Full text: Lübeckische Blätter. 1998 (163)

Musik chischen Nationalmusik. Aus dessen Zy- klus „Mein Vaterland“ erklangen gleich zwei Kompositionen, zu Beginn „Aus Böhmens Hain und Flur“ und am Anfang des zweiten Teils „Sárka‘’. Diese Werke sind publikumswirksam dank ihrer ein- gängigen Melodik, ihres folkloristischen Kolorits und auch ihres schwärmerisch- dramatischen Grundtones. Der Erfolg stellt sich dann auch ein. wenn, wie hier, ein Dirigent diesen Sinn für Dramatik hat und ihn im Orchester zu wecken vermag. Die Musiker folgten Munds energischen Anweisungen hörbar gern und fanden in der großen Besetzung nicht nur in den kraftvollen Tuttipartien, auch in den vie- len Soloabschnitten zu einer überzeugen- den Wiedergabe. Den Abschluß des zweiten Teiles und damit des Konzertes bildete Leos Ja- naceks Rhapsodie „Taras Bulba“’, ein far- biges und dramatisches Gemälde nationa- ler Gefühle. Dieses Werk wird selten auf- gekührt, nicht zuletzt wegen der oft feh- lenden Orgel. Lübecks Musik- und Kon- greßhalle aber hat dank der Spende des ehemaligen Vereins „Konzertsaal für Lü- beck“ ein klangvolles Instrument, das von den Philharmonikern in einem ihrer Kon- zerte hier zum ersten Male eingesetzt werden konnte. Höhepunkt des Programms aber war die sensible Interpretation des „Konzertes für Oboe und kleines Orchester“ von Bo- huslav Martinú im ersten Teil. Johannes Brüggemann, der Solo-Oboist der Lübek- ker Philharmoniker, läßt schon immer aufhorchen und hatte hier die Möglich- keit. die große Breite seines Könnens und die Ausdrucksmöglichkeiten der Oboe vor seinem Orchester zu präsentieren. Die 1955 entstandene Komposition bietet dazu hervorragende Gelegenheit. Sie for- dert neben einer exzellenten Technik eine differenzierte melodische Führung und empfindsame, auf der Oboe besonders schwierige dynamische Gestaltung, um Martinus vom Elegischen bis zum Buko- lisch-Tänzerischen reichenden Stimmun- gen aufzufangen. Langer Applaus für die Leistung Brüggemanns und eine Wieder- holung eines Teils des zweiten und des ganzen letzten Satzes. Arndt Voß 2. Abonnementskonzert des NDR-Sinfonieorchesters Der Engländer Andrew Davis, lang- jähriger Leiter des Symphony Orchesters der British Broadcasting Corporation und sturmerprobte Galionsfigur in den Bran- dungen der „Last Night Of The Proms“, und die junge amerikanische Geigerin Pamela Frank waren in einem laut Etikett der Konzertreihe ,„Treffpunkt: Die Welt der Musik“ auf Schweden bezogenen Konzert, dem zweiten der Sinfoniker des Norddeutschen Rundfunks, - 24. Okto- ber - die eigentlichen Zentren des Inter- esses. So wirkte das Motto gesucht, zu- mal das Hauptwerk des Abends Dvoräks beliebtes Violinkonzert war. Nur die rah- menden Programmteile ließen sich auf das Widmungsland beziehen. Und auch des 1921 geborenen Ingvar Lidholms Orchesterwerk ,Kontakion“, mit dem das Konzert begann, besitzt ei- nen wenig schwedischen Hintergrund, verwendet es doch als geistiges Zentrum eine Hymnenkform aus der Liturgie der or- thodoxen russischen Kirche. Zudem ist kür uns Zeitgenossen in der Tonsprache Nationales eines Komponisten kaum aus- zumachen. Das Werk ist eine spannende, in ihrer expressiven Sprache auch leise Töne findende Komposition, deren zu- grundeliegende Melodie der