Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

eder iner Ich: bert mit rna- eili- Ige- vircd Its. S- kur- lied Ver- hin- den Orte ler- der Ju. beck hat ihr auch Furtwängler zu Tel- . puls, ursprünglich als Bewiälti- Ida Boy-Ed im Porträt „Wie also kommt die Frau zur Tat?“ Ida Boy-Ed zum 150. Geburtstag Geben wir der Autorin selbst das wort: „Die Arbeit war für ein Gemüt Trost und Rettung geworden. Sie war mein Recht, meine Pflicht geworden.“ Das war so eigentlich nicht vorgesehen für eine höhere Tochter der damaligen Zeit. Geschrieben wird ungefähr das Jahr 1900. Eine unkreiwillige Berufsschrift- stellerin steht vor uns. Enttäuschungen und Rollenkonflikte liegen hinter der knapp 50-jähri- gen aparten und interessanten frau. Der Ehemann dämmert halb debil seinem baldigen Tode entgegen: der Bankrott der Fami- lie Boy ist aktenkundig; die Mit- gift ist in die Konkursmasse ein- vegangen, vier Kinder hat Ida ßoy-Ed aufgezogen; die Sturm- und-Drang-Jahre liegen hinter ihr; nach ihrer Rückkehr aus Berlin 1880 ist sie ausgiebig geschnitten worden; die Eisenbahn-Zeitung ihres Vaters ist verkauft; sie weilß inzwischen, dass sie keine Ge- schäftsfrau ist, aber auch keineswegs blol}s eine Salonitre, in deren Salon sich übrigens inzwischen neben Künstlern (Lü- verdanken) durchaus auch gele- gentlich Honoratioren einfinden. Ida Boy-Ed schreibt für Geld. Sie schreibt Romane, Geschichten und Lebensbilder. Ihr Schreibim- gung ihrer Lebensproblematik entstanden, die in der Unverein- ü. barkeit von individuellen Glücksbegeh- ren und weiblicher Rollenbeschränkung bestand, muss nun prokessionell genutzt werden. Sie schreibt schnell, für die Stunde - und den Tag, immer häufiger auch aus ier. weiblicher Perspektive; ihre realistischen J02/8 Frauenromane leben aus ihrer Einküh- ' lung, die ganz aus ihrer eigenen Lebens- erkahrung gespeist wird und damit ebenso selbsttherapeutisch wie begrenzt ist. Dass ihre Artikel und Kritiken Bestand haben, zeigt unter anderem ihre Arbeit in den Lübeckischen Blättern, auf die demnächst zurückgekommen wird. Zu Erinnerung: Die Schriftstellerin ist am 17.4.1852 als 10. und letztes Kind des Hamburger Journalisten Christoph Ed ge- boren worden, der sich weit emporgear- beitet hatte und schließlich als Besitzer der Eisenbahn-Zeitung, die er von Berge- dort verlegt hatte, nach Lübeck in die Große Petersgrube SEZOgEen ist. Zeit ihres Lebens idealisiert Ida den Vater und pro- blematisiert ihr Verhältnis zur Mutter. Sie berichtet über die Flut kultureller Eindrü- cke, die sie als Heranwachsende empfan- gen hatte. Diese „Beleuchtungseindrü- cke‘ werden zum Horizont ihres Lebens, Ida Boy-Ed auf einem Gemälde von Max Slevogt 1925 und es dauert nicht lange, bis sie auf sie zurückgreifen muss. Denn ihre Ehe mit dem Kaufmann Carl Johann Boy. 1870 geschlossen, erweist sich als kompletter Fehlschlag: „Ich heiratete sehr jung. Zu jung ... Man wacht dann später auf ... und findet, dass man an einer Stelle steht. wo man niemals werden kann. was man ist.“ Sie ist keineswegs geläutert. als sie nach I 1/2 Jahren aus Berlin, wo sie der damalige Medienmogul Mosse als Thea- terkritikerin anstellt, der Kinder wegen an die Trave zurückkehrt. 1883 lernt sie in Darmstadt ihre große Liebe kennen. den Kritiker und Schriftsteller Michael Georg Conrad. Er inspiriert sie und engt sie geis- tig gleichzeitig ein. Sie lebt diese Lebens- liebe, die langsam von der Realität aufge- zehrt wird, heimlich auf seltenen Reisen. Witwe wird sie 1904 - sie wohnt inzwischen in der Parkstraße -. aber schon seit vielen Jahren ist sie eigenver- antwortlich tätig und wird einem neu ent- stehenden großen Lesepublikum bekannt. „Ein königlicher Kaufmann“ ist ihr be- rühmtester Roman betitelt. zu dem ihr auch Thomas Mann gratuliert. der bekanntlich mehrmals ihr Gast in der Großen Burgstraße 5 war. 1912 erhält sie diese Ehrenwohnung im Burgtor zum 60. Geburtstag. Lübeck hat sich endlich mit ihr, die eigentlich die Hansestadt mit dem freieren München eintauschen wollte. aus- gesöhnt - wie üblich etwas sPät. Sie stirbt am 13. Mai 1928 76-jäh- rig und wird auf dem Burgtor- kriedhot beigesetzt. Der Impressionist Max Sle- vogt hat 1925 ihr Porträt geschaf- ken, das man im Behnhaus bewun- dern kann. Professor Zimmermann. Leh- rer am Katharineum. ist ver- stimmt. Er findet in der .verdrieß- lichen Frau“ seine verehrte Freun- din so gar nicht wieder: Was er vermisst. ist „die Dame, die auf dem glatten Parkett der Gesell- schaft, auf dem vulkanischen Bo- den des Theater- und Musiklebens sich regierend bewegte, die Frau, deren Mienenspiel die Lust verrät. aus wohlbeherrschter Konvention ins Reich der freien Persönlichkeit überzugehen. die sinnreiche Er- zählerin. die das Phantasiebedürf- nis so vieler Tausender befriedigte. die Kammerherrin mit dem Schlüssel zum Seelenleben berühmter Frauen. die Haus- frau und Mutter, die zu Schmalhansens Regierungszeit ein brauchbares Koch- buch schrieb.“ Eine tapfere Frau und ein paradigma- tisches Beispiel eines ambitionierten Frauenlebens um 1900: ihre Persönlich- keit weist vielfach weit voraus und ist überraschend frei. das Werk bleibt gleich- wohl zeitgebunden. wenn auch die femi- nistisch inspirierte Literaturwissenschaft einen subversiven Subtext zu entdecken glaubt. Auf der Grabplatte. gestaltet von Fritz Behn. ist eingemeißelt: „Nichts ist so si- cher wie dein Wollen.“ Antje Peters-Hirt Lüibeckische Blätter 2002/8 115
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