Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

Musik / Veranstaltungen re jung, ein gleiches Vorhaben im Audi- enzsaal des Rathauses verwirklichte. Das erschien auf ersten Blick recht hoch ge- griffen, doch auch besonders reizvoll. Am ersten der drei Abende ging es um die Sonaten op. 12/1, in der man trotz An- weisung „für Klavier und Violine“ ausge- wogene Partnerschaft exerzierte; um op. 30/1, die in virtuos-konzertanten Rahmen gekleidet wurde. während Sonate op. 23 a-Moll in stürmischem Aufbäumen Ak- zente setzte. die von der „Frühlingssona- te“ op. 24 konkliktfrei geglättet wurden. Die Geigerin hat sich solides Hand- werk erworben und pflegt eine besonders geschmackvolle Tongebung. Auch ver- fügt sie über kluge Kenntnisse gestalten- der Artikulation und formaler Abläuke, die keinesfalls akademisch, sondern per- sönlich gestaltet wirken. Bei ihrem Spiel wurde deutlich, dass es sich um eine Mu- sikerpersönlichkeit handelt, deren künst- lerische Ausstrahlung von energievoller Jugendfrische bestimmt wird. Da sich die (meist) einstimmig intonierende Geige mit dem Widerpart des mehrstimmigen Klaviersatzes auseinander zu setzen hat, wurde von ihr mehr persönliche Gestal- tung gefordert als vom Tasteninstrument. Für dieses war es leichter, seine Vorherr- schaft auszukosten, indem es Frage- und Antwortspiel sowie dynamische Unter- schiede noch plastischer darstellen konn- te. Wenn sich beide Partner auf diesem kammermusikalischen Bereich speziali- sieren wollen, sollten sie Meisterkurse besuchen,. die von bedeutenden Interpre- ten angeboten werden, um (aller-)letzten Schliff zu erwerben. Ihr Debüt im Audi- enzsaal war ein kluger Schritt auf diesem Weg. Der Erlös dieser Benefizveranstaltung des Bad Schwartauer Serviceclubs der Soroptimisten International, bei der die Künstler auf ihre Gage verzichteten, soll Projekten gegen Frauenhandel dienen. Man dark sich bereits auf die folgenden Abende (7. 5. und 25. 6.) freuen. Hans Mlillies Kammermusik der Lübecker Musikschule Bei ständiger Überfülle von U- und E- Musik-Veranstaltungen lohnt es sich, das tägliche Angebot zu durchforsten, um Vergleiche anzustellen zwischen meist happigen Preisen bei großen Sälen und manch bescheidenem Angebot, das sich als Rarität erweisen kann. So geschehen beim Kammerkonzert „Fischers Nachtge- sang“ der Lübecker Musikschule bei frei- em Eintritt im eigenen Schulsaal. Die sehr junge und noch in ihrer Aus- bildung befindliche Sängerin Olivia Stahn scheint keinen schnell verglühende Sternschnuppe, sondern ein Sternchen zu sein, dessen locker angesetzter Sopran auf sicherem Fundament schlank in die Höhe klettert. Unter Assistenz von Lehr- kräften der Schule - dem Flötisten Ger- hard Torlitz mit rasant abspulender Ge- läufigkeit und Olga Mull als versierter Klavierbegleiterin - bot sie ein apart zu- sammengestelltes Liedprogramm von Roussel und Saint-Saëns. darunter von H. Heiss vertonte Texte Chr. Morgensterns, die aber gegenüber dem impressionisti- schen Charme anmutiger Flötenmusik von Fauré, Chaminade und Poulenc auf- grund extremer Intonations-Anforderun- gen und auch kompositorisch etwas ab- fielen. Dass der Saal nicht übermäßig gefüllt war, mag an fehlender Reklame gelegen haben. Doch vermeidet das Ausbildungs- institut dafür üppige Ausgaben, vor denen sich oft andere (städtische) Subventions- empfänger meist nicht scheuen. Schade, dass sich nur zwei Lehrkräfte der Schule von den erstaunlichen Leistungen ihrer Kollegen überzeugen wollten. Hans Mlillies Veranstaltungen Swing-Legenden - 230 Jahre alt Das Publikum in der fast ausverkauf- ten Musik- und Kongresshalle war sich einig: Die Swing-Legenden Max Greger, Paul Kuhn und Hugo Strasser - zusam- men