Full text: Lübeckische Blätter. 2001 (166)

Umstrittenes Schauspiel Szene aus „Dantons Tod“ mit Neven Nöthig, Hartmut Lange, Anna Magdalena Fitzi, Mario Gremlich und Andreas Hutzel (Foto: T. M. Jauk) Umstrittener „Dantons Tod‘ im Großen Haus In den Beifall mischten sich Buhrufe für den Regisseur Unerhörtes und seit Menschengeden- ken Ungehörtes ist geschehen: Buhrufe nach einer Schauspielpremiere! Sie gal- ten Reinhard Göber, dem Regisseur der Lübecker Neuinszenierung von „Dantons Tod‘, der ersten seit einem Vierteljahr- hundert. „Schaumschläger!“ rief gar ein prominenter Politiker aus der Loge. Wie denn überhaupt das sonst so betuliche Pu- blikum Lübecker Schauspielpremieren nicht nur durch Polit-Prominenz angerei- chert war, sondern aufgemischt durch gleich drei Abonnements. Mehr als 160 Besucher - so die LN vom 23. Januar - erlebten das Ende allerdings gar nicht mehr mit; sie hatten die Vorstellung schon zur Pause, nach zwei von insgesamt drei Stunden, verlassen. Nun ist eine derartige Abstimmung mit den Füßen freilich keine gültige Aus- sage über die Qualität einer Inszenierung. Auch so hochkarätige Opernaufführun- gen wie „Lulu“ oder „„Tod in Vendig“ werden scharenweise vor der Zeit verlas- sen. Man darf unterstellen, dass die Scheu vor Ungewohntem sowie mangelnde Kenntnis des zu Erwartenden dabei keine geringe Rolle spielen. „Wer auf den Fuß- ballplatz geht, kennt die Aufstellung sei- nes Lieblingsvereins vor- und rückwärts - . aber wer bereitet sich schon adäquat auf einen Theaterabend vor?“, stöhnte einmal ein Lübecker Kritiker. Junge Leute können offenbar mit dem Stück des 22-jährigen Büchner und mit Göbers Inszenierung mehr anfangen als ältere. Ein wesentlicher Grund dafür ist sicherlich, dass es das erklärte Ziel des neuen Lübecker Opergspielleiters ist, die bisher von ihm inszenierten Stücke Goe- thes, Kleists, Büchners und Brechts in die Gegenwart zu holen. Dafür drei Beispie- Ie: -Mit dem Ruf .Wir sind das Volk!“ stürmen zwei Mannsbilder (Silvio Caha und Kai Windhövel) mit roten Zipfelmüt- zen auf die Bühne. Dieser Einfall ist zweifellos witzig (1975, bei der Danton- Aufführung in der „Schwarzbunten“, ver- traten immerhin noch vier Gestalten das Volk), aber auch eminent fragwürdig: Ist das alles, was Göber, der Ost-Berliner, zy der einzigen zugleich unblutigen und er- folgreichen Revolution der deutschen Ge- schichte zu sagen hat, der von 1989?! So ist das eben mit dem scheinbar so nahe liegenden Gegenwartsbezug: Man jong- liert mit gleich drei Bällen (Französische Revolution, Georg Büchner und Gegen- wart) und riskiert, dass alle drei zu Boden fallen. ~-Im Hintergrund der geräumigen, weitgehend leeren Bühne (Ausstattung: Robert Ebeling) rotieren sechs Waschma- schinen. (Eine Postkarte mit einer solchen wirbt überdies für die Aufführung.) In der Tat ist bei Büchner mehrfach vom „Waschzuber“ die Rede. Aber: In den Waschmaschinen wird nicht nur - meinethalben - die schmutzige Wäsche der Geschichte gewaschen, sondern: Ein Akteur übergibt sich in einer Waschma- schine, und gegen Ende des Stückes be- geht Dantons Frau Julie (ansonsten mit starken Momenten: Anna Magdalena Fit- zi) Selbstmord mit Hilke von Waschpul- 42 Lübeckische Blätter 2001/3 _ ver. Trägt die lich? _ Am Schl video gezeigt: tor Meyenbort ten aus der Fi Thema „Revo aebnis, nicht Schnitt-Techni denkbar“ oder Frage: hätt der anspruchs nicht schon g! rung ist zwar darf, verdankt Kürzungen 1m ge Musik (Ein: na Fitzi) und nenrund, die n I | arten. Im Progral nonverbalen ] merkt dort: „D zu lernen, blol gucken zuiét Überhaupt hält nahezu ni Revolution ur hauptsächlich ff aloge der Scha zur Politik s0 M EL LITERAT . Theater „Schweige im Theater Im Rahmer dio des Thea nach einführer das von Kerst spiel „Schweig Die Slam-F 80er Jahre in Poeterey“ enth Hip-Hop-Elem fens. Anfang durch die Ame! telt. In Hambu Dichter im öfké wurde durch k leitet. Im Hörspie sche und origi Poetry transpar Lyrik“ ist naiv Lübeckische Blätter
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