Full text: Lübeckische Blätter. 2002 (167)

LITERATUR . THEATER . MUSIK . AUSSTELLUNGEN :. VERANSTALTUNGEN ___ > III III C S S y Tanz TanzTage im Schuppen 6: The Windeater Drei Tanzproduktionen sollen es wer- den, die die unermüdliche Juliane Rößler, Leiterin der Tanz-Compagnie Lübeck, al- len finanziellen Widrigkeiten zum Trotz für dieses Jahr im Schuppen 6 plant. „The Windeater“, die erste nun, stellt eine Cho- reographie von Tony Vezich vor und hatte von leisester Bewegung bis zu gewalti- gem Brausen klanglich alles hervorzu- zaubern, was als kosmischer Atem emp- findbar ist, ein stimmiges Instrument für das Thema. Vezich gestaltet seine Bilder in gene- ralisierter Form, ohne eine oder einzelne Geschichten zu erzählen. Seine Bilder will er als meditative Gedanken über die Leben spendende Kraft der Luft und des Atmens verstanden wissen, Gedanken, die ihn seine eigene Veränderung erfahren Das Drehen und Rollen wird zur Metz. pher, Ausdruck einer bei aller Sinnlich. keit doch abstrahierten Darstellung eine, Immer-Wiederkehrenden, eines Kreislay. kes. Erst mit dem Auftritt Vezichs aj, künkter Tänzer entsteht eine menschlich, Komponente, entwickelt sich etwas wi; eine Paarbeziehung, die Umsetzung de, Begegnens und des Verwehens von Vey. trautheit. Sie berühren sich, aber auch hier bleibt die Vereinzelung in der Ge. meinsamkeie. Die Frau schreite; schließlich über Körper und Kopf de, Mannes hinweg - ein starkes Bild für da, Alleinstehen. Der Wind ist lebensspen. | dend, ist Atem, aber nicht von soziale; Jane van Fraassen, Marlène Goubert und Antje Pfundtner in einer Szene aus Tony Vezichs Choreographie zu „„The Windeater“ am I. März 2002 Premiere. Wind als Le- bensquell wie als zirkulierende Luftbe- wegung inspirierte den neuseeländischen Choreographen zu einer Folge von Tanz- bildern, die er für sich und seine vier Part- ner Marlène Goubert, Jane van Fraassen, Antje Pfundtner und Olaf Reinecke ent- wickelte. Nur zwei Tage. nachdem über Stadt und Land das verheerende Sturmtiet „Anna“ hinweggefegt war, konnte man sich in der restaurierten Kulturstätte am Hafen hinter schützenden Mauern mit der tänzerischen Sicht auf das bewegende Naturschauspiel auseinander setzen und den inspirierten Tanzbildern und der ein- drucksvoll ausgewählten Musik folgen. Orgelwerke des estnischen Komponisten Arvo Pärt und des französischen Klang- mystikers Olivier Messiaen dienen als Grundlage. Die Orgel. das gewaltigste und zugleich vielseitigste aller Musikin- strumente, selbst windbetrieben, vermag ließen, aber auch die Erfahrung, dass sich ein Kreis in seinem Leben geschlossen hat. Vier der Tänzer, in sandfarbenen, sehr schlichten Kostümen, sind anfangs auf der Bühne, karg vor zwei luftige, wei- Be Fahnen an der nackten Rückwand auf der weißen Tanzfläche verteilt. Jeder be- wegt sich anders, vereinzelte Reflexe auf die Musik gestaltend. Sie berühren sich nie, selbst Blicke werden nicht getauscht. Nur selten führt die Choreographie zwei oder drei Akteure in parallelen Bewegun- gen. Die sind oft schwer zu deuten in ih- rem fließenden Schreiten oder dem ge- krümmt am Boden Winden, im heftigen Zucken oder im kreisenden Fallen und sich wieder Erheben. Meist ist der Blick zum Boden gerichtet, in wenigen ver- zückten Momenten nach oben, zusam- men mit den himmelwiärts gestreckten Ar- men. Das ist kein naturalistisches Umset- zen von Bewegungen im Wind, eher ein mythisches Verdichten der Naturkratt. . oder harmonischer Kraft. In dieser Sicht wirkt die Aussage Pes. simistisch, eher in sich geschlossen und zugleich episch. Solch eine Aussage zy | erreichen, verlangt eine Choreographie die bei aller Vielseitigkeit der Bewe. gungskiguren, die motivisch sich wieder. holen, doch in sich kreist. Unterschiedli. che Formen wie ein Solo, kraftvoll voy Marlene Goubert getanzt, und eine An Pas de deux Vezichs mit Jane van Fraas- sen gliedern wenig. Meist sind alle auf der Bühne mit kürzeren oder längeren Einzelaukgaben. Aber durch die Musik wird immer wieder Spannung gesetzt. Sie ist der sinngebende und gliedernde Part. Viel Beifall gab es für diese engagier. te Darbietung, zu der sich die Tänzer selbstlos zur Verfügung stellten. Arndt Vol Literatur Rezitation zum Holocaust-Gedenktag Eine eindrucksvolle Rezitation, ver- bunden mit Cellomusik, erlebten zahlrei- che Zuhörerinnen und Zuhörer im Burg- kloster. Der Lübecker Schauspieler An- dreas Hutzel rezitierte anlässlich des Ho- locaust-Gedenktages aus dem Werk Pay] Celans. Paul Celan verfügte unter der jünge- ren Generation über einen besonders aus- geprägten Willen, das Iyrische Erlebnis in ein traumbildhaftes, surrealistisches Ge- bilde zu verwandeln. Das gibt seinen Ge- dichten - man hat sie mit phantastischen Mosaiken und Glasfenstern oder auch mit den Bildern der modernen ungegenständ- lichen Malerei verglichen - oft etwas er- kaltend Abstraktes und Artistisches. Andererseits prägt sich uns das eigenwil- rf lig ziselisé der mus hau einzé Celans G ge“ (19é wortkorn jücischer und verti! Seine weise di rägt. Al deshalb, aufscheir schen Ra drittes M hen Fasz: grenzenlc Beim Dic dachlosig und zeic! sichtbar. Durct komplext tiert. 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