werden sie in diesem Jahr 230 Jahre alt ~ machen immer noch jugendkrische Musik. Ihr Publikum versetzten sie zum Schluss nahezu in Rage. Swing-Legen- den wollten sie an diesem Abend präsen- tieren. Gemeint waren damit nicht sie sel- ber, sondern Komponisten wie Louis Armstrong,. Count Basie, Duke Ellington, Benny Goodman, Glenn Miller, Cole Por- ter und andere. Dazu braucht man ein aus- gezeichnetes Orchester, und die SWR Big Band, zwar schon S50 Jahre alt, aber vor einigen Jahren an allen Pulten erheblich verjüngt, erwies sich als Klangkörper, bei dem jede Bläsersektion - Trompeten, Po- saunen, Saxophone - exzellent besetzt war. „Jeder ein Meister seines Instru- ments und ein Solist“, sagte Max Greger wiederholt zu Recht in seiner Moderati- on. Aber I5 Solisten sind nicht automa- tisch ein gutes Orchester. Die Big Band des Südwest-Rundfunks aber ist es. Jeder Musik ordnet sich unter, wenn nötj schweigt auch einmal, wenn der Soliy [ nur die Rhythmusgruppe (Klavig; Schlagzeug, Bass, Gitarre) zur Untersti V. zung braucht. Durchs Programm führte Max Gregs, Podiur ein Urbayer, der nicht nur über Sachve;. Thems stand und Humor verfügt, sondern auc kein Blatt vor den Mund nimmt, wen, Das Arc ihm bestimmte Zweige des Show-Gt Mittwoct schäfts heute nicht gefallen. Er neny ner Podi auch Namen von Musikern, deren Medi. gaal der en-Erfolg er nur mit Kopfschütteln zy, „Was leh Kenntnis nimmt. Greger, einst Chef eine, Anlässlic nach ihm benannten Sextetts, später eine, durch Ch eigenen Orchesters, stand jedoch nich ge nach nur als Moderator auf der Bühne. Er hatt; UNESCC sein Saxophon mitgebracht und bewies yen. Kon dass er noch immer viele Stilarten de, rum in d Jazz beherrscht. Mit freundlichen Kom. gjnen Ge plimenten oder derberen Scherzen führt, ger Vorbi er die Kollegen ein, zunächst Hugo Stra, der L ser, heute ein Grandseigneur der Klarinet. At Ie te mit unverwechselbarem Klang . 200 Danach erschien Paul Kuhn, der die Muk frgt förr einst mit eingeweiht hatte. Greger kün. burg) digte Paulchen Kuhn gleich mit fünf Be. Dr. Hann rufsbezeichnungen an: Pianist, Sänger Peter Ku Komponist, Arrangeur, Dirigent. Er spiel. sitzender te und sang sich an diesem Abend in die burg) Herzen der Zuhörer. Melodienselig gin. Hans gen an diesem Abend selbst ältere Hen. Maastric! schaften nach Hause, summten oder pfit. Horst vc fen „Petit Fleur“, „In the Mood‘ ode burg) „I’ m getting sentimental“ vor sich hin. F Konrad Dittrich Dienst Preisübergabe 19. 03., I an junge Musikschüler im 20. J: Die beim Benefizkonzert des Lions. Nach der Clubs und der Lübecker Musikschule ver. trags üb gebenen Geldpreise wurden am Mitt. Russland woch, den 27.2., vom Initiator des Kon. ger grobe zertes, Michael Sauer, im Vorstandszim. Moreno | mer der Sparkasse zu Lübeck übergeben. ein ,Lüb Gekommen waren fast alle der prämier. hlärt, di ten Schüler, um sich ihren (Geld-)Preis schieden abzuholen. Dabei genossen sie das Gruß. pergewsöl wort von Herrn Klug (Sparkasse), die la. am Mosl nigen Überreichungstexte von Mlichae| sant ist h Sauer, eine Dankesrede von Renate Men. Tänzer-n ken sowie die Schilderung der Jurytätig. Traditior keit aus der Sicht des Jury-Mitglieds Prof. Filmdokt Hans-Helmke Goosmann. Besonderer wand LE Dank galt dem Hauptsponsor des Konzer. gays Ball tes, Herrn Jepsen, für seine großartige fir „Don Qu nanzielle Unterstützung. Mit einem hoff. te aus E nungsvollen Ausblick auf das nächste Be. („Romec nefizkonzert im Februar 2003 fand das yuisuvellen aus der Idee des Bürgersinns entwickelte hbekannte Projekt einen würdigen Abschluss. terpretati O. §S. kaja sein 90 Lübeckische Blätter 2002/6 Lübeckische
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