Full text: Lübeckische Blätter. 2001 (166)

Literatur hatte Wächter alle verfüg- und engagier- baren Kräfte aufgeboten, darunter 4 Hör- ner, wechselnd mit 4 Wagner-Tuben, 2 Harken. dreifache Holzbläser mit Kontra- kagott und eine Streicherschar,. deren so- norer Klang dem Werk zu gewaltigen Steigerungsmöglichkeiten verhalt. Das übergroße Ensemble zusammenzuhalten, zu führen und die Komposition über- schaubar zu machen, entsprach offen- sichtlich der Ambition und dem Kunst- vermögen des Dirigenten. Waren die ers- ten Sätze von Niedergeschlagenheit und Zurückhaltung überschattet, wandelte sich der Eindruck im Adagio und wurde von Wächter im keierlichen Finalsatz zu strahlendem Ausklang geführt: Abbild ei- ner künstlerischen Tätigkeit von gestal- tender Kratt. Während das Orchester im I. Satz noch etwas zögerlich den ausladenden Gesten des Dirigenten folgte - mit vor- ausschauender Sicherheit lenkte er es 80 Minuten auswendig! -, reagierte es vom 2. Satz an synchron auf feinste Nuancen. Ist der Gedanke zu gefühlsbetont, wenn man in dieser (Sonntagsvormittags-Auf- kührung) von Wächters Wirken in unserer Stadt erken- nen konnte: I. Satz: Erringen der Positi- eine Widerspiegelung rm t Über zwölf Jahre leitete GMD Erich Wächter das Philharmonische Orchester Lübeck mit wachsenden Erfolgen on; 2. Satz: intensive Orchesterarbeit; 3. Satz: Abschied und Vorausschau; Final- satz: Standing ovations? So wurde dieses Abschiedkonzert nicht nur zum Gleichnis schöpferischer Aussage eines romanti- schen Komponisten. sondern auch zur Krönung der Tätigkeit eines Nachschaf- kenden, an der alle Beteiligten ihren An- teil hatten, wenn sie Klangsinn, Intonati- on, Dynamik, Technik und Tonqualität vereinigten. Als sich nach dem Fugato die Themen türmten, prunkende Bläser mit dem Strei- cherchor um Leuchtkraft rangen, waren Dirigent und seine Mannschaft in ihrem Element. Dass auf diese großartige Ge- meinschattsleistung langer Beitall folgte. war zu erwarten, weil berechtigt und an- gebracht. Generalintendant Marc Adam sprach den Zuhörern aus dem Herzen: Dank, vielen Dank, Erich Wächter! Hans Mlillieg LITERATUR . THEATER . MUSIK . AUSSTELLUNGEN . VERANSTALTUNGEN C K R N C Literatur Wirken Erich Mühsams unter neuen Aspekten Die Erich-Mühsam-Gesellschaft hat ein neues Mühsam-Magazin vorgelegt: Heft 9. Das Magazin will die Aktualität Erich Mühsams deutlich machen und geht vielfältigen Spuren seines Wirkens nach. Zunächst enthält das Heft vier Texte aus den 20er/Anfang 30er Jahren (drei von Erich Mühsam. einer von Rudolf Ro- cker aus Mühsams .Fanal‘’). die sich mit dem Autkommen des Nationalsozialis- mus beschäftigen. „Eine moralisch zer- mürbte Masse. die jedes Haltes beraubt ist und mit ihrer Existenz sozusagen in der Luft hängt, ist das sicherste Opker für jede Demagogie, die ihr die größten Ver- sprechen macht.“ (Rocker) Die Texte sind auf eine beklemmende Weise aktuell. Außerdem enthält das Heft Texte Erich Mühsams. die bisher nicht bekannt waren. Dazu zählt ein früher Text, in dem sich der angehende Apotheker mit der Medizin beschäftigt („Die Kurpfuscher“). Außerdem wird eine Karte an Sigmund Freud abgedruckt und erläutert. Im Mittelpunkt der Publikation steht die Dokumentation und Analyse des Ver- hältnisses Mühsams zu verschiedenen Persönlichkeiten, die das Jahrhundert ge- prägt haben. So wird Mühsams Verhältnis zu Senna Hoy (von Hans J. Schönfeld aus Berlin), zu Sigmund Freud (von Gottfried Heuer aus London), zu Emmy Ball-Hen- nings (von Bärbel Reetzs aus Kiel), zu Oskar Maria Grat (von Ullrich Dittmann aus München) mit viel Quellenmaterial beleuchtet. Besonders interessant sind die Briete Emmy Hennings’ an Ninon Hesse aus dem Jahr 1934. Emmy Hennings, vor dem I. Weltkrieg zeitweise die Geliebte Mühsams, hatte später eine sehr freund- schaftliche Beziehung zu den Hesses. Sie setzt sich - über Frau Hesse - bei Her- mann Hesse dafür ein, dass dieser seinen Einkluss für die Freilassung Erich Müh- sams aus dem KZ geltend machen solle, was dieser aber nicht aufgreift. Die ent- sprechenden Brieke Emmy Hennings’ sind ein ergreikendes Dokument. Beson- ders interessant ist ein von ihr verfasster Lebenslauf Erich Mühsams. Zwei Autoren beschäftigen sich mit besonderen Aspekten des Werks Müh- sams und seiner Zeit. Zum einen wird am Beispiel Gustav Landauers der Frage der Beziehung zwischen anarchistischem So- zialisimus und Christentum nachgegan- gen. Zum anderen wird das Frauenbild zy Anfang des Jahrhunderts analysiert und Erich Mühsams ambivalentes Verhältnis zur Frage der Emanzipation der Frau. Im Weiteren dokumentiert das Heft ei- nige Beispiele der Fortwirkung Erich Mühsams in unserer Zeit. Dazu gehört die 24-stündige Lesung am Grab Erich Müh- sams und die Benennung einer Stralße in Lübeck nach Erich Mühsam. Außerdem wird von Thomas Dörr (Hamburg) die Diskussion um die Interpretation des Werks von A. Paul Weber#ortgesetzt. Wie ist es möglich, dass ein rechtskonservati- ver, nationalistischer und antisemitischer 210 Lübeckische Blätter 2001/13 Künst schen werde 11 Ab Mu Kan Rari M das Z die X sellsc! geben ist die ßem k vate I Herm von Hörgeé auch um sc kig ge verste |. A M von § A. Sc vierdi Speid men u setzte sie al einer Verpt zusan endl. 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