Full text: Lübeckische Blätter. 1999 (164)

Musik akustischer Clownerie entwickelte, hätte nicht fehlen dürfen. Es ehrt den - konser- vativen - Musikfreunde-Verein, dass er es riskierte, seinen Hörern einen solchen Spaß zu vermitteln, der dank großartiger Bläserleistung zum Ereignis wurde. Der Großeinsatz von Lungenkraft und Spucke hatte sich gelohnt. Hans Mlillies Artemis-Quartett im Kolosseum Musikinteressierte haben den steilen Aufstieg des Artemis-Quartetts von Lü- becks Musikhochschule zur internationa- len Karriere verfolgt. Er ist inm aber nicht in den Schoß gefallen, sondern basiert auf anregendem Studium und Zusammenar- beit mit profilierten Lehrmeistern. Auf diese Weise hat das Quartett einige Werke gemeinsam so intensiv erarbeitet, dass der Zuhörer von derart überzeugender In- terpretation profitiert. Der Rezensent hat kürzlich mehrfach bemängelt, dass Ensembles uneingespielt aufs Podium kamen. Darunter litt dann die erste Darbietung. Beim Auttritt des Artemis-Quartetts konnte davon keine Rede sein. Im Übrigen enthält die Alterie- rung der ersten Geigen besonderen Reiz. Haydns Streichquartett D-Dur erschien im Klang unaufdringlich, und doch er- hielten alle Mitspieler die Möglichkeit, ihr Eigenleben zu führen. Dabei wirkte jedes kleinste Detail ausgefeilt, so dass man besonders an den Variationen reine Freude hatte. Beide Geigen agierten in seltener Präzision - Primaria: Natalia Pri- schepenko. Hinreißend spielfreudig ge- botenes Presto rundete den Vortrag des klassischen Werkes. Es war zu erwarten, dass sich Mozarts vielgeliebtes Klarinettenquintett zu ei- nem Höhepunkt des Abends entwickelte, zumal Lübecks Klarinetten-Dozentin Sa- bine Meyer den Bläserpart übernommen hatte. Inrem geschmeidig, samtenen An- satz und ihrer wie gehauchten Atemfüh- rung ist zu danken, dass durch aufmerksa- mes Zusammenwirken von Solistin und homogener Streicherbegleitung ein Ge- samteindruck entstand, der sich mit Bra- vour hören und sehen lassen konnte. Ein wenig ist die Gruppe der Versuchung er- legen, im klassischen Werk romantisch gefühlvolle Akzente zu setzen. Das aber entspricht heutigem Zeitgeschmack und wurde mit Begeisterung aufgenommen. Im Mittelpunkt des Konzerts stand die Interpretation von Ligetis 2. Streichquar- tett. Man kennt die ungewohnten Eigen- arten, mit denen der ungarische Neutöner 278 seine Orchester-, Chor- und Kammermu- sikwerke ausstattet: Abkehr von serieller Technik und Auflösung von Intervallver- wandschatten, explosionsartig einbre- chende Cluster und klirrende Klangflä- chen gehören zum Arsenal des Komponi- sten, der eine Intonation und Klangfarbe verlangt, wie sie fast nur elektronisch möglich ist, es sei denn durch ungewöhn- liche Handhabung des Bogens. Ligetis Absichten und Ansprüche können nur verwirklicht werden, wenn die Ausfüh- renden mit allen Sinnen und enormer Fin- gertechnik seinen diffizilen Notentext meistern. Das war bei dieser Gruppe der Fall und muss hoch anerkannt werden - Primarius: Heime Müller. Die Darbietung wird selbst jene überzeugt haben, die zeit- genössischer Musik kritisch gegenüber- stehen. Kurze Werkeinführung durch den Bratschisten bewies, wie sehr sich das Quartett mit dem geistigen Gehalt und dem Anliegen des Komponisten beschäf- tigt hat. Wenn sich auch der erregende Eindruck schnell verflüchtigen mag und man dem rauschenden Beifall nicht ganz trauen kann: es war eine faszinierende Leistung, mit der sich das Ensemble ei- nen Namen machen wird. Hans Mlillies 1. Abonnementskonzert des Sinfonieorchesters des Norddeutschen Rundfunks Das I. Konzert mit dem Sinfonieor- chester des Norddeutschen Rundfunks in dieser Saison