Full text: Lübeckische Blätter. 2000 (165)

[Lastrog- mach- n zum ischen )strakt ich in utsch- e My- ologie h sei- e Füh- | Goe- chrift- m.. 2000/15 Goethe, der für die deutschen Schrift- eller ein ödipales Dilemma bedeutete, wurde für Thomas Mann zum Vater-Ima- o:: Der „]Jocl in Venedig“ war zunächst >. Goethe-Novelle konzipiert. Es erfolg- . schließlich die „unio mystica“ mit Goe- the. der Hass aut das Vater-Imago wurde | qunn auf Heinrich umgeleitet. Die Goe- 1he-Imitatio entwickelte sich für ihn zum jebensprinzip. Die Musik erfuhr durch ¡hn Hingabe, Huldigung und Verwerfung. fr erkannte deren romantische Dämonie. geine Werke wurden als gute Partituren vedeutet, die Kritik lobte seine rhyth- misch-musikalische Erzählweise. Thomas Mann versteht die Musik als paradigma der Kunst: Musik und Ironie, mythos und Psychologie. Die Leitmotiv- technik prägt seine und Wagners Werke. pie Musik ist mit der Macht der Erotik verbunden und symbolisiert im Sinne der Dekadenzliteratur die Krankheit zum Tode. Thomas Mann betont aber auch die heilige Seite der Musik, die Moral werde zur Form. Die Musik erscheint als Chiffre der Sünde und Erotik. Der Pakt mit Hitler. Jer Teufelspakt, ist ein Vertrag mit der Banalität und Infamie des Bösen. Die Wi- dersprüche bezüglich der Deutung der Musik bleiben: handelt es sich um einen heiligen Grundtypus der Kunst oder um Teufelswerk wie im „Dr. Faustus‘? Rainer Luxems nuancierte Lesung aus der Rede „Deutschland und die Deut- schen“ (1945) und den 1918 erschienenen Betrachtungen eines Unpolitischen“ er- vänzte den fundierten, sprachlich virtuo- kn und leitmotivisch durchkomponierten Vortras Hanjo Kestings. Die Matinée wurde mit der Sonate für Violine und Kla- vier A-Dur César Francks beschlossen, dem sich Tnomas Mann seelisch sehr ver- wandt fühlte. Sensualismus und Chroma- ik prägen dieses Musikstück. Der Fchriftsteller hätte gern wie der französi- sche Meister komponiert. Ruxandra Con- stantinovici (Violine) und Cristian Beldi (Klavier) spielten inspiriert und beseelt. Lutz Gallinat Theater Theater Combinale: Cyrano von Joe Roets Das Mantel- und Degenstück „Cyrano de Bergerac“ von Edmond Rostand ge- hört seit seiner Vraufführung vor gut hun- dert Janren zum Repertoire fast aller Büh- nen, ist oft verfilmt und flimmerte in sei- ner letzten Version mit Gérard Depardieu auch mehrfach über die deutschen Bild- schirme. Nun, dieses realistisch angelegte Illusionstheater Passt weder in noch zur Kleinkunstbühne des Combinale im Hin- terhok der Hüxstraße, wohl aber die im Sinne Brechts episch angelegte Dreiper- sonen-Fassung des Flamen Joe Roets. Die Story und die Konstellation der Charakte- re bleiben dabei dieselbe wie bei Rostand. Die beiden Figuren neben dem Titelhel- den übernehmen mehrere Rollen, erzäh- lende Überleitungen sparen Nebenhand- lungen. Wolfgang Bruns vom Combinale-En- semble hat in seiner Regie den offenen Ansatz des Stücks konsequent umgesetzt, das Publikum permanent einbezogen, nicht nur durch direktes Ansprechen, auch die Wandlungen und Verwandlun- gen vollziehen sich auf der Szene, die Ge- räuschkulisse wird von den Akteuren wit- zig und gekonnt produziert, und das Aus- steigen aus dem historischen Kontext - wie z. B. das „Zitat“ der Bug-Geste aus dem Titanic-Film oder Cole Porters Film- schlagerduett „True Love“ halten beim Publikum das Bewusstsein des ,„Nur- Spielens“ wach. Christian Vittinghokks Bühne besteht außer Podest und schrä- gem „Himmel“ wesentlich aus drei Ki- sten, die als Bank, als Badewanne oder auch aufgetürmt als