Full text: Lübeckische Blätter. 1999 (164)

Zum Kommentar ,.Ral]l- Kommando“ in Nummer 15 der „Lübeckischen Blätter“ Zur Leserzuschrift von Herrn Dr. Roll in „Lübeckische Blätter“ Heft [;; Nun sollten wir eigentlich wissen, was Herr Dr. Roll möchte. Jedoch, seine Ant- worten (!) in dieser Leserzuschrift sind so unbestimmt und wenig aufschlussreich, dass man nachfragen muss: ~- Was ist eine „museale Spielzeug- stadt‘? „Ein lebendiges und pulsieren- des“ Zentrum kann es dort geben, wo möglichst viele Menschen verweilen und wohnen können, einkaufen und arbeiten wollen: ungestört von Verkehrslärm und schädlichen Abgasen, frei von der Angst, dass sie von Autos angefahren oder über- fahren werden. - Welche .wesentlichen Punkte“ des Zentrums sollen „ohne schikanöse Be- schränkung mit dem Auto erreichbar sein“? Worin bestehen die „schikanösen Beschränkungen‘? - Kann sich Herr Dr. Rall vorstellen, dass die Altstadt verkehrsberuhigt wurde, damit unter anderem dem ständigen An- stieg der Treibhausgase ein ganz klein wenig entgegengewirkt wird? Schließlich hat sich die Stadt der internationalen Lo- kalen Agenda 21 verpflichtet. -An welche ,.desolaten freien Flä- chen, deren es ja genug gibt“, denkt Herr Dr. Roll? Es ist interessant, in welcher Reihen- folge Herr Dr. Roll die Fakten für eine besondere Erlebniswelt in deren Altstadt sieht: 1. „attraktives Warenangebot“), 2. „kulturelle Ereignisse“ und 3. „.die ein- zigartigen Baudenkmäler des Weltkultur- erbes“. Ein attraktives Warenangebot soll also der Hauptschlager sein, ein An- gebot, das es in jeder x-beliebigen ande- ren Stadt auch gibt. Wie mit diesem An- gebot Lübeck seine „natürliche (!?) Rol- le als Oberzentrum ausfüllen und aus- bauen“ kann, ist schleierhaft. Nahelie- gender wäre es, eine Marketingstrategie aufzubauen auf dem, was andere Städte nicht haben, was Lübeck jedoch aus- zeichnet. Hans Meyer Lübecker Blumenspende: Bau von Altenwohnungen und Erfülllung sozialer Aufgaben. Zum Kommentar „Roll-Kommando“ in Heft 15 und den Leserzuschriften zu diesem Kommentar in den Heften 16 und 17 der „Lübeckischen Blätter“: Die Leserzuschriften in den beiden letzten Ausgaben der „Lübeckischen Blät- ter“ gehen auch wohl deswegen zum Teil an der Sache vorbei, weil sie einen Mann treffen wollen, aber dann wegen des selbstverursachten Nebels entschieden daneben zielen. Ein Leser behauptet, „„Sie“ hätten die „Lübeckischen Blätter“ zu „einer Art Kampfblatt“ „gemacht“. Mir war bislang nicht bekannt, dass „Kampfblätter“ fort- laufend kompetente und differenzierte Kunstkritiken, wissenschaftliche Abhand- lungen zur Geschichte und Kulturge- schichte Lübecks, gern gelesene Musik- und Theaterkritiken, auch von der Fach- welt goutierte Besprechungen von Tho- mas-Mann-Tagungen, wichtige Doku- mentationen und manche in ihrer Tendenz völlig unterschiedliche Betrachtungen ab- drucken. Mit dem ominösen „Sie“ ist unter an- derem Bernd Dohrendorf gemeint. Tat- sächlich nimmt sich der Schriftleiter der „Lübeckischen Blätter“ ungeheuerliche Freiheiten heraus. Im Sinne der traditio- nellen Aufklärung versucht er, mit Erfolg selber zu denken. Dies kann immer nur eigen-sinnig geschehen, also unter Abs€- hung parteipolitischer und ökonomischer Interessen. Dohrendorks Kommentare sind für mich schon deswegen erquickend, weil sie völlig quer zu den inzwischen häufig langweilenden kommunal-partei- politischen Fronten stehen. Sachbezogen, kompetent und zuweilen polemisch strei- tet er seit vielen Jahren für Denkmal- und Naturschutz. In seiner streitbaren Konse- quenz steht er hier in der Tradition Wil- helm Ohnesorges, der störrisch und unbe- quem im frühen 20. Jahrhundert für Erhalt und Pflege der Lübecker Natur- und Bau- denkmäler stritt. Ohnesorge ist inzwi- schen eine Ikone unserer Gesellschaft, dessen Portrait den ersten Stock des Ge- sellschaftshauses schmückt. Als illegitim gilt einem anderen Leser, dass Dohrendorkf die Vorstellungen des Bürgermeister-Kandidaten Hans-Achim Roll zur Denkmalpflege kritisiert. Es han- Konto Sparkasse Nr. 1-031 442 dele sich hier um „Vorverurteilungen“. Einmal davon abgesehen, dass immer wie- der gern zur Keule „Vorverurteilungen“ gegriffen wird, wenn einem einfach eine Beurteilung nicht passt, müssen wir darauf bestehen, dass nicht erst die Regierungsar- beit, sondern auch die Wahlaussage eines Kandidaten in einem demokratischen Ge- meinwesen kritisch beurteilt werden darf. Hans-Achim Roll, in den ,Lübecker Nachrichten“ ganz offensichtlich seriös zitiert, was er auch selber nicht bestreitet, muss sich da Nachfragen gefallen lassen, zumal er als Bürgermeister auch der mit außerordentlich großen Vollmachten aus- gestattete oberste Denkmalptleger dieser Stadt wäre. Bei ihm wie auch in einer an- deren Zuschrift geistert die absurde Vision einer musealen Spielzeugstadt“ durch die Zeilen. Wessen Phantasie reicht eigentlich soweit, angesichts eines sich lustvoll-quä- lenden Verkehrsstroms durch die Lübe- cker Altstadt, zweier auf dem Altstadthü- gel stehender Parkhäuser, die Roll noch nicht genug sind, und angesichts von Kö- nig-Passage, Karstadt und anderer durch- aus verschieden ausgefallener Modernis- men, sich eine „museale Spielzeugstadt“ vorzustellen? Undbei Lichtebetrachtet, bedürfen die baulichen Weltkulturgüter Lübecks auch einer Behandlung, wie sie Museumsschät- zen zuteil wird: Sie gehören gepflegt und gehegt und benötigen eine ästhetisch ad- äquate Umgebung. Nur dann ist es eine Lust, in ihnen zu leben und zu arbeiten. Ungemein erheitert schließlich die barsche Aufforderung, einen Mann nicht zu kritisieren, weil er „auf dem Johanneum zu Lübeck ein glänzendes Abitur ge- macht“ habe. Mit Mühe wieder ernst wer- dend, wünsche ich Bernd Dohrendorf und dem Redaktionsausschuss weiterhin Mut zu Niveau und geistiger Unabhängigkeit. Martin Thoemmes Die Redaktion hat weitere Zuschriften zu diesem Thema erhalten - die Frage „Denkmalschutz und Bürgermeisterkan- didaten “ kann auch im Rahmen der Podi- umsdiskussion mit den vier Bürgermei- ster-Kandidaten am 20. November um 17 Uhr im Großen Saal des Gesellschafts- hauses diskutiert werden. Lübeckische Blätter 1999/18
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