Full text: Lübeckische Blätter. 2001 (166)

Rückblick auf die 43. Nordischen Filmtage mania“, finnischer Beitrag von Simo Ha- linen, ein technisch ambitionierter Rad- kfahrerfilm, der in Lübeck unterschätzt wurde, sowie „Die Amateure“, norwegi- scher Streifen von Päl Sletaune, der 1997 „Junk Mail“ in Lübeck vorstellte. die Ent- fkührungsgeschichte eines alternden Pop- sängers, die interessant angelegt war, aber zunehmend unübersichtlich wurde und sich schließlich in Abstrusem verlor. „Frauen wissen nicht, wie man Abschied nimmt“ Deswegen hält man Frauen lieber aut Abstand, so wenigstens wird der Youngs- ter eines Gangster-Quartetts in „Blinken- de Lichter“ belehrt. Dass Torkild, der An- kührer, noch viel zu lernen hat, merkt man in diesem Männerfilm, der von der Ko- mödie übers Melodram zum Märchen mutiert, sofort. Dem Dänen Anders Tho- mas Jensen gelingt es, nach einem bizar- ren Anfang mit unnötig viel Gewalt die Geschichte souverän in einen „Märchen- wald“ zu führen, in dem die Gangster ein neues Leben. genauer gesagt ein Restau- rant starten und sich und den Saucen „Aufmerksamkeit und Liebe“ zukommen lassen. „Das wirkliche Leben“ in Gestalt der Verfolger wird durch Elemente des Märchens mehr oder weniger sanft abge- federt. Das besondere an diesem Streifen ist neben dem witzigen Personal der Ver- such, ein Genre gegen den Strich zu bürs- ten, in dem die Kindheitsgeschichte aller Protagonisten punktuell in den Streifen reingeholt wird: „Von der Kindheit blei- ben“ nämlich ..kleine blinkende Lichter, die unser Leben bestimmen.“ „Ikingut heißt Freund“ Ein Märchen ganz anderer Art ist der isländische Film für Groß und Klein „Ikingut“ von Gisli Snaer Erlingsson, der um 1700 herum in einer verkeindeten., bi- gotten, abergläubischen und engstirnigen Welt spielt. Ein grönländischer und ein is- ländischer Junge lernen sich kennen und wider Erwarten vertrauen. Diese Parabel auf Freundschaft. Freiheit von Vorurtei- len und Überwindung von scheinbaren Glaubensgrundsätzen überzeugt durch ihre ergreifenden Bilder der endlosen weißen Schneewüste und demgegenüber der klaustrophobischen Enge in den dunklen Holzhäusern und den Seelen der meisten Agierenden. Der Film entkommt aber den Klischees zwischen Historien- und Kostümfilm mit einer Prise Mantel- und Degentfilm nicht immer. „Die Erde gehört den Männern - uns der Himmel“ Deswegen wurde Elsa, die Protago- nistin des einzigen Films, in dem eine Frau im Mittelpunkt stand, „So weiß wie im Schnee“, Aviatrice. Der Schwede Jan Troell. der 1996 seinen Film „Hamsun“ in Lübeck vorgestellt hat, hat in dieser nur scheinbaren Emanzipationsgeschichte eine wunderschöne Frau und einen eben- so interessanten Charakter portraitiert. Elsa Brandström, schwedische Flugpioni- erin und Fallschirmspringerin kommt in ihrer Geschichte um; eine Geschichte, die entschieden unaufgelöste und problema- tische Wertungen in Bezug auf die Aus- einandersetzung mit ihrem Vater und an- deren Männer-Beziehungen enthält. Bei aller Schönheit, der von Amanda Ooms und der einiger Einstellungen und Bilder, bringen Dekizite den Streifen um seine Überzeugungskraft: Er ist zu lang, er ist schlecht recherchiert bzw., was die Deutschland-Episode angeht, schlecht gearbeitet, und er breitet ein unplausibles bis reaktionäres Frauenbild aus. „Grenzen sprengen“ Das tun alle Paare - andauernd. So auch Elling und Kjell-Bjarne in dem nor- wegischen Film „Elling“ von Petter Næss, der den Kirchlichen Filmpreis und den Publikumspreis auf sich vereinigte und der nach dem Roman ,.Blutsbrüder“ des in Hamburg lebenden Autor Ingvar Ambijornsen entstand. Allerdings handelt es sich um zwei ehemalige Psychiatriepa- tienten, wie man sie sich unterschiedli- cher nicht denken könnte. Elling ist ein neurotischr-ängstliches Muttersöhnchen, das körperlich schwach, sich von allen Menschen, insbesondere Frauen aus , mo- ralischen’ Gründen kernhält. Kjell-Bjarne ist ein starker, großer Mann mit einem weichen Herz, wenig Hirn und dem star- ken Bedürfnis,. endlich eine Frau zu be- kommen. Beide lernen mit- und füreinan- der zu leben und zu sorgen, alleine in der großen Stadt außerhalb der Institution Klinik. In den unterschiedlichsten Situati- onen üben sie, ihre Schwächen zu bear- beiten, ihre Stärken einzusetzen und ge- winnen so - endlich - Selbstbewusstsein. Der Film besticht durch seine gradlinig erzählte, zutiefst menschliche und humor- volle Geschichte. Die andere Paargeschichte sprengt auf ihre Art auch Grenzen. Es handelt sich um den neuen Film des international bekann- ten Schweden Bille August. von dem man nach dem enttäuschenden „Jerusalem“ (1998) eine so subtile Liebes- und Krank- heitsstudie, wie sie in „Ein Lied für Mar- tin“ erzählt wird, nicht erwartet hätte. Martin und Barbara sind, was ihre Liebe betrifft, Spätberufene. Sie geben vieles auf, um zusammenzuleben. Nach kurzer Zeit bricht bei Martin die Alzheimer- Krankheit aus, bei der ein Mensch be- kanntlich seine Persönlichkeit verliert. Eine Liebende wird Krankenschwester. Wie hält man aus, dass „alles in etwas an- deres übergeht“. wie der leicht altkluge Elling weiß. Barbara versucht das Schick- sal aus- und aufzuhalten, stemmt sich den Realitäten entgegen, um am Ende zu ler- nen, dass sie loslassen muss, um Lebens- sinn, Ich-Stärke und Erinnerung zu behal- ten. Ein beeindruckend intensiver Film, „Ein Lied für Martin“ - ein beeindruckend intensiver Film des Schweden Bille August Die d Mens: „I w hum Bé nister nisch Mens jährig wir Z Laby: das a chen, tisch val ir in de Lisa, tern fällt I mit s Streil Kjell ren F sibili zeigt Es Ul anzu; entw „Das Steht milie den 1 zieht brauc mens: und schw Hap. 338 Lübeckische Blätter 2001/21 Lübecl
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