Balkon dienen. Die Personen spielen nicht nur im, sondern entsprechend der Regiekonzeption auch mit dem Bühnenbild, das Marina Siemens mit ihrer Beleuchtung verstärkt. Die turbulente Fechtszene - einstu- diert von Jens Wesemann - zu Beginn des Spiels bringt mit Tempo und Artistik gleich Schwung in die Aufführung. bevor sich das Geschehen auf die Liebesge- schichte konzentriert. Thomas Linke spielt einen überzeu- genden Cyrano, er beherrscht die LELEN- sätzlichen Charakterzüge des einerseits urigen Raufboldes und andrerseits emp- kindsamen und verletzlichen Poeten mit allen Zwischentönen und variierendem Tempo. Für Antonia von Romatowski - sie spielt neben einigen anderen kleinen Figuren die Roxane - und Elmar Schu- bert, der mehrere wichtige Rollen über- nimmt, hauptsächlich aber den von Roxa- ne geliebten Christian, der sich Cyranos Worte leiht, um sie zu gewinnen, für diese beiden sind es nach ihren Ausbildungen die ersten großen Aufgaben - ein gelun- genes „casting“, wie man es modern nennt. Antonia von Romatowski ist eine etwas kühle Roxane - bis sie in der letz- ten Szene - hier erkennt sie ihren wahren Geliebten - ihr Gefühl ausbrechen lässt. Sie beherrscht ihr künstlerisches Hand- Theater werk in Ton und Geste, singt gut und Prä- zise. Ähnliches gilt für ihren Partner El- mar Schubert, der die schnellen Rollen- wechsel bemerkenswert sicher bewältigt. In dieser Aufführung gibt es keine Pause, und da die Geschichte von Cyrano dem Publikum weitgehend bekannt ist, kommt es weniger auf das Was an, son- dern auf das Wie der Darstellung. Tempo- wechsel, Variationen im Ton. gekonntes stummes Spiel ohne „Löcher“ halten die innere Spannung der Zuschauer. Lachen uncl Mitgefühl, Ironie und Sentimentales wechseln einander ab zu einer anspruchs- vollen Unterhaltung. Bei der Premiere gab es ein Dutzend „Vorhänge“ und Bravo-Rufe. Zu Recht. Rudolf Höppner Spannende Thematik im „Theater partout‘ Eine ergreifende Aufführung erlebten die meist jugendlichen Zuschauer im Lü- becker „theater partout“. Die Kinder- Schauspielschule Lübeck zeigte unter der Leitung Johannes Kritzingers und Uli Sandaus das Stück „Was istlos mit Daniela Dunoz?“ von Suzanne van Lohuizen. Die I15- bis 20-jährigen Schauspiel- Eleven der Lübecker Musikschule im Ro- sengarten präsentierten auch in diesem Jahr wieder einen spannenden Theater- abend. Das Stück der niederländischen Autorin basiert auf einem authentischen Fall in Argentinien, wo eine Frau., die etli- chen Straßenkindern ein Zuhause gab, der öffentlichen Empörung ausgesetzt war, als bekannt wurde, dass sie als Mann ge- boren war. Die Autorin beschreibt den gesell- schaftlichen Spießrutenlauf aus der Sicht der halbwüchsigen Zöglinge Armando und Emma. Die beiden Jugendlichen se- hen sich plötzlich mit der ganzen Härte der Gesellschaft konfrontiert, die kein Pardon kennt, wo Mitmenschlichkeit und Nächstenliebe nichts mehr zählt, wenn es um Verletzung gesellschaftlicher Normen und Geschlechterrollen geht. Als die Mutter in die Mühlen männli- cher Justiz gerät, müssen beide versu- chen, sich im Lichte öffentlicher Zur- schaustellung zu behaupten und ihre Zu- neigung zur Mutter zu verteidigen. „Was ist los mit Daniela Dunoz?“ stellt ein spannendes Stück Zeitgeschichte dar, das durch seinen dramaturgischen Stil die Thematik behutsam und spielerisch aus- lotet und den Zuschauer ermuntert, sich ein eigenes Urteil zu bilden. Bei der ge- schlossen guten und engagierten Auffüh- Lüibeckische Blätter 2000/15 241
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