Totenmesse entnommen ist. Sie entwickelt sich zu- nächst in einem Kontrapunkt zwischen ei- ner als schriller Cluster geführten Ober- stimme, die menschliche Qual und Ver- zweitlung darstellt, und einer in die tiefen Streichern gelegten Melodie, die Beruhi- gung aus dem Religiösen entgegenstellt. Immer stärker setzt sich dieser Hymnus in den klar gegliederten Entwicklungen durch, solistisch predigend oder choral- haft rufend, bis er zuletzt geschlossen von außerhalb durch eine Trompete Vorgetra- gen wird. Das Publikum reagierte auf die schroffen Dissonanzen erst verstört, ließ sich aber durch die bezwingende Gestal- tung des Werkes überzeugen. Das SchlußBwerk, die Serenade F-Dur von Wilhelm Stenhammar - geboren 1871, gestorben 1927 - läßt sich schon eher als ein Werk schwedischer Herkunft hören. Der Komponist nennt sein fünfsät- ziges Werk eine „Florentiner Hymne an den Frühling“ und bemüht sich, die Sere- nadenstimmung in sinfonische Dimensio- nen mit eindrucksvollen Stimmungs- wandlungen zu verwandeln. Doch bleibt vor allem die geschmeidi- ge Gestaltung des Violinkonzertes in Er- innerung. Hier trafen sich zwei sehr ähn- liche Musikernaturen. Sowohl Davis als auch der Solistin war die Lust am Musi- zieren, die Freude am Klang und am Ge- stalten anzumerken, beide mit sehr LE- schmeidigen Bewegungen und in hervor- ragendem Hinhören und Zuwenden zum Orchester. Langer und herzlicher Applaus. Arndt Voß Die Besprechung des 3. Abonnements- konzerts des Sinfonieorchesters des Nord- deutschen Rundfunks erscheint im näch- sten Heft. MELDUNGEN Gesellschaft zur Beförderung gemeinnütziger Tätigkeit Dienstagsvorträge Zum Vortrag am 24. November: Berufsholländer auf den norddeut- schen Gutshöfen, ein ausgestorbener Beruf Das Wirken der Holländer begann im 17. Jahrhundert parallel mit der Entstehung von Gutswirtschaften in Norddeutschland. Sie waren anfangs niederländischer Ab- stammung, doch ging bald ihre Herkunkts- in ihre Berufsbezeichnung über. Als freie Unternehmer stellten sie aus der Milch der gepachteten Kuhherde Butter und Käse her, die sie in Hafenstädten und Garniso- nen verkauften. Arbeitsweise, Entwick- lung und Niedergang sollen in einem Dia- Vortrag von Jocchim Memmert vorgestellt werden, der die Familien der Holländer auch genealogisch erforscht hat. Zum Vortrag am I. Dezember: Genetische Beratung und vorgeburtli- che Untersuchungsmöglichkeiten Verbesserungen der veorgeburtlichen Chromosomendiagnostik und die Weiter- entwicklung der Gendiagnostik mit mole- kulargenetischen Methoden haben zu- sammen mit den Fortschritten der Ultra- schalldiagnostik während der Schwanger- schaft die vorgeburtlichen Untersu- chungs- und Diagnosemöglichkeiten er- heblich erweitert. So können neben Chro- mosomenstörungen des heranwachsenden Kindes auch bereits in vielen Fällen Gen- veränderungen, die zu angeborenen Er- krankungen führen, vorgeburtlich erkannt werden. Diese weiterreichenden Untersu- chungsmöglichkeiten müssen im Rahmen einer Beratung eingeleitet und erläutert werden. 310 Lübeckische Blätter 1998/19 PU i © A T fmee%meeIe cr >,. ... r [ Nei Als Befi begr Lan; 235: Jäsc 180: Hor 2354 Brü; 235t Wig 236: Veil Son! sik- Neu Bur] Wer Son; loss Wie Mar Wer Mer Lübec
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