Full text: Lübeckische Blätter. 2000 (165)

Gewerkschaftshaus erklärt und manifestiert, ohne dass diese nichts, oder nur sehr wenig mit den Erfor- dernissen und Unabdingbarkeiten eines pulsierenden und funktionierenden Ober- zentrums mit Anspruch auf Wettbewerbs- und Innovationsfähigkeit zu tun haben. Die erklärten Ziele - so wie das Ziel- szenario im VEP - belegen, dass reale Gegebenheiten zugunsten abstrakter Vi- sionen negiert und in die Planungen nicht mit einbezogen werden. Visionen sind vom Grundsatz her nicht gleich zu verwerten, aber sie müs- sen auf realen Gegebenheiten fußen, aus diesen heraus formuliert werden, sich an diesen orientieren und zu deren Weiter- entwicklung beitragen. Der VEP in seiner Gesamtheit lässt den Schluss zu, dass das notwendige Maß an Ausgewogenheit nicht gefunden wur- de. Einseitig wird zu Lasten des MIV und des Wirtschaftsverkehrs in die Verkehrs- planung bzw. Verkehrsinfkrastruktur der Hansestadt Lübeck eingegriffen. Lübeck kann es sich nicht leisten, fernab von gut und böse, im Elkenbein- turm sitzend Zukunftsszenarien zu be- schreiben und umzusetzen, die unweiger- lich zur Negativentwicklung der „„Köni- gin der Hanse“ beitragen. Lübeck hat beste Chancen und ein ausreichendes Potential seinem Anspruch als Oberzentrum gerecht zu werden und seine Wettbewerbsfähigkeit weiter zu entwickeln. Aber bei der jetzigen verwal- tungspolitischen Weichenstellung in Sa- chen Verkehrsentwicklungsplan muss Lü- beck aufpassen, nicht zur Kreisstadt zu werden. Die Folgen, die hier zu erwarten sind, wurden schon auf der Veranstaltung am 17. Februar in der MuK skizziert: Kun- denströme werden zu besser erreichbaren Einzelhandelsstandorten abwandern, Ge- werbeansiedlungen werden nur noch pe- ripher erfolgen, und die Wirtschaft wird ein weiteres Mal mit den Folgen verkehl- ter Stadtpolitik zu kämpfen haben. Ein Zuhörer beschrieb das Dilemma während der Vorstellung des VEP in der Muk so: „Wenn dieser Verkehrsentwick- lungsplan umgesetzt wird, dann fahren im Jahr 2010 alle auf der A 20 an Lübeck vorbei nach Schwerin ins Schloss-Park- Center.“ Wenn nicht anders gekennzeichnet, alle Zitate aus: „Verkehrsentwicklungsplan der Hanse- stadt Lübeck“ - Schlussbericht, Sept. 1999 - Vorabzug siehe S. 38, Verkehrsentwicklungsplan Hanse- stadt Lübeck, Kurzfassung, Fachbereich Stadt- planung, Lübeck plant und baut, Heft 80/Feb. 2000 Das Gewerkschaftshaus in der Dr.-Julius-Leber-Straße von Otto Wiehmann Nur noch wenige Lübecker werden sich an das alte Gewerkschaftshaus in der Johannisstraße (heute Dr.-Julius-Leber- Straße) erinnern. denn vor gut vierzig Jahren wurde das heutige Gewerkschafts- haus am Holstentorplatz seiner Bestim- mung übergeben. Bei der Einweihung des neuen Saales im Gewerkschattshaus, Jo- hannisstraße. am 8. Oktober 1930 führte das Mitglied der Baukommission Adolf Kleinkfeldt aus: „Wir hätten lieber gese- hen, dass wir an hervorragender Stelle Lübecks das Haus hätten errichten kön- nen, aber alle unsere Pläne scheiterten an der Platzfrage.“ Es mussten noch 27 Jahre vergehen - darunter die Zeit von 1933 bis 1945 - bis dieser Wunschtraum in Erfül- lung gehen konnte. Bei der Einweihung am I. Oktober 1957 dankte der Vorsitzen- de des DGB-Landesbezirks Nordmark Wilhelm Walter der Stadt Lübeck, dass sie diesen hervorragenden Platz (am Hol- stentor) für das neue Gewerkschaftshaus freigegeben habe. Sinn dieser Zeilen ist es, an das alte Gewerkschaftsnaus zu erinnern, dem „Haus der Lübecker Arbeiter“, „Kampfkfstätte der Lübecker Gewerk- schaften“. Heute gehört das Gebäude der Lübecker Stadtverwaltung. Jeder Lübek- ker kennt es, beherbergt es doch das Ord- nungsamt mit dem Einwohnermeldeamt, dem Passamt und dem