am 12. Oktober besaß ein aut Russisches ausgerichtetes Programm, sowohl in der Werkfolge als auch bei den Ausführenden. Denn mit Tschaikowsky und Schostakowitsch bestimmten neben dem lettischen Komponisten Peter Vasks, geboren 1946, zwei der bedeutsamsten russischen Tonkünstler den Abend. Und mit der in Tiflis geborenen Pianistin Eli- sabeth Leonskaja und dem in Sankt Pe- tersburg gebürtigen Dirigenten Yakov Kreizberg hatte der Norddeutsche Rund- funk zwei Künstler verpflichtet, die ei- gentlich die Gewähr für große Authentizi- tät boten. Doch ging die Rechnung nicht ganz auf. Frau Leonskaja hat sich vor allem als hervorragende Kammermusikerin einen Namen gemacht. Das bestimmte offenbar auch ihre Auffassung des B-moll-Konzer- tes von Tschaikowsky, eines Werkes, um das es in der letzten Zeit merkwürdig still geworden ist. Seine Wirkung ist immer bestimmt gewesen durch seine glanzhafte Virtuosität, seine klavieristische Brillanz. Da kommt es weniger auf die musikali- sche Faktur, die thematische Entwicklung an, die die Pianistin im Kopfsatz durch langsame Tempi und betont strukturiertes Spiel herauszustellen sich bemühte. Dag tat der Wirkung dann sogar Abbruch, dasg die Virtuosität sich in der Leere ihrer mu- sikalischen Substanz verfolgen ließ. Erst in den folgenden Sätzen wirkte die Ge- staltung freier, weil das Hauptthema deg Mittelsatzes durch die delikate Gestal- tung nur gewinnen konnte und weil im Mittelteil des zweiten und im Finalsatz sich das rauschhafte Tempo und damit der virtuose Gestus nicht verdrängen ließ. Der lange Beifall brachte als Zugabe den Mlittelsatz der C-Dur-Sonate Mozarts in einer ganz auf Linearität und Reduktion bestimmten Wiedergabe, mit der die Pia- nistin sich gleichsam für den Tastenzau- ber vorher zu entschuldigen schien. [ ] man n um nic Slogar komm fang u Lage 1 Dirige meinte Akt, d geln 21 gene K Sct setzte, war ol der P! von eil zen ka von Pr und D Harken tung. Der zweite Teil des Abends galt Kreizberg, der sich als agiler und bestim- mender, aber auch etwas vordergründiger Dirigent erwies. Vasks „Cantabile für Streicher“, wirkungsvoll gearbeitete Komposition, die die Klangsphäre der Streicherin in un- | terschiedlichen Techniken vom linearen 1979 geschrieben, ist eine | §ê M ) Unisono bis zum kompakten Übereinan. der eines fugenartigen Satzes nutzte und die Kreizberg theatralisch in Szene setzte. Eine glänzende Wiedergabe der sprit- zigen neunten Sinfonie von Schostako- witsch beendete das Konzert. Der Kom- ponist hatte sie 1945 als Ausdruck seiner Freude über das Kriegsende im haydnschen Sinne komponiert und zu- gleich sich in Ungnade gebracht, weil er die heroisierenden Erwartungen der Machthaber enttäuschte. Uns vergnügt heute der übersprudelnde Witz und Elan dieses Werkes mit seinen auch besinnli- chen Momenten, dem Dirigenten und Or- chester eine hinreißende Wiedergabe be- reiteten. Arndt Voß Landesjugendorchester gastierte in der Musikhochschule Schleswig-Holsteins Landesjugendor- chester stellte unter Leitung seines jungen Dirigenten Ulrich Sprenger im auffallend gut besuchten Saal der Musikhochschule die Ergebnisse seiner diesjährigen Herbst-Arbeitsphase vor. Die Programmfolge war ungünstig ge- wählt, denn mit dem dynamisch diffizilen Preludio zum I. Akt aus Wagners „„Lohen- grin“ zu beginnen, war ein Wagnis, zumal Lübeckische Blätter 1999/18 Als nel Beförd begrül Johann Lübeclk Klaus I Sarau Diens Zum V. Vom L wie Ha „Hanse Oder: Bürger werden gern VE nen hi: VOr ZW meintli aukgebr den wo das Eh: des Ehr sen, di " sichtba Zum V: | Verdec | versus | In welc | | Lübeckisc
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