Full text: Lübeckische Blätter. 1998 (163)

Vor I50 Jahren in Lübeck: Reform oder Revolution Vor 150 Jahren in Lübeck: Reform oder Revolution „Ein Kampft der privilegierten gegen die nicht privilegierten Einwohner“ Der vermeintliche Erhalt von eigenen Arbeitsplätzen war offenbar der tiefere Grund für eine „Revolution“ im Jahr 1848 in Lübeck. Zu Barrikadenkämpkfen - wie in Paris am 24. Februar, in Wien am 13. März, in Berlin am 18. März - kommt es allerdings nicht. In der Hansestadt wehrt sich insbesondere eine Gruppe von Gesel- len gegen die Abschaffung der ständi- schen Bürgerschaft und gegen die Einfüh- rung des allgemeinen Wahlrechts, was ih- rer Meinung nach die Gewerbefreiheit und damit die Gefährdung ihrer Privilegi- en nach sich zieht. 9. Oktober 1848 - die Bürgerschaft ist in der Reformierten Kirchen zusammen- getreten und beschließt über die Einfüh- rung des Allgemeinen Wahlrechts: „Be- reits von 4 Uhr an begannen sich Volks- haufen vor der reformierten Kirche anzu- sammeln, und etwas später erschien dann wiederum der Zug der Einwohner, wel- cher vor der Kirche Aufstellung nahm und für eine Deputation Einlaß begehrte ... Kaum war der Beschluß der vor der Kirche harrenden Menge bekannt gewor- den, so begann dieselbe ein Bombarde- ment mit Steinen gegen dieselbe. durch das die Fenster zerstört und die Thüren beschädigt wurden. Maurer und Zimmer- leute bestiegen das Dach und begannen es abzudecken und die Dachpfannen hinab- zuwerken. Gleichzeitig wurde die Kirche von allen Seiten umzingelt, alle Eingänge wurden besetzt, man drang durch die Ne- benhäuser und bewachte auch die nach hinten liegenden Mauern, damit Niemand weder von den Mitgliedern noch den Zu- hörern entkomme. Ein anderer Haufe drang unter Toben und Lärmen in die Kir- che hinein und verübte dort allerlei Un- fkug. So zum Beispiel ergriff einer der Tu- multanten eine vor dem Wortführer auf dem Tische stehende Lampe, erhob die- selbe und warf sie mit solcher Gewalt wieder auf den Tisch, daß die Scherben klirrend zu Boden fielen ... Indessen wur- de den Mitgliedern der Bürgerschaft das Verlassen des Versammlungslokals ver- währt. Länger als fünf Stunden blieben dieselben in der Gewalt einer tobenden Menge, welche mit wüstem Geschrei die Abänderung des gefaßten Beschlusses verlangte und erklärte: nicht eher vom Platze weichen zu wollen, als bis ihnen Lübecker Reformierte Kirche: Hier trat am 9.10.1848 die noch ständisch zusammenge- ihr Recht‘ geworden und die ,freie Stän- setzte Bürgerschaft zusammen, um über die Einführung des allgemeinen Wahlrechts zu dewahl‘ zum Beschluß erhoben sei.“ beraten - hier wurde auch ,„„Revolution “ gemacht Frankfurter Pauls-Kirche: Eröffnung der Deutschen Nationalversammlung am 18.5.1848 - aus Lübeck nahm der Abgeordnete Ludwig Heinrich Wiederhold an der Sitzung teil wähli SENE der ; hen, dasje und risch nur € Stad 248 Lübeckische Blätter 1998/16 Etibéc
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