Full text: Lübeckische Blätter. 1998 (163)

LITERATUR + THEATER - MUSIK .- AUSSTELLUNGEN - VERANSTALTUNGEN Bildende Kunst Im Burgkloster zu Lübeck: Rainer Fetting Nach Bernd Zimmer bei Metta Lin- de und nach Friedemann Hahn in der Overbeck-Gesellschaft nun also im Burgkloster ein dritter aus der Generati- on der um 1949 geborenen Maler, die zu Beginn der achtziger Jahre in Berlin und anderswo von sich reden machten und als „Postmoderne“ oder als „Neue Wilde“ zunächst mehr Skepsis auslö- sten als Begeisterung: Rainer Fetting, Absolvent der Hochschule der Künste in Berlin, gefördert von Hödicke, be- freundet mit Salomé und Middendorft und Zimmer und 1977 Mitbegründer der Galerie am Moritzplatz ... Was ihn von den beiden unterschei- det, die vor ihm einer Lübecker Einzel- ausstellung gewürdigt wurden: Er malt - anders als Zimmer - Landschaften wohl nur ausnahmsweise und - im Un- terschied zu Hahn - Bilder über Bilder bloß gelegentlich. Lediglich zwei leuchtende „Nordische Landschaften“, blau und grün und weiß und gelb, sind in der Ausstellung auszumachen, der dänischen Landschaftskunst der Jahr- hundertwende verpflichtet, und vier grobe figürliche Bilder, die sich mit Bildnissen von Velasquez auseinander- setzen, eindringlich, herausfordernd und gewiß der Zuwendung wert. Sein eigentliches Thema jedoch ist die Großstadt. Von den ungefähr 75 Ar- beiten der Ausstellung sind etwa 30 New York gewidmet, von dem program- matischen „New York Painter“ von 1983, einem Bild, das ihn selbst inmit- ten eines faszinierenden Farbgewirrs als neuen van Gogh zeigt, bis zu der späten Arbeit „Imagine New York“, 1997 ge- schaffen gewissermaßen als Summe der New-York-Bilder. Es ist schon erstaun- lich, mit welcher Stringenz es Fetting gelungen ist, sein New-York-Erlebnis farblich und formal zu artikulieren, in- dem er die Stadt immer wieder als Ort der Hochhausschluchten und der Taxis charakterisiert, als eine Welt, für die be- stimmte Farben konstituierend sind: das dunkle Blau des meist unbestirnten Himmels über den Häusern, das signal- haft schreiende Gelb der Taxis in den Straßen und das mannigfach differen- zierte warnende Rot der Bremslichter. Kein Zweifel, daß es sich bei den New- York-Bildern, dem riesigen „Big city cap“ beispielsweise, um expressive Chiffren handelt, die zwar in manchem auf die historische Epoche des Expres- sionismus zurückverweisen mögen, in 190 erster Linie aber doch unmittelbar indi- vidueller Ausdruck für ein gegenwärtig Erlebtes sind. Ein Zyklus von 10 Berlin-Zeichnun- gen, 1990 nach dem Fall der Berliner Bauer entstanden, sicher im graphi- schen Zugriff, ergänzt in seiner sparsa- men Eindringlichkeit das Bild von Fet- tings Schaffen aufs beste, während man auf die nur halb lebensgroße Fassung der Bronzeskulptur von Willy Brandt und auf die zeichnerischen Vorarbeiten zu diese Skulptur gern verzichtet hätte. Parallel zur Ausstellung im Burg- kloster zeigt das Kunsthaus Lübeck. Königstraße 20, Malereien und Arbei- ten auf Papier von Fetting. (Kulturforum Burgkloster, Hinter der Burg 2-4, bis 21. Juni; dienstags bis sonntags 10-17 Uhr; Kataloge) Horst Hannemann Musik 8. Sinfoniekonzert des Philharmonischen Orchesters der Hansestadt Lübeck Mit der Einladung an einen der pro- minentesten noch wirkenden ehemali- gen Chefdirigenten, an Bernhard Klee, beendete das Philharmonische Orche- ster Lübeck die Reihe der besonderen Vorhaben im Jubiläumsjahr. Klee hatte die Musiker in den sieben Spielzeiten der Jahre 1966 bis 1973 geführt und be- gann