Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

10 Jahre Junge Oper Die Botschaft des Orpheus Warum können uns Sängerinnen und Sänger mit ihrer Kunst buchstäblich „zu Tränen rühren‘? von Prof. Günter Binge Der gemeinnützige Förderverein „Junge Oper Lübeck e. V.“ feiert in diesem Jahr sein zehnjähriges Bestehen. Die ,, Lübeck;. schen Blätter“ nehmen dies zum Anlass, in drei aufeinanderfolgenden Ausgaben verschiedene Aspekte zu beleuchten, die mit der Kunstform Oper, dem Phänomen des Singens und der Förderung junger Sängerinnen und Sänger in Lübeck zu tun haben. Den Anfang machte Prof. Anke Eggers, neue Vorsitzende des Fördervereins, mit einem Bericht über zehn Jahre Junge Oper sowie verschiedene Aspekte der Gesangsausbildung und Förderung angehender Opernsänger. In der heutigen Ausgabe schreibt Prof. Günter Binge unter dem Titel „Die Botschaft des Orpheus “ über die Faszination des Singens und deren Ursachen, den Reigen beschließt Dr. Christoph Dammann, der lange in Lübeck gewirkt hat und jetzt neuer Operndirektor der Oper in Köln geworden ist mit einem Artikel zu Ansätzen einer notwendigen Reform in der Oper. : Orpheus war der Sohn des Gottes Apollo und der Muse Kalliope, folglich ein Halbgott. Der Mythos sagt, dass die Macht seines Gesanges zur siebensaitigen Leier so gewaltig war, dass er damit die | wildesten Tiere zu zähmen vermochte und es sogar fertigbrachte, durch sein Singen Bäume und Felsen zu bewegen. Eurydice. die Gattin von Orpheus, wurde eines Tages von einer giftigen Schlange gebissen und starb. Orpheus ließ daraufhin seine Klagegesänge durch Berge und Täler erschallen, stieg endlich ' den Hades, den Totenfluss hinab, um sei- ne geliebte Frau aus dem Reich der Toten zurückzuholen. Tatsächlich gelang es ihm, mit seinem Gesang das Herz von Persephone, der Göttin der Unterwelt, zu rühren, so dass diese gestattete - gleichsam gegen alle Verwaltungsvorschriften der Antike - , dass Eurydice noch einmal mit Orpheus in das Reich der Lebenden zurückkehren könne, - unter einer Bedingung: Orpheus dürfe sich nicht nach Eurydice umbli- cken, bevor sie beide das Tageslicht er- blickt hätten. Man weiß, wie die Sache ausging: die bekannte Ungeduld der Männer ließ die Sache schiefgehen. Orpheus konnte es nicht aushalten und sah sich vorzeitig nach Eurydice um. worauf diese in das Reich der Toten, in den Hades, zurück- kehren musste. Nun half auch Orpheus’ Singen nicht mehr, Persephone blieb hart. Was ist das Besondere an dieser Ge- schichte? Mit der Sage um Orpheus wur- de bei den Griechen ein eigener Mythos geschaffen um die Macht der Musik und vor allem um die Macht des Gesanges. Die griechische Antike sprach der Musik und vor allem dem Gesang auf die- se Weise eine magisch-mythische Wir- kung zu, die später durch eine gleichsam wissenschaftliche Betrachtungsweise er- gänzt wurde: kein geringerer als Pythago- Orpheus mit Eurydice und Hermes (von rechts). Ganz rechts auf dem römischen Relief aus dem 5. Jahrhundert ist die Leier zu erkennen ras stellte für seine Gefährten ,.Zurüs- tungs- und Zurechtweisungsmusiken“ zu- sammen - Melodien. die gegen Mutlosig- keit, Kummer, Zorn, Begierden und über- mäßige Affekte wirksam sein sollten, also eine harmonisierende und stabilisierende Wirkung entfachten. Dem Opernliebha- ber ist der Gedanke einer harmonisieren- den Wirkung von Musik nicht fremd: man denke nur an die Wirkung des Glocken- spiels und der Flöte in Mozarts Oper „Die Zauberflöte‘: da werden wilde Tiere zahm, und der von seinen niederen Trie- ben bestimmte Monostatos kommt zur Besinnung und belästigt jedenfalls Pami- na vorläufig nicht weiter. L ~- H gäng rend berül oder belte grolt re. sie V eksta aus. A weni. unser den; von J natür besli all di den . dern darge junge ihr e: schla dem I re Ge dami eine ! H aufzu bewu nung. läche „nich nung. sie b der E allein B existe scher nen u cken jene dem Erinn nen I und j Herzt gend drei I amer ten. L schre sich scher Verzyv ser § schie den a endli: 166 Lübeckische Blätter 2002/11 Lübeck
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