Fundbüro. Nach Aufhebung des Sozialistenge- setzes im Jahre 1890 machte sich ganz der besonders eine Erstarkung der gewerk- schaftlichen wie der politischen Arbeiter- bewegung bemerkbar. Die Arbeiterschaft musste manche Schikane der Saalbesitzer über sich ergehen lassen, wenn sie eines Versammlungsraumes bedurfte, und oft erforderte es heftige Kämpke, ja monate- langes Boykottieren einzelner Betriebe, um die Saalbesitzer gefügig zu machen. Im Jahre 1896 beabsichtigte die Lübecker Genossenschafts-Bäckerei - die erste Ar- beitergenossenschaft Lübecks, 1889, - im Zentrum der Stadt eine Haupt- filiale zu errichten. In diesem Zusammen- hang wurde auch die Lokalfrage, die für die Genossenschafts-Bäckerei, die Ge- werkschaften und die politische Arbeiter- partei nicht immer einfach zu lösen war, erörtert, mit dem Ergebnis, dass ein ge- LELT. STS eignetes Grundstück erworben werden sollte, um der Lübecker Arbeiterschah ein Heim zu geben. Wie die Gewerx. schaften stets hinter der Genossenschatt;. Bäckerei gestanden hatten, erschien & andererseits der Genossenschafts-Bäcks. rei nur als billig. hier helkend einzugrej. ken, zumal sie ja selbst eines Lokals h;. durkte. Das Grundstück Johannisstraße () konnte von der Witwe Charlotte Fehling geb. Harms, für 72 000 M gekauft wer. den. Im Mai legte der Architekt Hahn den Riss zum Umbau des Vorderhauses unq für den Neubau eines Flügels vor;: dafür mussten 15 000 M aukgewendet werden Die nicht für die Verkaufsstelle benötig. ten Räume des Erdgeschosses einschließ. lich des Flügels wurden an die Buchhang. lung und Druckerei von Friedr. Meyer g Co. vermietet. Hier erschien die sozialde. mokratische Tageszeitung „Lübechke, Volksbote“, die Firma wurde spite; geändert in „Wullenwever-Druckverlag GmbH“. Die anderen Räume des Hauses darunter ein kleiner Saal im ersten Stock wurden zu einem Wirtschaftsbetrieb ein. gerichtet und an das Vorstandsmitglieg der Genossenschatts-Bäckerei Peter Pape verpachtet. „Bei Besprechung über den Namen der Wirtschaft wurde selbige, Vereinshaus getauft“, wie aus dem Protg. koll des Autksichtsrats vom 20. Nov. 1896 zu entnehmen ist. Zu Weihnachten 189s wurde der Wirtschaftsbetrieb eröffnet. Am 23. April 1897 konnte die Geng; senschafts-Bäckerei erstmals eine Gene. ralversammlung in ihrem eigenen Hause abhalten. Bald zeigte sich das Bedürfnjz nach Erweiterung des Vereinshauses. An 25. Juli 1898 beauftragte die Generalver. sammlung den Vorstand und den Aut. sichtsrat, zu beraten, ob es möglich sei. dieses Lokal zu vergrößern. Bereits am 4 August legte der Vorstand zwei Projekte vor: I. Bau eines Saales im Garten. Nut- zung der an die Fa. Friedrich Meyer & Co. vermieteten Räume und ein entspre- chender Umbau. 2. Erwerb eines Nach- bargrundstücks. Nach längerer Diskussj. on wurde der Vorstand beauftragt, sich zy erkundigen, ob das im Besitz des Sena- tors Eschenburg befindliche Grundstück Johannisstraße 52 zu kaufen sei. Am 22. 104 Lübeckische Blätter 20007 - august b. pape: dass go lange é agegen § qück (Joh ;6 000 M: jungen de gjchtsrat V qücks abg nueikelt w jher den § hurgs liegé det sich in cchakts-Bä Nachde kauk des de, wurd versamn stücks Ic len.“ Die Un m 3. Juli Die Ve Jes Saales jen Julius 1899, nach qjatt einer jonstruktic je der Bau gust 1900 ' yar der scl jukzuweise hen und g: vornenmen Raum kür Jungen“, h 10-jähriger cchafts-Bä neuen Saal m die vel Jit Verla Halle nicht Raum erkü drückung u riergenerat ztritt sich u und schnel Ideale. Di proletariscl den zusam debour, S. scheid, Wit nossinnen von Ruf, s! stert von H ren, erzeug glimmten hauchs har Es sei a N. bis 28. terparlamer Parteitag, i Lübeckische BI
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.