damit eine beachtliche Karriere. Dieses 8. und vorletzte Saisonkonzert am 17. und 18. Mai wurde eines der großen Ereignisse dank einer hervorra- genden Zusammenarbeit des Orchesters mit seinem früheren Leiter. Für dieses Ereignis hatte sich Klee ein Programm gewählt, das spiegelte, wofür er schon in seiner Amtszeit als Lübecker Gene- ralmusikdirektor bekannt war, für die exzellente Wiedergabe der Musik des 20. Jahrhunderts und für ein besonderes Gespür für die Wiener Klassik. Daß dieser Ruf auch weiterhin Be- stand hat, bestätigte er an gleich zwei Werken aus dem Beginn unseres Jahr- hunderts, Werke, die sehr selten aufge- führt werden. Zunächst erklang Anton Weberns opulentes, noch ganz der Spät- romantik verpflichtetes Klanggemälde „Im Sommerwind“ - Idyll für großes Orchester. Dieses Frühwerk des späte- ren Schönberg-Schülers, eines erst 2ljährigen, zeichnet mit teils zarten Klangfarben und dennoch markanten Motiven weiche, manchmal schwelgeri- sche Klangbilder, hervorragend nach- gestaltet vom Orchester unter Klees in- spirierender Leitung. Trotz des riesi- gen, klanglich vielfältig abgestuften Orchesters nutzte Webern häufig soli- stische Partien. Dabei fielen vor allem die Violinsoli des zweiten Konzertmei- sters Bruno Merses durch ihre sensible Gestaltung auf. Gegensätzlich dazu stand die zweite Komposition, Franz Schrekers „Kam- mersinfonie in einem Satz“ mit seiner ungewöhnlichen Besetzung von nur sie- ben Bläsern und elf Streichern, dafür aber Harfe, Celesta, Harmonium, Kla- vier, Pauke und Schlagwerk. Dieses in- teressante Werk nutzt äußerst geschickt die klanglichen Möglichkeiten des En- sembles und vermittelt den Eindruck ei- ner weitaus größeren Besetzung. Es verdiente durchaus die Mühe der Ein- studierung. Auch wegen seiner ausge- fallenen formalen Anlage war es eine bemerkenswerte Entdeckung. Man hat- te wieder den Eindruck einer sehr ein- fühlsamen Gestaltung, sowohl von sei- ten des Dirigenten als auch von der der aufmerksam folgenden Musiker. Der zweite Teil des Konzertes LE- hörte dem Vater der Wiener Klassiker, Joseph Haydn. Die Wiedergabe seiner letzten Sinfonie, der Nummer 104, ver- mittelte wiederum den Eindruck von genauer Gestaltung, vor allem auch der Nebenstimmen, die Klee präzise be- dachte. So konnten sich die Hauptstim- men in keinsinniger und spannungsvol- ler Dynamik entfalten, weil Klee die Tempi so wählte, daß sich die Nuancie- rungen realisieren ließen. Da machte es auch Sinn, wenn Klee im zweiten Satz den Taktstock beiseite legte und das liedhafte Melos nur mit den Händen modulierte. Langer Beifall war Dank des Publi- kums für dieses besondere Konzert, das der Verein der Orchesterfreunde durch eine Spende ermöglichte. Arndt Voß Sonderkonzert mit dem Royal Stockholm Philharmonic Orchestra Das Royal Stockholm Philharmonic Orchestra, Sendbote aus der diesjähri- gen „Kulturhauptstadt Europas“, beein- druckte bei seinem Stop in Lübeck auf seiner Europa-Tournee das Publikum stark, das am Himmelfahrtstag, 21. Mai, gekommen war, sich von der sin- konischen Gestaltungsfähigkeit der Gä- ste aus dem Norden zu überzeugen. Aber leider war der Termin sehr ungün- stig. Der besondere Feiertag, Anlaß für Reisen vieler über ein verlängertes Wo- chenende, und die zeitliche Konkurrenz mit einem ein wachsendes Interesse findenden anderen Musikereignis, dem Kammermusikkest im Kolosseum, wa- ren wohl neben geringer Beachtung Lübeckische Blätter 1998/12 r B > > Q i M . JI A qe hL...
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