Full text: Lübeckische Blätter. 2000 (165)

gesümee des Symposions „Raum und Ritual“ i n der Petrikirche Symposion Raum und Ritual Per Kirchenraum als Vertrauenszone un iten hier an den lung, oder lch ch iy Ig aq 1 mi aube, tzten 2000/ pas Symposion „Raum und Ritual“ im Rahmen der ,, Woche hinaus gefunden. Die Thematik soll in zwei abschlie lieser Veranstaltung grundlegend gerecht zu werder walter Sparn gynkretismus ist die Zukunkt Jer Religion Walter Sparn, Professor für systhema- jsche Theologie in Erlangen, entwickelte jen Reichtum seiner Gedanken auf der ßasis seiner souverän-wissenschaftlichen fuchkompetenz. So konnte es ihm gelin- „et; der Provokation seines Themas qurch Rückgriff auf kirchengeschichtli- che Entwicklungen und Vorgriff auf in ih- nen angelegte Tendenzen eine angemes- gene, wissenschaftlich fundierte Reso- nanz zu geben. Der unbetfangene Zuhörer musste sich natürlich fragen: „Wieso liegt im Synkre- jismus die Zukunft der Religion? Bedeu- let nicht Synkretismus eine gewisse Be- jiebigkeit gegenüber Glaubensfragen?“ Walter Sparn wies auch darauf hin, dass mit dem Begriff „Synkretismus“ die Reli- jonswissenschaften die religiöse Situati- on der griechischrömischen Antike kenn- zeichnete. Das Völkergemisch der dama- ligen Zeit artikulierte sich in der Verknüp- fung verschiedener religiöser Traditio- nen, Praktiken und Uberzeugungen. Wal- ler Sparn diagnostizierte für die heutige Jeit eine ganz ähnliche Situation, in der die Grenzen zwischen Religion und Welt- mschauung sich verflüssigen und „Relig- josität“ das neuzeitliche Wort für Religi- on sei. Die überraschende These Malter gparns ist nun die, dass es einen Synkre- . tismus innerhalb des Christentums gebe. Fr nannte dieses „einen binnenperspekti- vischen Synkretismus im Christentum“. Bemerkenswert ist es, dass der Synkretis- musbegrikfk in der religionsgeschichtli- chen Schule des frühen 20. Jahrhunderts nicht nur auf die Umwelt des frühen Chri- ztentums, sondern auf das Profil des Chri- gtentums selbst angewandt wurde. Diese Schule vertrat die These: „Das Christen- um ist eine synkretistische Religion“. Bekannte Vertreter dieser These waren Adolf Harnack, Rudolf Bultmann und E. . von Günter Kohfeldt Käsemann. Nach Walter Sparn ist nicht zu leugnen, dass die frühe Gestalt des Christentums das Ergebnis vielfältiger Austausch- und Verknüpfungsprozesse mit der damaligen buntscheckigen Um- welt sei. Als Beispiel nannte er das Johan- nes-Evangelium, dessen Logosbegrifk letztlich auf Heraklit, die Stoa und Philo von Alexandrien zurückgeht. Auch das Programm des Paulus, „den Juden ein Jude, den Heiden ein Heide“ zu sein, (J. Korinther 29) subsumierte er dem Begriff „Synkretismus“. Für mich am überzeugendsten legte Walter Sparn seine These zum Synkcretis- mus im Christentum am Beispiel der Ka- nonbildung dar. Zwar bedeutet der Kano- nisierungsprozess sowohl im Juden- wie im Christentum eine Abgrenzung gegen- über Andersgläubigen, vor allem eine Grenzziehung zwischen dem Heiligen und Profanen. Aber Kanonbildung lege nicht religiöse und kulturelle Produktivi- tät lahm. Entscheidend ist nun folgender Gedanke: „Der Bibelkanon nötigt zur Er- innerung durch Aneignen des Verstehens und ermächtigt in eins damit zur Ausle- gungskunst, zur Hermeneutik“. Damit aber impliziert der Prozess der Herme- neutik eine „grundlegende Verzeitlichung von Religion“. Walter Sparn wies nun darauf hin, dass die neutestamentliche Kanonbildung ein komplexer Prozess sei, in dem sich drei kanonische Instanzen bildeten: das bischöfliche Auslegungsamt, die kirchli- chen Symbole und eben der Corpus der kanonischen Schriften. Als ein Wesens- merkmal des Traditionsprozesses kenn- zeichnete Walter Sparn den „.hermeneuti- schen Imperativ“. Er fordert, „„die Heilige Schrift im Horizont der jeweiligen Zeit auszulegen und anzueignen“. Mit diesem Gedanken ist auf eine zukunkftserschlie- Bende hermeneutische Dynamik im Chri- stentum hingewiesen. Sie bedient sich des philologischen Kommentars, der Poesie, der Musik und der bildenden Kunst. Die Konsequenz dieses Gedankens mündete in der Aussage, dass .religiöse Differenz der Engel“ hat ein nachhaltiges Echo weit über Lübecks Grenzen Benden Beiträgen noch einmal wieder aufgegriffen werden, um der Bedeutung und ihre synkretistische Bearbeitung ein konstitutives Moment religiöser Identi- tät‘! sei. Das Moment der Zukuntt erschließen- den Dynamik des hermeneutischen Impe- tus sieht Walter Sparn im reformatori- schen Christentum als seine wesentliche Intention gegeben. Das reformatorische Christentum sei grundsätzlich plural ver- fasst. Es beruhe auf einer Dekanonisie- rung der lehramtlich institutionell verfas- sten Autorität und bekenne sich zu einer Rekanonisierung der Heiligen Schrift. Walter Sparn betonte. dass sein Syn- kretismus-Begriff nicht mit Eklektik zu verwechseln sei im Sinne einer individua- listischen Beliebigkeit einer Religion. Christliche Identität verliere den positi- ven Sinn, wenn sie sich von der Überlie- ferungs- und Auslegungsgemeinschaft des Christentums abkoppele. Wie aber begegnet diese Überlieferungs- und Aus- legungsgemeinschaft? Selbstverständlich in der Kirche. aber nicht als statische In- stitution, sondern in ihrer kulturellen Ausbildung. wie sie etwa im Kirchen- raum erlebbar ist. In diesem Sinne aber sieht Walter Sparn den ..ästhetischen Aspekt dieses Raumes. an dem christliche Identität und christlicher Synkretismus gleichermaßen zur Darstellung kom- men“. Vor allem aber sieht Walter Sparn den Kultus im sakralen Raum als etwas. „in dem das Christentum sich in seiner synkretismusfähigen Identität jedesmal erneuert“. Mit der Hinwendung zum kultischen Vollzug verbindet sich für Walter Sparn unmittelbar das Bekenntnis zur Realprä- senz Christi im Empfang von Brot und Wein. Mit diesem Bekenntnis ist ein Syn- kretismus im Sinne von Beliebigkeit ab- gewiesen. Walter Sparn machte darauf aufmerksam. dass nach reformatorischer Auffassung zwar die substantielle Heilig- keit von Räumen abgelehnt werde. jedoch dürfe der Kirchenraum nicht auf einen geistenleerten Versammlungsraum redu- ziert werden. Im kultischen Vollzug er- eigne sich im Kontinuum von Wort und Lübeckische Blätter 2000/9 133
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