Full text: Lübeckische Blätter. 1998 (163)

und. lern aus Mei- i ck- »ku- eine Kol- ttio- gen Ind. be- Öne bis der »rk- der zu dal Ge- Schleswig-Holstein Musik-Festival Verabschiedet sich das Musik-Fest aus dem Bewußtsein der Bürger? Kritische Rückschau auf das 13. Schleswig-Holstein Musik-Festival in Lübeck Beim bevorstehenden Wechsel in der Leitung des Schleswig-Holstein Musik-Festivals scheint eine Rück- schau auf dessen dreizehnjährige Ent- wicklung und Würdigung seiner jetzi- gen Erscheinungskorm angebracht. Die .„lübeckischen Blätter“ berichteten je- des Jahr darüber - nachzulesen in den Sammelbänden der Stadtbibliothek und das Archivs. Dabei verstanden sie sich nicht als Jubelpostille. sondern wollten die Kulturszene unserer Stadt neutral. aber kritisch begleiten. Da das Festival stark von der Persönlichkeit seines jeweiligen Direktors beziehungs- weise Intendanten geprägt wird. be- schältigten sich die Berichte vorrangig auch mit Justus Frantz. Franz Willl- nauer und denen, die sich in der geldge- benden Landesregierung für das Festi- val einsetzten. Neue Ideen Zweifellos hat Dr. Willnauer seine eminenten Kenntnisse und Verbindun- gen zur internationalen Musikszene eingebracht. genutzt und mit stark er- weitertem Mitarbeiterstab eine Fülle vielseitiger Aktivitäten angeregt. die - um das etwas elitäre Festival volkstüm- licher zu gestalten - vor einem bunten Programm-Mix aus Ernster und Unter- haltungs-Musik nicht zurückschreck- ten. Doch erwies sich ..Klassik al den- te“ kaum als Zauberwort. das die Hö- rer von den Stühlen rilz. sondern eher als ein Rückgriff auf gängigen Publi- kumsgesechmack. Selbst dann blieben Plätze leer. Wenn man dem etwas müde gewordenen Image des Festivals mit pe- netranter Reklame in eigenen Druck- erzeugnissen und der örtlichen Presse. mit allerlei Äußerlichkeiten wie Deko- rationsmaterial und Schaufensterwett- bewerb auf die Beine helfen wollte. ver- ursachte dieses Unternehmen dennoch teilweise nur einen mageren Antrieb. So wie gewisse Fernsehanstalten mit hochgejubellen Talkshows um die Gunst ihrer Zuschauer buhlen. näherte sich das Festival in diesem Jahr mit vie- lerlei Essen und Trinken in Volkskest- manier einerseits einem Touristenrum- mel; andererseits bewies stolzer Preis von über 200 Mark für ein Gourmet-Menue einschließlich Kon- zertkarte für Jessye Normans Aultritt, dals sich das Festival von seinem ur- sprünglichen Anliegen weit entkernt hat. Da halſen weder Gondel-Gaudi im Haſen noch kindertanztruppe .„O0 Sole Mio‘ in der Musik- und Kongreßhalle. Musikstadt des Nordens „Franz Willnauer muß es wissen“. hieß es im März-Brief des Lübeck-Ma- nagements. Doch ist Lübeck wirklich der ideale Festspielort. das „Salzburg des Nordens“. wie Willnauer es sieht? Besser gesagt: Lübeck ist ständig eine „Musikstadt“. in der diese Kunst das ganze Jahr über Saison hat. die nicht auf schleswig-holsteinischem PFestspiel- unternehmen beruht. sondern aul ei- ner Überfülle musikalischer Aktivitä- ten. Meist unabhängig von hoher Lan- dessubvention bieten - gewachsen in Jahrzehnten - die Initiativen ortsan- sässiger Musiker in Orchestern. Chö- ren. in der Oper, in den Kirchen. Mu- sikschulen und anderen Ensembles. im Verein Konzertsaal oder der Musik- freunde und nicht zuletzt in der