Full text: Lübeckische Blätter. 1999 (164)

16. Bürgergast der „Gemeinnützigen“ Als 16. Bürgergast drei Monate in Lübeck: Hannes Saarinen Prof. Dr. Hannes Saarinen Unser Bürgergast stellt sich vor: Ich heiße Hannes Saarinen, geboren am I8. Oktober 1946 in Helsinki, und ich bin Professor für Allgemeine Geschichte an der Universität Helsinki. Mein Vater ist gebürtiger Finne, meine Mutter gebürtige Deutsche, deswegen bin ich zweisprachig aufgewachsen. Ich habe die Deutsche Schule in Helsinki besucht, nach dem Ab- itur habe ich zunächst in Marburg und dann in Berlin an der Freien Universität studiert. An der Freien Universität habe ich promoviert, mit Geschichte als Haupt- fach. Nach der Promotion bin ich zurück nach Finnland gegangen und habe dann an der Universität Helsinki hauptsächlich am Historischen Institut gearbeitet - zunächst als Assistent und dann später als Professor für Allgemeine Geschichte. Meine Spezi- algebiete sind Deutsche Geschichte und die Geschichte deutsch-finnischer Bezie- hungen im 19. und 20. Jahrhundert. Was hat Sie gereizt, Bürgergast in Lübeck zu werden? Ein wesentlicher Reiz besteht in der Rolle Lübecks in Geschichte und Gegen- wart der deutsch-finnischen Beziehungen, vor allem auch, weil mich die Kontakte zwischen Deutschland und Finnland im kulturellen und im Wissenschaftsbereich stark interessiert haben. Da ich die letzten Jahre Vorsitzender des Finnisch-Deut- schen Vereins in Helsinki war, bin ich mit Deutschland und mit Städten, die von al- ters her Beziehungen zu Finnland hatten - und dazu gehört Lübeck -, in ständiger Berührung gewesen. In meinen geschicht- lichen Forschungen, zum Beispiel in mei- ner Dissertation über die Beziehungen der Weimarer Republik zu Finnland, bin ich auf die Lübecker Deutsch-Finnische Ver- einigung gestoßen und die Tätigkeit der Lübecker Kaufleute und Reeder, die rege Verbindungen nach Finnland hatten. Und dann vielleicht noch eine persönliche Er- innerung aus der Kindheit: Es sind die all- jährlichen Reisen, die wir zu meinen Großeltern in Deutschland unternahmen. Die Schiffksreise ging die ersten Male nach Holtenau, dann aber nach Travemünde. Ein Dampker ist mir im Gedächtnis geblie- ben, er hieß „Oihonna“. Dieses Schiff war nicht gerade groß, es hatte nur ein Deck, und die Fahrt dauerte mindestens zwei Nächte. Wenn es stürmisch war, hat es ziemlich geschaukelt. Aber es waren span- nende Fahrten, und sie gehören zu meinen schönsten Kindheitserinnerungen. Genau wie die ersten Eindrücke von Lübeck: die Marienkirche, das Rathaus, imposante Bauten aus einer Epoche, aus der es in dem viel jüngeren Helsinki nichts Vergleichba- res gab. Es sind also teils persönliche Gründe, teils Gründe, die mit meiner Ar- beit als Historiker und mit meiner Tätig- keit bei deutsch-finnischen Institutionen zusammenhängen, die in mir den Wunsch haben entstehen lassen, doch einmal län- gere Zeit in Lübeck verbringen zu können. Welche Rolle spielt Lübeck heute in Finn- land? Lübeck ist vor allem bekannt als Kul- tur- und Hafenstadt. Jeder, der sich etwas eingehender mit deutsch-finnischen Be- ziehungen beschäftigt, stößt unweigerlich auf den Namen Lübecks. Viele Finnen, nicht nur die, die mit Lübeck geschäftliche Verbindungen haben, sondern vor allem Touristen, kennen