Full text: Lübeckische Blätter. 1999 (164)

Naturschutz- und Landschaftspflege-Gebiete in Lübeck ne Furche und bildete die Hochufer des Trave-Einschnitts aus. Große Teile der Steiluferhänge werden von gebüschreichen Niederwäldern be- deckt. Lichtreichtum und niedriger, mehr- stämmiger Baumwuchs kennzeichnen diesen Waldtyp, der von einer regelmäßi- gen Bewirtschaftung abhängig ist. Nieder- wald kann sich nur halten, wenn die Bäu- me in kurzen Zeitabständen auf den Stock gesetzt, das heißt alle Einzelstämme weni- ge Zentimeter über dem Boden abge- schnitten werden. Die Dummersdorker Hangwälder werden seit dem 16. Jahrhun- dert als Niederwald genutzt. In der Kraut- schicht entfalten vor dem Laubaustrieb zwei blaublühende, in Lübeck stark ge- fährdete Pflanzen ihre Blüten: das Leber- blümchen und das Rauhe Veilchen. Im Sommer blüht hier die im Lübecker Raum vom Aussterben bedrohte Pfirsichblättri- ge Glockenblume. Bemerkenswert sind auch die Hangsickerquellen, die an den Steilhängen des nördlichen Ufkferab- schnitts austreten. An den üppigen Bestän- den des Riesenschachtelhalms lassen sich die Quellbereiche gut erkennen. Der Trave-Strand des Dummersdorker Ufers hat den Charakter eines echten Meeresstrands. Das Salzwasser der Ost- see und der unregelmäßig schwankende Wasserstand des Trave-Flusses bleiben nicht ohne Einfluß auf die Ufervegetati- on. So gedeihen im unteren oft überspül- ten Strandbereich zum Beispiel Salzmiere und Mleerstrand-Milchkraut, Meersenk, Kali-Salzkraut und Salz-Aster. Im trocke- nen Sand weiter oben wachsen Dünengrä- ser wie Strandroggen und Baltischer Strandhafer. Auch typische Salzwiesen- pflanzen sind vertreten, wie zum Beispiel Andelgras, Erdbeer-Klee und Rotes Quell-Ried. Auf den höher gelegenen Strandwällen wachsen die letzten Strand- disteln der Lübecker Bucht. Die Trave und der Trave-Strand sind ein beliebtes Rast- und Überwinterungsquartier für Wasservögel. Bis zu zehn verschiedene Entenarten, zum Beispiel Tafel-, Berg- und Schellente, rasten oder überwintern hier. Auch Silber-, Sturm- und Lachmö- ven, durchziehende Fluß- und Trauersee- schwalben und verschiedene Wattvögel sind regelmäßig zu beobachten. Die euro- Ppaweit streng geschützten Singschwäne sind ebenfalls Wintergäste in den Flach- wasserbereichen des Nordabschnitts. Oberhalb des Steilufers führte am in der Mitte des Naturschutzgebiets liegen- den Hirtenberg insbesondere die histori- sche Weidenutzung in Verbindung mit be- sonderen Standortverhältnissen zur Aus- bildung blütenreicher, nährstoffarmer Trockenrasen. Starke Sonneneinstrahlung und lockerer Boden bewirken rasche Ver- dunstung und schnellen Wasserabfluß. Diese im Winterhalbjahr auk den ersten Blick eintönig braun-grün aussehende Pflanzendecke beherbergt eine Vielzahl seltener, gefährdeter, zumeist Wärme und Licht bedürftiger Blütenpflanzen von großer Farbenpracht: Verschiedene Gin- sterarten, zum Beispiel der Färber-Gin- ster und die Sand-Strohblume, beleben den Gräserteppich mit gelben Blüten. Von rosaroten Blüten der Grasnelke bis zu purpurfarbenen der Gemeinen Pechnelke reicht das rote Farbspektrum. Blaulila leuchtet die Tauben-Skabiose. Das Nik- kende Leimkraut fügt weiße Farbtupfer hinzu. Das trockenwarme Klima, der san- dige Boden und der Reichtum der Pflan- zenarten und -blüten bieten auch ideale Bedingungen für ein reiches Tierleben. So sind zum Beispiel die bunten Blüten des Trockenrasens Nahrungsgrundlage für Wildbienen, Schmetterlinge und Schwebfliegen, die auf Nektar oder Pol- len angewiesen sind. Vom Dung der Wei- detiere lebt eine Vielzahl