Full text: Lübeckische Blätter. 1998 (163)

ge bestanden - den Aufgaben der Ge- sellschaft entsprechend - aus einer Reihe repräsentativer Ausstellungen, in deren Mittelpunkt auch eine Jubilä- ums-Ausstellung stehen konnte. 1968 war es die „Kleine Documen- ta“, die Kunst nach 1950 zeigte und fünfzig Jahre Overbeck-Gesellschaft feierte. Hans Friedrich Geist, der dama- lige künstlerische Leiter, schrieb: „Do- cumenta, weil sie eine Dokumentation ist aus einem Zeitraum von I8 Jahren, klein, weil sie unseren Verhältnissen angepaßt werden mußte. Nicht zuletzt ist der Titel der Ausstellung eine Erin- nerung an die großartige Dokomenta I in Kassel im Jahre 1955. die die Kunst unseres Jahrhunderts, ihr umfassendes Abenteuer als l’art pour l'homme, zum ersten Mal - in einer großangelegten Schau - zu einem Erlebnis des Geistes und des Gewissens machte.“ Und wie sah das Gemeinschaftsleben aus? Wil- helm Castelli, der Erste Vorsitzende, weiß zu berichten: „Das Gemein- schaftsleben einer Kunstgesellschakt von 800 Mitgliedern findet seinen Aus- druck in der Spontaneität der Teilnahme am Gebotenen und den daraus sich ent- wickelnden Gesprächen“. 1978 wurde die 500. Ausstellung Anlaß, sechzig Jahre Bestehen zu fei- ern. Der Untertitel hieß: „Kunst des 20. Jahrhunderts aus dem Besitz von Mit- gliedern der Overbeck-Gesellschaft“. Ingrid Deecke. künstlerische Leiterin seit 1972, knüpfte an die erste Ausstel- lung von 1918 an: Aufgabe war es, zeit- genössische Kunst zu vermitteln und Sammler und Leihgeber zu animieren, ihre Werke zur Verfügung zu stellen. Diese Jubiläumsausstellung bekam da- durch ein „ähnlich .buntes‘ Aussehen., wie die erste Ausstellung im Mai 1918“. schreibt Ingrid Deecke. Das Verzeichnis der ausgestellten Arbeiten begann mit Albert Aereboes „Kugelbild“ von 1967, Max Beckmanns „Artist“ von 1944 über Erich Dummers „Nächtliche Brük- ke“. von 1924, Pablo %BPicassos „Stierkampf-Motiv“ um 1960 bis zu Teruko Yokais Gouache „ Im Garten“ von 1975. Eine Auflistung der gesam- tem Ausstellungstätigkeit im Katalog vervollständigte den Eindruck der ge- leisteten Arbeit der Overbeck-Gesell- schaft. Nachschlagewerk und Bestandsauf- nahme war auch ein wesentliches Ele- ment der nächsten Jubiläumsausstel- lung „Overbeck-Gesellschaft: 7 Jahr- zehnte“ 1988. Das Thema hieß „Künst- ler in der Overbeck-Gesellschaft da- mals und heute“. Es wurden je zwei Ar- beiten lebender Künstler gezeigt, die früher einmal ausgestellt hatten und sich jetzt mit Werken präsentierten: ei- nem aus der Zeit ihrer damaligen Aus- 86 stellung und einem aus der Gegenwart. „Beceutende Meister mit internationa- lem Ruf stehen neben geringer bekann- ten Künstlern. So soll ein möglichst ge- treues Abbild der Tätigkeit der Overbeck-Gesellschaft entstehen“, schrieb Ingrid Deecke zu dieser Aus- stellung. Beim Durchblättern des Kata- loges trifft man auf Hede Bühl beim Aufbauen ihrer Ausstellung 1977. Ar- wed D. Gorella mit den Arbeiten „Ich selbst unterwegs“ von 1973 und „Aber noch nicht angekommen“ von 1988, Emil Schumachers „Nech“ von 198lI und „Heman“ von 1987 bis Ludwig Wildings Werken mit Scheinbewegun- gen. kreisendem Sog und anderen kine- tischen Irritationen. Eine Ausstellung, die. vor dem vielfältigen Hintergrund eines Flächenbooms von Kunstaktivitä- ten bis in die fernsten Nischen, Besin- nung auf die Tradition der Overbeck- Gesellschaft und ihren Anspruch aut Qualität stellte. So war nach zehn Jahren - heute - wiederum zu bedenken: Wo stehen wir? Was ist die Overbeck-Gesellschaft? Fünf Ausstellungen geben den Einblick in die tägliche Arbeit, und die Geburts- tagsfeier spielt das Kräfteparallelo- gramm eines Kunstvereins und einer Gesellschaft durch, indem es die einzel- nen Kräfte vorstellt und in Kurzkassun- gen in ihre Geschichte einklinkt. Das gemeinsame Wirken verzahnt zu rotie- renden Rädern aus Kunst und Alltag. Praktizierende Künstler, engagierte Laien und sich tummelnde Profis erge- ben eine erfrischende und teils