die Stadt. In den letzten Jahrzehnten, als die „Finnjet“ nach Lü- beck fuhr, war Lübeck natürlich ein Be- griff für alle, die den Seeweg über die Ost- see wählten. Lübeck ist auch die bekannte- ste Hansestadt für die Finnen, weil sie den Vorstellungen einer mittelalterlichen Han- sestadt am ehesten entspricht. Diese Er- kenntnis wird schon in Schulbüchern ver- mittelt. Sie werden Ihren Aufenthalt in Lübeck unterbrechen, welche Reisen sind vorge- sehen? Der erste Besuch gilt einem Seminar in Helsinki, das von der dliaortigen Aue-Stiftung durchgeführt wird. Die Aue-Stiftung hat sich als Ziel gesetzt, die deutschsprachige Kultur in Finnland zu fördern. Sie veranstaltet unter anderem Seminare zur Geschichte der deutsch- kin nischen Beziehungen. Das diesjährige §e. minarist das fünfte, und es ist den kulture]. len Kontakten zwischen Deutschland und Finnland nach dem Zweiten Weltkrieg gc. widmet. Dazu sind Wissenschaftler und Zeitzeugen eingeladen, die sich zu ver. schiedenen Bereichen wie Architektur Musik, Geschichte und Literatur äußern werden. Aus Lübeck wird Herr Dr. Robert Schweitzer teilnehmen. Der zweite Bc. such steht in Zusammenhang mit eine; meiner Tätigkeiten an unserem Historj. schen Institut der Universität Helsinki. Ich bin dort Koordinator fürdie Sokrates-Ayz. tauschprogramme, die von der Europij. schen Union finanziert werden. Zu diesen Zweck finden alljährlich kurze Treffen statt, an denen Vertreter aus allen europij. schen Universitäten, die in diesem Net.. werk zusammenarbeiten, teilnehmen. lh diesem Jahr findet das Treffen an der Uni. versität Pisa statt. Was möchten Sie in Lübeck tun? Vielerlei. Erstens ist es für mich seit Jahren die erste Gelegenheit, wieder län. ger in Deutschland zu sein. Da ich mich, wie erwähnt, mit der Geschichte de; deutsch-finnischen Beziehungen und g]. gemeiner mit deutscher Geschichte he. schäftige, ist es wichtig, mein Wissen, auch wenn ich an meine Studenten denke, im Lande selbst neu aufzuarbeiten und zy aktualisieren. Zweitens interessieren mich die deutsch-finnischen Beziehungen sPe- ziell im Hinblick auf Lübeck, und dary möchte ich im Stadtarchiv und in der Stadtbibliothek forschen. Bei meinen Un. tersuchungen zu den Beziehungen in den zwanziger Jahren unseres Jahrhunderts bin ich auf viele Lübecker Namen gesto. Ben. So möchte ich über das Wirken eini- ger Persönlichkeiten, wie zum Beispie] Senator Dimpker und Dr. Wallroth, der zeitweilig auch Gesandter in Helsinki war. mehr erfahren. Zur Zeit arbeite ich auch noch an einem Aufsatz, den ich hier kertig. stellen möchte, und zwar über ,Die Pri- senz der deutschen Kultur in Finnland nach dem Zweiten Weltkrieg“. Ich hoffe daß ich hier Anregungen finden werde, hier, in einer Umgebung, deren Geschichte mich ganz besonders reizt. Deswegen freue ich mich sehr, daß ich dank der Ge- sellschaft zur Beförderung gemeinnùützi- ger Tätigkeit die Gelegenheit bekommen habe, mich mehrere Monate in dieser alten Hansestadt aufhalten zu können. Die Fragen stellte Dr. Rolf Sander 154 Lübeckische Blätter 1999/11 .] ßück 3z7. Lit Jürgen 1946) ;tadt“ Fra gchaktl Frgebn gchultt te der von He zu Rec „Pie ( zich in Thoma und ist geringe mit sei und üb beben ! Lübeck In der . 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