von Käfern, un- ter anderem der sehr seltene Mondhorn- käfer. Der Insektenreichtum und der war- me, sandige Boden begünstigen Grab- und Wegwespen, Raupen, Heuschrecken und Spinnen. Auch Insekten fressende Wirbeltiere wie die Wärme liebenden Zauneidechsen und die in Dorngebüschen ansitzenden Neuntöter finden gute Le- bensbedingungen vor. Im Bereich des am Fuß des Hirtenbergs liegenden Silkteichs hat sich eine Röhrichtgesellschaft ange- siedelt, die sich unter anderem aus Salz- Teichsimse und Strandsimse zusammen- setzt. Außerdem haben sich Wasservögel, Libellen und Wasserfrösche eingefunden. Im nördöstlichen Teil des Natur- schutzgebiets liegt die Borndieksmulde, ein tief eingeschnittenes, schluchtartiges Tal. Der Talboden wird im nordwestli- chen Bereich von einem etwa 900 Qua- dratmeter großen Teich eingenommen. Daran schließt sich eine breite, röhricht- bestandene Verlandungszone an, die in ei- nen feuchten, aus Erlen und Eschen be- stehenden Wald übergeht. Hier finden Ringelnatter, Wasserfrosch und Erdkröte einen idealen Lebensraum. In den trocke- nen Eichen-Hainbuchen-Wäldern der Talhänge blüht das seltene Stattliche Knabenkraut. Hier hat sich eine Vegetati- on ausgebildet, wie sie sonst in Schlucht- wäldern oder Mittelgebirgen vorkommt. Der Sölbrink ist ein gut erhaltener und außergewöhnlich artenreicher Erlenbruch im südwestlichen Teil des Naturschutzge. biets. Niedermoorige Bruchwälder dieser Art gehören zu den wertvollsten Lebenz. räumen des norddeutschen Flachlandes. Aut den eingeschlossenen und angren-. zenden Feuchtwiesen und Seggenrieden gedeihen schützenswerte Orchideenarten wie die weiße Waldhyazinthe und das Breitblättrige Knabenkraut. Eine Vielzah] von Landschneckenarten sind hier nach. gewiesen, so zum Beispiel die Zweizäh. nige Laubschnecke und die glänzende Dolchschnecke. Auch für die recht selten gewordenen Vogelarten Sprosser und Pi. rol stellt der Sölbrink einen geeigneten Lebensraum dar. Unmittelbar an das ehemalige Metal]. hüttengelinde Herrenwyk grenzt ein großklächiger, ebener Trockenrasen, auf dem sich mehr und mehr Sanddornge. büsch ausbreitet - die Langremenkoppel. Auf der sandigen, nährstoffarmen Fläche gedeihen unter anderem so seltene Pflan- zen wie das Kelch-Steinkraut, die Echte Mondraute oder die Gemeine Hundszun- ge. Sie ist außerdem Lebensraum für einj- ge sehr seltene Pilzarten und reich an In- sekten. Eindrucksvoll ist der tief eingefurchte Lauf des Baches Voßbek durch das Stej]. ufer in die Trave. Wanderwege 4 Wanderwege erschließen das Na-. turschutzgebiet: ~- Manderweg 1 führt vom Parkplatz des Naturschutzgebiets am Ende des Hir. tenbergwegs über verschiedene Roy- ten bis zur Borndieksmulde, - dManderweg 2 geht vom Parkplatz um den Silkteich herum und aut den Hir. tenberg, - Manderweg 3 nimmt seinen Ausgang am Parkplatz oder an der Endhalte- stelle der Buslinie 32 in der Dum. mersdorker Straße und hat als Ziel den mittleren Teil des Naturschutzgebiets ~ dManderweg 4 verläuft von der End. haltestelle der Buslinie 32 am Sd]. brink vorbei zum Trave-Uker. Literatur Faltblatt der Hansestadt Lübeck .Na- turschutzgebiet Dummersdorfer Ufker“ mit Beschreibung und Plan, 1996, M. Braun und M. Diehl: „Naturschutz- gebiet Dummersdorker Ufer - Ein natur- kundlicher Führer“, Herausgeber: Verein „Natur und Heimat“ Lübeck, Tochterver- ein der Lübeckischen Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit, und Landschaftspflegeverein „Dummers- dorfer Ufer“ Lübeck, 1995. d Die Lü 146 Lübeckische Blätter 1999/11 Luübeckis
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