aufrei- bende Beschäftigungswelt in Sachen Gegenwartskunst. Draußen wird die Overbeck-Gesellschaft als fortschritt- lich gerühmt, noch immer ist sie ,„„Vor- posten moderner Kunstpflege“, auch wenn sich die Kunstsszene gewandelt hat. Sie ist die erste Kunstadresse für internationale Kunst. In der Stadt selbst ist sie umkämpft, mit ihr wird gelitten, teils wird sie nicht beachtet, oft kriti- siert und schließlich, wenn auch wider- strebend, anerkannt und ein Teil der Stadt. Eine Crew von Standhaften hält immer zu ihr: Dieser Kunstkosmos im Behn-Haus-Garten ist die Overbeck- Gesellschaft. Sie ist eine Gesellschaft, und sie ist ein Kunstverein. Damit wird ihre Besonderheit, aber auch ihre Allge- meinheit charakterisiert. Ihr offizieller Name heißt „Overbeck-Gesellschakt - Verein von Kunstfreunden, eingetrage- ner Verein“. Das hat historische Grün- de. Seit 1872 gab es einen ,„„Verein von Kunstfreunden“, der sich vorwiegend um die Bewahrung des Lübecker Stadt- bildes bemühte, also sich einem mehr denkmalpktlegerischen Ansatz zuneigte. Er wurde 1882 als Ausschuß in die Ge- sellschaft zur Beförderung gemeinnüt- ziger Tätigkeit aukgenommen. 1931|] schlossen sich die Overbeck-Gesell- schaft und dieser Verein von Kunst- freunden zu einer Vereinigung zusam- men. die bis heute den Kombinations- namen .Overbeck-Gesellschatt - Ver- ein von Kunstfreunden“ führt. Der stol- ze Schwan .@Overbeck-Gesellschaft“ lernte das Gehen am Ukergelände ,.des Vereins von Kunstfreunden“’: Am Ufer halb und halb zur See ... Am Beginn der Geschichte der Overbeck-Gesellschaft steht zu lesen: „Stellen wir gleich zu Anfang fest: Im Verhältnis zur Größe der Stadt, in ihrer künstlerischen Tradition und dem Bil- dungsstand der Einwohner ist das öf- fentliche Interesse gering“, schreibt H. Mahn in den „Lübeckischen Blättern“ zum Zusammenschluß des Vereins von Kunstfkreunden mit der Overbeck-Ge- sellschaft. Er hofft mit seinem enga- gierten Aufruk einer „Verbauerung“ in Lübeck entgegenzuwirken. Von Anfang an gingen die Verteidiger für die Idee der Overbeck-Gesellschaft von der Feststellung aus, daß es in Lübeck mit der Pflege der Gegenwartskunst , im ar- gen lag“, dals sich die örtlichen, künst- lerischen Aktivitäten ,„buntscheckig“ darstellten, die zeitgenössische Kunst einfach fehlte. Den erweiternden Auf- schwung in Sachen Kunst für Lübeck brachten die Aktivitäten von Carl Georg Heise, der schlicht nur die „Forderung des Tages‘ erfüllte. Seit 1921 ist er Künstlerischer Leiter der Overbeck-Ge- sellschaft. „Für die künstlerische Erzie- hung einer Stadtgemeinschaft sind Aus- stellungen wichtiger als die bleibenden Sammlungen“, ist nicht nur sein per- sönliches Bekenntnis der Kunstvermitt- lung, sondern heute noch Grundsatz der Overbeck-Gesellschaft. 1930 wird im Behn-Haus-Garten der Ausstellungspa- villon vom Lübecker Architekten Wil- helm Bräck gebaut. Georg Heise ist der Mentor, Alfred Mahlau ein kongenialer Mitarbeiter, die kunstbegeisterten Lü- becker finanzieren. Lübeck hat schon 1930 eine kleine, heimliche Kunsthalle. Ein Haus mit „dienenden“ Wänden und „spendendem“ Licht, nur für die Kunst. Die Namen der Stifter für dieses Haus der Kunst sind auf der Stiftertafel im Windfang des Eingangs in Gold gefaßt. 1933 passiert die nationalsozialistische Machtergreifung in Deutschland. Heise wird im gleichen Jahr entlassen. Eine Ära geht zu Ende. .....meine ärgsten Feinde frohlocken, die alles als Über- spannung verurteilen, was mir als not- wendige Anspannung der Kräfte zur Er- reichung eines für Lübeck notwendigen überdurchschnittlichen geistigen Ni- veaus erscheint“... Ein zeitgemäßer Einschnitt und Wan- del der Ausstellungskonzeption ge- Lübeckische Blätter 1998/6 (! AUSS lung schie 194€ Over! ein H aus v ANSC( SZEN Fran die Pop schr die 2 und mit Lübs: lung die I dien Die Leir Papi Erfkc leris stell hom wie Kun sich Kun Kün pou! zur eige Wie den. Kun Kun „P: als . hun Lübe
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