Musik- hochschule ein qualitätvolles. überrei- ches Angebot. das sich hören und sehen lassen kann. Dazu bedarl es keines teu- ren Vestivals! Lübeck kontra Kiel Die Landeshauptstadt dagegen ist Standort der wissenschaftlichen Uni- versität und weniger Musikstadt. Wenn auch bisher der Schwerpunkt des Fe- stivals in Lübeck lag. wurde jedoch Kiel in diesem Jahr mit auffallend viel- seitigen Programm bedacht. Offen- sichtlich bahnt sich eine Verlagerung an, die von Kiels Oberbürgermeister und der Landesregierung kulturpoli- tisch gesteuert wird. Ob sich allerdings der sterile Charme von Kiels Ostseehal- le gegenüber dem gepflegten Ambiente der Lübecker Musik- und Kongreßhal- le wird durchsetzen können. scheint fraglich. Um wenige Massenspektakel von Unternehmensverbänden. Partei- en oder der Unterhaltungsindustrie an- zulocken. brauchte Lübeck nicht eine Monster-Messehalle zu bauen. Die Plei- te des Baden-Badener Großprojekts sollte gewisser Euphorie die Augen öff- nen. Man erinnere sich. daß bereits bei der Musik- und Kongreßhalle die ver- anschlagten jährlichen Folgekosten von I Million Mark inzwischen auf 3 Millionen angewachsen sind. Lübeck sollte den Bogen nicht überspannen. Eher ließen sich die Aktivitäten des Fe- stivals durch enge Verbindung zu örtli- chen Kulturinitiativen attraktiver ge- stalten wie zum Beispiel zur Bildenden Kunst in Lübecks reichhalticen Museen mit neuer kunsthalle. bei Vernissagen in Burgkloster und Petrikirche oder zu Literatur-Veranstallungen mit dem Thomas-Mann-Zentrum. vor allem aber durch ein verkehrsoffenes Welt- kulturerbe und gewiß) nicht durch kri- tische Äußerungen des Festival-Dra- maturgen beim Trave-Trefktf der Tages- zeitung „. Lübeck macht Musik“. Dennoch ist zu bekürchten. daß sich das 13 Millionen subventionierte Festi- val in Lübeck mehr und mehr aus dem Bewußtsein seiner Bürger verabschie- den könnte. wie die einst so gefeierte „Geiger-Kaderschmiede“ von Zakhar Bron oder die Negri-Violin-School in der Parkstraße. an die sich bald nur noch derer Geldgeber ungern erinnern werden. Kultur für alle Zweilellos bietet das Festival unver- ziehtbare musikalische Höhepunkte an Orten in der Provinz. die sonst etwas abseits vom Kulturgeschehen liegen. Veranstaltungen wie eine Nacht in der Hasselburger Scheune oder im Alten- dorfer Kuhhaus - mit ..Figaros Hoch- zeit“ in Oktett-Bearbeitung -. in Kap- peln und auf Föhr mit unbekanntem .Boychor“ - inklusive Sonderschiffs- passage zum Festland - oder das italie- nische Ensemble ..I1l Giardino Armoni- co“ zur Badesaison der High-Society auf Sylt mögen den Fremdenverkehr im Lande beleben. nicht aber den Ansprü- chen eines Musik-Fans entsprechen. Was ist geblieben von vollmundigen . alle“? Ein exklusiver ..Festival- GmbH- Versprechungen einer Club“ brüstet sich mit Kamingesprä- chen. Dinnereinladungen oder Gall- Cups für Sponsoren. Dem Normalver- braucher bleibt die Eintrittskarte für Eröffnungs- oder Abschlußkonzert von stolzen über 100 Mark! Wurde Lübeck beim 13. Festival viellach mit Orchesterkonzerten be- dacht. wirkte dieses Angebot etwas ein- seitig. hört man hier doch übers ganze Jahr verteilt vorzügliche sinfonische Ensembles der Musikhochschule. der Lüheckische Blätter 1998/14 D D ~
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