance des Zeitromans“. : Bei aller Nähe zu Thomas Mann zeige sich doch auch ein antithetisches Moment zu ihm. Thomas Mann sagte:“ Die beste Literatur ist aus Unglück gemacht“. Ort- heils Buch über seine beiden Kinder: „Lo und Lu - Roman eines Vaters“ ( 2001) scheine ein Gegenbeweis dazu, es sei auch ein Buch über das Glück. Koop- mann zitierte: ,.... die Weite des Lebens wird ausschließlich markiert von der Freude und dem alltäglichen Glück“. Abschließend wandte sich der Redner den drei in der Vergangenheit angesiedel- ten Romanen zu: „Faustinas Küsse“ (1998), „Im Lichte der Lagune‘ (1999) und „Die Nacht des Don Juan“ (2000). Es geht darin um Goethe in Rom, Turner in Venedig und Mozart in Prag, also um Dichtung, Malerei und Musik. Noch einmal wurde auf Ortheils tiefe Verbin- dung zur Musik verwiesen. Hanns-Josef Ortheil (Foto: Mathias Michalis) Koopmann schloss mit dem Gedan- ken Marcel Prousts, dass der Leser eines Romans in ein Außerhalb der alltäglichen Zeit versetzt werde und möglichst lange in diesem Zustand verweilen möchte. So gehe es jedem Leser, der in die Welt des Erzählers Ortheil eintauche. Die nun dargebotene Mozart-Sonate entsprach den Ausführungen auks Beste. Sie liel die Zuhörer Zeitlosigkeit erfah- ren. Anke Dill, Violine. und Tamani Toda- Schwarz, Klavier, brachten das herrliche Werk vollendet zur Aufführung und be- rührten die Herzen der Hörer. Diese Einstimmung bereitete die sehr persönlich gehaltene Dankrede Ortheils wunderbar vor. Auch er sprach „von Her- zen“ und vermittelte den Eindruck, dass sich mit dieser Preisverleihung so etwas wie eine schicksalsmäßige Notwendig- Thomas-Mann-Preis verliehen keit erfüllte. Schon in jungen Jahren war er mit dem Werk Thomas Manns verbun- den und seine Biographie offenbart krap- pierende Affinitäten. Er erzählte von dem Augenblick, in dem ihn der Anruf aus Lübeck erreichte, dass er als Preisträger ausersehen war. Sohn und Tochter waren seine ersten Ge- sprächspartner, denen er Auskunft über Thomas Mann geben musste. Es war achtzehn Uhr, der Moment, an dem in Stuttgart alle Glocken läuten - und damit verband sich die Erinnerung an das große Glockenläuten Roms aus dem .Erwähl- ten“ Thomas Manns. Dieser Kunstgriffs Ortheils charakte- risiert seine Rede insgesamt. Denn die Gegenwart seiner Erzählung verknüpfte er immer wieder mit zentralen Erfahrun- gen seiner Biographie. in denen die Be- deutung Thomas Manns für ihn sichtbar wurde. Beispiel dafür ist seine Werbung um seine Frau Imma (weibliche Haupt- gestalt aus „Königliche Hoheit“) im Vergleich zu Thomas Manns Werben um Katja Pringsheim. Sechzehnjährig las Ortheil den ..To- nio Kröger“ und wurde dadurch vom Hemingway-Fan zum Jünger Thomas Manns. Hatte er sich vorher an Heming- ways lakonischem Stil geschult, so er- öffnete sich ihm nun eine andere, rei- chere, differenzierte Welt von sprachli- cher Komplexität und vieldeutigen Per- spektiven. Von seinem Aufenthalt in Rom gleich nach der Schule war oben schon die Rede. Der äußere Weg Ortheils wurde zu einem Bild eines sich immer farbiger ausgestaltenden Beziehungsmusters zu Thomas Mann. Freude und Dankbarkeit prägten dementsprechend Ortheils Worte, mit denen er den Preis entgegennahm. Im Schlussteil deutete er mit spürbar ernster Gefasstheit einige große Belastun- gen seiner Familiengeschichte an. Seine Mutter verlor vier Söhne im Krieg, so dass er allein übrig blieb. Die zentrale Be- deutung, die seine eigene Familie für ihn hat, wurde so für seine Zuhörer nachvoll- ziehbar, der Einbezug seiner Frau und sei- ner Kinder in seine Rede erwies sich als Abbild seiner Lebenswirklichkeit. Die Anwesenheit auch der Kinder in ihrer Unbefangenheit war eine schöne Bestätigung seiner Ausführungen. Hanns-Josef Ortheil ist der zehnte Träger des Thomas-Mann-Preises. Vor ihm wurde diese Ehre u. a. Uwe Johnson, Marcel Reich-Ranicki, Ruth Krüger und Günter Grass zuteil. Lübeckische Blätter 2002/13 199
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