Full text: Lübeckische Blätter. 1999 (164)

V Neuerwerbungen 1998 des Museums für Kunst und Kulturgeschichte Abbildung 11: Bernd Rose, ,„„Katzen, Spuren ihrer Tatzen“, 1997 sind sehr froh, daß wir nun neben zwei früheren Arbeiten von Bernd Rose und denen seiner Frau, die wir 1995 erwarben, auch ein Blatt der jüngsten Produktion besitzen. Ausstellungen bereichern uns und die Kunstfreunde in unserer Stadt aber nicht nur, weil sie uns mehr Wissen um einen Gegenstand vermitteln, sondern auch, weil durch sie oft genug fremde Stücke ins Haus kommen, die so anregend sind, daß auch wir gern etwas Vergleichbares in unserer Sammlung gezeigt hätten. Dies geht natürlich nicht immer, aber dann und wann lacht uns das Glück: In der Ausstel- lung „Der Frauen Zier“ 1997/1998, für die Hildegard Vogeler im wesentlichen verantwortlich war, glänzte eine Privat- sammlung mit Stücken aus Knochen. War das Material an sich schon außergewöhn- lich, so waren es noch mehr die Gegen- stände selbst, die zur Ausstattung einer Dame mit gehobenen Ansprüchen im 18. Jahrhundert für notwendig erachtet wurden. Wir baten also den Sammler und Kenner der Materie, ein Stück für das Lü- becker Museum zu erwerben. Wir besa- Ben schon - ebenfalls von ihm 1991 er- worben - eine Flohfalle. Dieses Mal fas- zinierte uns besonders ein Grillenkäfig. Einen solchen konnte er für uns autftrei- ben (Abbildung 12). Zwar ist uns die Funktion eines Grillenkäfigs noch nicht klar, aber aus der Mühe, die man auf sol- che kleinen Kunstwerke verwandte, kann man auf eine besondere Bedeutung schließen. Ob auch dieser Grillenkäfig mit dem florentiner ..festa del grillo“. das man am Himmelfahrtstag feiert und an dem man Grillen in Käfigen vors Fenster Abbildung 12: Grillenkäfig, Süddeutsch- land, Ende des 18. oder Beginn des 19. Jahrhunderts hängt. zu tun hat? Das Stück an sich ist schon interessant, es ist es noch mehr, weil seine Bedeutung erforscht werden will. Tatsächlich vereinigt der Grillenkä- fig, der gerade 60 Millimeter in der Länge mißt und einen Durchmesser von 25 Mil- limeter hat. ein hohes Maß an Schmuck- freude mit handwerklichem Können. Na- türlich ist das Kunstwerk weder signiert noch datiert; man kann jedoch vermuten, daß es in Süddeutschland und am Ende des 18. oder zu Beginn des 19. Jahrhun- derts entstand. In drei weiteren Fällen half uns eben- falls eine Ausstellung. noch intensiver un- seren schon vorhandenen Bestand durch- zugehen: In den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts erwarb Carl Georg Heise zwei Porzellanfiguren für das Museum, einen „Hahn“ von Arthur Storch und ei- nen „Putto‘ von Paul Scheurich, weil er in den beiden Arbeiten besondere Ausweise der Plastik seiner Zeit sah. Vor allem der „Hahn“ ist ein herausragendes Stück. ein- mal. weil es starke plastische Qualitäten hat. zum anderen, weil es zu einer Deko- ration gehörte. die als „Porzellanpalast“ anläßlich der Frühjahrsmesse 1920 in Leinzig nicht nur der Präsentation Volkstedt-Rudolstädter Arbeiten diente, sondern „wohl in bewußter Anlehnung an den großartigen. doch nie realisierten Ge- danken Augusts des Starken vom japani- schen Palais in Dresden“ geschaffen wur- de. wie es in der Zeitschrift „nord“ im Band 5/1998 heißt. Wenig später erwarb Heise Werke aus Ton von Barlach und Marcks. nach 1986 kamen Beispiele von zeitgenössischer Porzellanplastik aus der Goebel-Galerie hinzu; wir waren also in guter Gesellschaft. als Bettina Zöller-Stock die Ausstellung „.Traumwel- ten - Porzellanfiguren zwischen Jugend- stil und Art Déco“ im Behn-Haus verant- wortlich gestaltete. die wir zum größten Teil dem Berliner Kunstgewerbemuseum verdankten und dessen Stücke besonders schön in den Räumen des klassizistischen Bürgerhauses zur Wirkung kamen. Wir hätten der Rückenstärkung durch Heise eigentlich nicht bedurft; denn die im Behn-Haus ausgestellten Arbeiten wa- ren für sich selbst genommen schon eine kleine Sensation und brauchten eine Rechtfertigung nicht. In ihnen manife- stiert sich nämlich in Themenwahl und künstlerischer Durchbildung etwas an moderner Plastik, das weit hinausgeht über den herrschenden Kitsch. Denn es sind nach der langen Zeit der Reprodukti- on der Porzellanfiguren aus dem 1I18. Jahr- hundert eben die um 1900 geschaffenen Lübeckische Blätter 1999/2 23
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