Volltext: Lübeckische Blätter. 2001 (166)

LITERATUR . THEATER . MUSIK . AUSSTELLUNGEN . VERANSTALTUNGEN V E G ; Theater „„Jedermann'’ in der Marienkirche Jetzt scheint der Lübecker ,.Jeder- mann“ seine ideale Spielstätte gefunden zu haben. Nachdem Michael P. Schulz’ Inszenierung von Hugo von Hofkmanns- thals offenbar unverwüstlichem Mysteri- enspiel sich vor Jahresfrist bereits im Domhokt bewährt hatte. bot sich anlässlich der 750-Jahr-Feier der Marienkirche will- kommene Gelegenheit, die Produktion des „Theater Sommer Lübeck“ in die hei- ligen Hallen der gotischen Pkeilerbasilika zu überführen. Hier schien die Inszenierung an Ein- dringlichkeit noch gewonnen zu haben. Die Gründe sind leicht auszumachen: Zum einen trug die Unabhängigkeit von den Unwägbarkeiten der Witterung zur Planungssicherheit bei; zum anderen schienen die Akteure mit Text und Gestal- tung ihrer Rollen noch mehr verwachsen zu sein; schließlich ließ die Tiefe des Raumes das Spiel kompakter und kon- zentrierter erscheinen als die Breitwand- szenerie des Domhotes. Und wie effektvoll Michael P. Schulz den hundert Meter langen und 38 Meter hohen Innenraum zu nutzen versteht! Im Obergaden erscheint der Tod in gespens- tischem Licht; Jedermann haucht als neu- zeitlicher Schmerzensmann sein Leben vor dem Hochaltar aus, und der Teufel (exzentrisch und expressiv: Thomas Nie- haus) dart sich mit seinen Kapriolen gar auf der Kanzel austoben. Akustisch war die Aufführung gut ausgesteuert (Ton: Johannes Töllner) mit Ausnahme der Stimmen des Spielansa- gers (Gerhard Olschewski) und des Herrn (Wilhelm Wieben); hier soll aber, so wur- de uns versichert, nach der Premiere nachgebessert worden sein. Was nützt je- doch die beste Microportanlage, wenn nicht überwiegend vorbildlich artikuliert wird! In dieser Hinsicht zeichneten sich insbesondere die weiblichen Darsteller aus: Marianne Schubart-Vibach als des Schuldknechts Weib und als „Werke“; Illa Hedergott als Jedermanns Mutter, Mari- anne Bernhardt als „Buhlschaft“ und als „Glaube“. Knut Schakinnis’ nicht ganz unproblematische Diktion dürfte seiner rheinischen Herkunft zuzuschreiben sein sowie seiner umfangreichen Partie als Je- dermann;: umso eindringlicher machte er im Spiel die Hinfälligkeit und den Verfall des anfangs so unbekümmerten und rück- sichtslosen Frühkapitalisten deutlich. Wie schon im Vorjahr bewährten sich in schon fast karikierender Plastizität Thorsten Oliver Huth als Dicker Vetter sowie Andreas von Steegen als Dünner Vetter und als Armer Nachbar. Ulrich Grawunder gab dem Schulknecht und später dem Mammon eindrucksvoll das erforderliche gegensätzliche Profil. Nicht vergessen seien die tüchtige zehnköpfige Tanzgruppe, die umfangrei- che Statisterie (als „„Tischgesellschatt“ und als „Hansevolk“’) und die drei Kinder, die das Ensemble komplettierten. Allen Beteiligten, zu denen noch zahlreiche Mitarbeiter und Helter gehörten, war der nachhaltige Eindruck einer geschlosse- nen anderthalbstündigen Aufführung (ohne Pause) zu danken. Eine neuerliche Aufführungsserie im nächsten Jahr wäre wünschenswert, zu- mal dann wiederum ein Jubiläum ansteht: 1952 fand hier die Jedermann-Aufkfüh- rung mit dem legendären Vasa Hochmann in der Titelrolle statt. Klaus Brenneke Viel Beifall für die Lübecker Sommerdoperette Eine schöne neue Spielstätte für Freilichtaufführungen hat Intendant Mi- chael P. Schulz für die Lübecker Sommer- operette entdeckt, nachdem er die Frei- lichtbühne am Wall verlassen musste und danach im Domhot spielte. Der Schulhot des Johanneums erwies sich nun in seiner Geschlossenheit und seinem schönen Baumbestand als nahezu idealer Platz. Abgesehen von der verkehrsgünstigen Lage und den vorhandenen Parkplätzen am Kanal bietet dieser in sich abgeschlos- sene Raum genügend Platz für eine ange- messene Zahl von Besuchern, für die kei- ne Tribüne benötigt wird. Von allen Plät- zen kann das Spiel gesehen werden, die Akustik erwies sich ebenfalls als gut. So konnte Schulz seinen berechtigten Dank an die Hansestadt (Bereich Kunst und Kultur) richten. die ihm diese Auffüh- rungsstätte erschlossen hat. Die notwen- digen Nebenräume, die alte Turnhalle als Künstlergarderobe und die schön reno- vierte Remise für die Pausenerfrischun- gen, erleichtern die Organisation der Ins- zenierungen. Es bleibt zu hoffen, dass der Johanneumshot auch in den folgenden Jahren bespielt werden kann und dass die Förderer, Possehlstiftune. Loge ,.Zur Weltkugel“. Verband Frau und Kultur, Lübecker Ballettfreunde und die Gemein- nützige, dem Unternehmen gewogen bleiben. Der Dank der Operettenkreunde ist ih- nen gewiss. Die Sommeroperette jeden- falls ist zu einer Institution geworden., die vom Publikum gewürdigt wird. 89 % der Karten wurden für die Musikveransta]- tungen einschließlich Operettengala ab- gesetzt, und trotz des kühlen und regneri- schen Sommers konnten alle geplanten Aufführungen ohne Abstriche durchge- führt werden. Die Besucherzahl stieg an und bescherte eine überfüllte Schlussvor- stellung! Schulz hatte in diesem Jahr Emmerich Kälmáns „Die Czärdäásfürstin“ ausge- wählt und damit für sein Ensemble einen guten Grikk getan. Die Rollen waren mit den bewährten Sängerinnen und Sängern sehr gut besetzt. Die ausgezeichneten ru- mänischen Tänzerinnen und. Tänzer wa- ren wieder nach Lübeck gekommen, und Roberto Seidel bot eine sichere musikali- sche Leitung zusammen mit dem präzig und gefühlvoll spielenden Orchester. Für das nächste Jahr kündigt Michael] P. Schulz Offenbachs Meisterwerk ..Or- pheus in der Unterwelt“ an, er wird sich nicht über mangelndes Interesse beklagen können. Die Zustimmung des Publikums in diesem Jahr war, am Beifall Lemessen, jedenfalls großartig. Hans-Jürgen Wille Schwankhafte Komik mit bitterböser Satire Das Stück, von dem im Folgenden die Rede sein soll, wurde an vier Abenden der ausgehenden Saison 2000/2001 im Studio des Lübecker Theaters aufgeführt. Ob- wohl es nicht in die neue Saison über- nommen worden ist, möchten wir der Ins- zenierung Nils Düwells einige Zeilen widmen, weil sie einem Stück galt, das in seiner Machart geradezu fürs Studio prä- destiniert ist. Der Autor? Oliver Bukowski. Er ist in Lübeck kein Unbekannter. Vor einigen Jahren wurde im Studio „„Die Halbwert- zeit der Kanarienvögel“ vorgestellt, eine Farce im DDR-Mlilieu. und im Rahmen des Norddeutschen Theatertreffens gas- tierte das Staatstheater Braunschweig mit einer Vraufführung, „Gäste“. Hier wie dort verband sich schwankhafte Komik mit bitterböser GesellschÄktssatire und ei- nem bodennahen Realismus à la Franz Xaver Kroetz. 228 Lübeckische Blätter 2001/14 R I cher Pon der v dies: sche derl: Hau Nac! durc folg man öfkn den, neur viel körp Trag froh Ehe] won Gret I Übe: sicht besc eher durc insb nigk: gebl hat t seiti. men den wick meh Roll hunc anzu \ die ( kum MI Zei in § dien sein ke c Kon wöh. Hyn mit tersc weg! time („„De rung Lübec
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